Mittwoch, 13. Juni 2007

Von Auslieferung an Türkei bedroht

Kommunist nach Verhaftung in Spanien im Hungerstreik.
Linkspartei fordert Überstellung nach Deutschland


»Terror-Verdacht! Hamburger Kiosk-Besitzer auf Mallorca verhaftet«, titelte Bild Hamburg am Montag. Der Hetzartikel bezog sich auf den in Deutschland als politischer Flüchtling anerkannten Kommunisten Binali Yildirim, der seit einer Woche mit einem Hungerstreik gegen seine drohende Auslieferung an die Türkei protestiert. Der 34jährige, der mit seiner Frau und zwei Kindern in Hamburg lebt und einen kleinen Laden betreibt, war am 29. Mai im Auftrag von Interpol von der spanischen Polizei im Trainingslager seiner Fußballmannschaft verhaftet worden.

Yildirim war 1995 in der Türkei zu »lebenslanger harter Gefängnisstrafe« wegen angeblicher Teilnahme am bewaffneten Kampf der maoistischen Türkischen Arbeiter- und Bauernbefreiungsarmee TIKKO verurteilt worden. Im Gefängnis von Edirne wurde er schwer gefoltert. 2002 gelang ihm die Flucht nach Deutschland. Seine Haftstrafe war nach einem 78tägigen Hungerstreik für sechs Monate ausgesetzt worden, weil sich sein Gesundheitszustand bereits dramatisch verschlechtert hatte. Die türkischen Behörden wollten offenbar keinen Todesfall im Gefängnis zu verantworten haben.

Freunde von Yildirim schilderten gegenüber jW dessen Situation: »Binali sitzt auf Mallorca immer noch in Isolationshaft und wird 24 Stunden am Tag überwacht. Telefonieren darf er nur, wenn er auf Spanisch, das er nicht spricht, einen Antrag stellt.« Yildirims Genossen haben mit Infoständen und Kundgebungen vor dem spanischen Konsulat in Hamburg gegen seine drohende Auslieferung protestiert. Neben der Spanischen Kommunistischen Partei setzen sich auch Abgeordnete der deutschen Linkspartei für ihn ein. Ein Vertreter der deutschen Botschaft in Madrid erklärte am Dienstag gegenüber dem Büro der Abgeordneten Ulla Jelpke, man bemühe sich um eine Überstellung Yildirims nach Deutschland.

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