Sonntag, 7. Februar 2010

"Sie haben uns ausgenutzt"

Der Skandal um Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland weitet sich aus. Die Zahl möglicher Fälle ist bundesweit noch viel größer als bislang angenommen: Eine Umfrage des SPIEGEL bei allen 27 deutschen Bistümern ergab, dass seit 1995 mindestens 94 Kleriker und Laien unter Missbrauchsverdacht geraten sind. Zum Epizentrum des Skandals entwickelt sich das Berliner Canisius-Kolleg. Dort wurden die ersten Missbrauchsfälle öffentlich, täglich melden sich neue Betroffene. Der 54-jährige Ansgar Hocke war Zögling des Kollegs. Er selbst wurde zwar nie Opfer oder Zeuge sexueller Übergriffe, doch beschreibt er im Folgenden die teils düstere Atmosphäre an der kirchlichen Einrichtung:
 
Die Wut, nicht der Hass, sie löst sich nicht auf, sie wächst: Die öffentlichen Aussagen der zwei Täter Wolfgang S. und Bernhard E., mit denen ich Tage, Wochen, Monate meiner freien Zeit in der katholischen Jugendarbeit verbracht habe, mit denen ich als junger Mensch befreundet war, schockieren mich. Es geht dabei nicht um die Schwere oder das Ausmaß der Taten, die kann und will ich nicht einschätzen. Es geht darum, mit welchen Ansprüchen sie auftraten und was sie auf uns abluden. Meinen Glauben tangiert es schon gar nicht. Ich verweigere mich auch all den Unterstellungen, uns allen ginge es um einen Generalverdacht gegen die katholische Kirche und den Jesuitenorden. Es waren eben keine frömmelnden Himmelspiloten, es waren unsere Seelsorger.
 
Ich erinnere mich auf einmal wieder an Nachmittage, da war ich mit einem von ihnen im Wohntrakt des Berliner Canisius-Kollegs verabredet. Wir gingen an den alten dunklen rustikalen Möbeln vorbei. Jedes Mal war mir mulmig zumute in dieser Umgebung. Gemeinsam mit Wolfgang S. und Bernhard E. fuhr ich auf ein Dutzend Ferienlager und Seminare. Ich war knapp 18 Jahre alt. Eltern baten mich, auf einer Reise mit Schülern dabei zu sein.
 
Wir ahnten nichts. Wir hielten Wolfgang S. für ein wenig verklemmt, verschroben, aber er war nach außen kein Monster, das Potential seiner sexuellen Gewalt erahnten wir nicht. Dabei hätten wir es schon ahnen müssen.
 
Die Zeit der Patres in Soutane, die rumbrüllten, stockkonservativ den Katechismus als alleinige Richtschnur ansahen, lief Mitte der Siebziger langsam aus, so dachten jedenfalls viele Schüler am Canisius Kolleg damals. Vorbei die Sprüche: 'Das Kolleg, die letzte Bastion vor Russland', was einige Patres riefen. Oder: 'Macht der Schüler quatsche-quatsche, macht der Pater patsche-patsche'. Mitte der siebziger Jahre war Aufbruch, jetzt kamen die jungen, sportlichen Patres, so dachten viele. Wir sahen nicht, wie krank, wie labil Wolfgang S. und Bernhard E. waren. Einige von uns heulten sich auf einer Jugendfahrt nächtelang die Seele aus dem Leib. Wir fragten, warum, und erhielten keine Antwort.
 
Heute wissen wir, warum.

Wolfgang S., Bernhard E. und Pater R. waren offensichtlich eingesperrt in die Leib- und Sexualfeindlichkeit des Keuschheitsgelübdes. Sie konnten ihre Gefühle selbst nicht verstehen, aber die Leitung des Jesuitenordens hätte erkennen müssen, wen sie da in die Jugendarbeit schickten.

"Ich vertraute ihm ganz und gar"
 
  • Es gab offensichtlich keine Anlaufstelle, keine Supervision, alles war dem Zufall überlassen. Mit Wolfgang S. fuhr ich mit 15- und 16-jährigen Schülern des Canisius-Kollegs durch das Baskenland. Wir erfuhren etwas über die Unterdrückung dieses Volkes durch das Franco-Regime. Ich vertraute ihm ganz und gar, war begeistert von seinem Engagement für Folteropfer. Er passte in meine Vorstellung von einem Jesuiten.
  • Denn mit den weltoffenen, liberalen Jesuiten war ich aufgewachsen: Freunde meines Vaters, die alle zusammen im kirchlichen Widerstand gegen die Nazis aktiv gewesen waren. Wie sollte ich da diesen Jesuiten misstrauen? Wir fanden das Engagement von Wolfgang S. für die chilenischen Flüchtlinge in Berlin und für unsere offene Jugendarbeit toll. Doch er missbrauchte unser Vertrauen und das unserer Eltern. Unverantwortlich, dass die deutsche Provinz der Jesuiten ihn uns als geistlichen Leiter der Jugendarbeit zuteilte. 
  • Doch noch schlimmer war, dass Pater Bernhard E. aus Hannover 1976 sein Nachfolger wurde. Wir hatten einiges über seine Prügel-Exzesse gehört, aber keine Beweise. Die meisten von uns waren noch nicht volljährig, was sollten wir tun? Wir wehrten uns dagegen, dass er unser Jugendseelsorger werden sollte. Doch unsere Einsprüche wurden nicht gehört.
    Priester als ewig pubertierende Erwachsene

    Jeder Fall muss anders betrachtetet werden, ich wehre mich gegen Pauschalurteile. Warum aber konnte Pater R. neun Jahre isoliert von seinen Ordensbrüdern, Lehrern und Eltern agieren? In den von ihm benutzten Räumen herrschte Chaos, manchmal ging im sogenannten "Behandlungszimmer" die Tür nicht mehr richtig auf. R. war ein ewig pubertierender Erwachsener, der sich an Pubertierenden, Unmündigen verging. Er war ein krankhafter Einzelgänger, aber die Ordensstruktur deckte ihn.

    Er verknüpfte seine Taten mit Symbolen des Glaubens: Am Karfreitag, bei einer Kreuzwegstation, konfrontierte er die Schüler mit dem Bild einer nackten Frau, das er abgedeckt hinterlegt hatte. Es gab Fragebögen zur Sexualität mit harten Bildern geschmückt, um Schüler zu testen. Viele von uns waren Gruppenleiter, verantwortlich für die Jüngeren, und wir lebten damals schon anders als es die Amtskirche von uns verlangte. Meilenweit entfernt von jenem 6000 Worte umfassenden Papier, das zu Beginn des Jahres 1976 die katholische Kirche in Rom vorgelegt hatte: die 'Erklärung zu einigen Fragen der Sexualethik'. Nur die Zeugung menschlichen Lebens rechtfertigte nach Ansicht der Bischöfe die gegenseitige Hingabe.

    Die Kluft zwischen den Ansprüchen des Kirchenapparates und unserem Alltagsleben wurde immer größer. Wir durchbrachen Tabus und setzten uns ganz offen mit unseren sexuellen Bedürfnissen auseinander. Der voreheliche Geschlechtsverkehr widersprach für uns nicht der christlichen Lehre. Die jüngeren katholischen Priester der Jugendarbeit sahen, wie wir lebten. Wir lebten anders als es die Weisungen der Kirche vorsahen, Inhalt und Sprache dieses Dokuments verstanden wir nicht.

    "Ihre Perversitäten blieben uns verborgen"

    Wir hatten das Beispiel der Pillen-Enzyklika vor Augen und wussten doch längst, wie wenig die Worte aus Rom Richtschnur für den Alltag waren. Die Amtskirche hatte kein Verständnis für uns, und wir setzen die Hoffnung in die Jugendpfarrer. Dass diese aber völlig überfordert waren, orientierungslos mit ihrer eigenen Sexualität im Orden lebten, das sahen wir nicht. Es rechtfertigt aber auch nichts, denn diejenigen, die nicht 'enthaltsam' leben wollten, heirateten, verließen den Orden. Sie schrieben uns Abschiedsbriefe, in denen stand: 'Ich bin zur Einsicht gekommen, das zölibatere Leben aufzugeben, das bedeutet unter den gegebenen Umständen leider noch, dass ich aus dem Priesteramt ausscheiden muss.'

    Das Recht auf sexuelles Glück muss Teil des menschlichen Glücks sein. Das war unser Postulat, und wir wussten, dass die jungen Priester davon ausgeschlossen waren. Wir sahen oft ihre Hilflosigkeit. Ihre Perversitäten, ihre Komplexe blieben uns verborgen, andere litten darunter auf grausame Art und Weise.

    Die Priester glaubten felsenfest, mit ihrer theologischen Kompetenz über Gut und Böse menschlicher Sexualität urteilen zu dürfen. Sie hätten nie Pädagogen werden dürfen. Die Kirche litt noch in den siebziger Jahren an einer 'Masturbationspsychose'. Sie war den ewig gestrigen Sprüchen verfallen, Onanie verursache verkrüppelten Rücken und Schwachsinn. Zwar galt die Selbstbefriedigung nicht als Sünde, aber ein 'freiwilliger Gebrauch der Geschlechtskraft, außerhalb der normalen ehelichen Beziehungen, sei seiner Zielsetzung' nicht entsprechend.

    Nach dem Katechismus wurde und wird die Masturbation als eine falsche Handlung gebranntmarkt. Somit wurde das Kennenlernen des eigenen Geschlechts als teilweise doch sündhaft abgetan. Dies und nichts anderes glaubte der geistliche Nachwuchs, und er hatte uns in diesem Sinne zu unterweisen.

    Das Schlimme ist: Wolfgang S. und Bernhard E. spielten die modernen Priester. Sie gaben vor, uns zu verstehen. Letztendlich aber warteten sie darauf, unbewusst oder bewusst, ihr nächstes Opfer zu erwischen.

    Sie haben uns ausgenutzt. Und wir haben das Leid der Täter nicht sehen können, dafür waren wir zu jung."
     
    Aufgezeichnet von Peter Wensierski
 

Freitag, 5. Februar 2010

US-Militär feuerte 428 Schwule und Lesben


Seit 1993 hat das US-Militär über 13.000 Schwule und Lesben aufgrund ihrer sexuellen Orientierung gefeuert.

Unter den Augen von Präsident Barack Obama entließ das US-Militär 2009 insgesamt 428 Soldaten wegen Homosexualität.

Diese Zahl wurde vom Servicemembers Legal Defense Network (SLDN) bekanntgegeben. Diese Gruppe kümmert sich um die Belange schwul-lesbischer Soldaten, agiert aber wegen des Homo-Verbots meist im Geheimen.

Der SLDN begrüßte, dass die Zahl der Entlassungen im Vergleich zum Jahr 2008 um etwa ein Drittel gesunken sei: "Es sind gute Nachrichten, dass die Entlassungen abgenommen haben, während wir zwei Kriege führen", erklärte SLDN-Chef Aubrey Sarvis. "Aber die 428 Fälle sind natürlich nicht akzeptabel. Diese Zahl muss auf Null sinken. Wir werden weiter an den Kongress und das Weiße Haus appellieren, ‚Don‘t ask, don‘t tell" zu stoppen".

Bis 1993 herrschte im US-Militär ein striktes Homo-Verbot, danach verabschiedete der Kongress das Militärgesetz "Don‘t ask, don‘t tell". Dieses eingeschränkte Homo-Verbot besagt, dass Schwule und Lesben nur dienen dürfen, wenn sie ihre sexuelle Orientierung geheim halten. In der Realität hat dies zu einem Versteckspiel geführt, das die Betroffenen psychisch bis auf Äußerste belastet. Insgesamt hat das Militär aufgrund dieses Gesetzes über 13.000 Militärangehörige vor die Tür gesetzt.

Obama hatte bereits im Wahlkampf 2008 versprochen, diese Regelung abzuschaffen und Schwulen und Lesben die gleichen Rechte und Pflichten zuzugestehen wie heterosexuellen Soldaten. Zuletzt bekräftigte er dies in seiner Rede zur Lage der Nation Ende Januar (queer.de berichtete). Verteidigungsminister Robert Gates soll am Dienstagabend vor dem Verteidigungsausschuss des Senats die Position des Weißen Hauses erläutern und auf eine Gesetzesänderung drängen. Hohe Militärs haben in der Vergangenheit eine Aufhebung des Gesetzes abgelehnt, weil offen dienende Schwule und Lesben angeblich den "Zusammenhalt" der Truppe bedrohten.

Mitglied von Vampire Weekend outet sich — Queer.de




Rostam bei der Arbeit. Er ist auch  als Background-Sänger zu hören.


Rostam Batmanglij, Keyboarder der populären Indie-Band, spricht im Rolling Stone über sein Schwulsein.

Von Norbert Blech

Placebo, The Smiths, selbst Hund am Strand - Indie-Bands und schwule Musiker oder homoerotische Themen passen gut zusammen. Nun gibt es in dem Genre einen weiteren offen schwulen Musiker: der Keyboarder von Vampire Weekend, Rostam Batmanglij, nutzte ein Interview mit dem US-Magazin "Rolling Stone", um sich als schwul zu outen.

Freunde wüssten es schon seit immer, sagte der 26-jährige Amerikaner iranischer Abstammung dem Magazin. Auch seine Eltern hätten sein Coming-out vor zwei Jahren gut aufgenommen: "Mein Vater ging in England auf ein Internat. Es gibt nichts schwuleres", scherzte er im "Rolling Stone". Während den Aufnahmen zum zweiten Album der Band habe er unter der Trennung von einem langjährigen Partner gelitten: "Ich habe alles getan, um ihn zu halten. Er hat mir das Herz gebrochen".


Contra



Im Preppy Chic zum Erfolg: Vampire  Weekend

Dieses zweite Album, "Contra", ist im Januar beim britischen Label XL Recordings erschienen und steht in Amerika derzeit auf Platz 1 der Alben-Charts (in Großbritannien auf Platz 3 und in Deutschland immerhin auf Platz 15). Die Band ist im Feuilleton wie auch beim Publikum gleichermaßen beliebt, der Stilmix mit Einflüssen von afrikanischer Musik bis hin zu Paul Simon sorgt für Tanzbarkeit und Unverwechselbarkeit.

Die vier Mitglieder von Vampire Weekend hatten sich als Studenten an der Columbia-Universität in New York kennengelernt. 2007 erschien das erste Album, "Cape Cod Kwassa Kwassa", das mit Hits wie "A-Punk" oder "Oxford Comma" schnell internationale Bekanntheit erreichte. Obwohl die Band eher unpolitische (wenngleich überraschende) Lyrics hat und sich konservativ im Preppy Chic kleidet, verstehen sich Vampire Weekend als links und politisch. So twittert Rostam Batmanglij jetzt etwa auch über die Diskriminierung von Schwulen.




Video: (Direktlink)



(02:37) Die aktuelle Single, "Cousins"






Donnerstag, 28. Januar 2010

Dominique de Villepin: vom Berufsdiplomaten zum Volkshelden


28. Januar 2010 Das Urteil ist kaum verkündet, da tritt Dominique de Villepin vor die Fernsehkameras im Pariser Justizpalast. Er steht kerzengerade, das Kinn in die Höhe gereckt, die silbernen Haarwellen gestutzt, Maßanzug und Krawatte sitzen tadellos. Es geht plötzlich nicht mehr um das Schicksal des Citoyen Dominique Galouzeau de Villepin, es geht um Frankreich. Es geht darum, dass das Frankreich der Seilschaften Sarkozys eine Niederlage erlitten hat, am Donnerstag, dem 55. Geburtstag des Präsidenten. Das sagt Villepin zwar nicht, aber jeder hört es.

„Ich bin stolz, der Bürger eines Landes zu sein, Frankreich, in dem der Geist der Unabhängigkeit lebendig bleibt!“, sagt Villepin. Vor den Anwälten in dunkler Robe, den Schaulustigen und den Journalisten steht plötzlich wieder der Wortführer des „Alten Europas“ aus den Vereinten Nationen. Villepin spricht erhaben von seiner Unschuld, die nun endlich erwiesen sei, von der Prüfung, die er bestanden habe und vom „Mut des Gerichtes, das Justiz und Recht über die Politik hat triumphieren lassen“.

„Ich werde reingewaschen“
Die Richter widersetzten sich dem Staatsanwalt, der wegen „Beihilfe zur Verleumdung“ 18 Monate Haftstrafe auf Bewährung und 45.000 Euro Geldbuße für Villepin gefordert hatte. Sie sprachen Villepin frei, genauso wie er es in seiner letzten theatralischen Erklärung zum Ende des Strafgerichtsprozesses Ende Oktober prophezeit hatte: „Ich werde reingewaschen, meine Unschuld wird anerkannt werden.“

Villepin hatte das Verfahren um die gefälschten Bankkontolisten des Luxemburger Geldinstituts Clearstream von Anfang an als politischen Schauprozess empfunden, mit dem sich sein ewiger Rivale Nicolas Sarkozy endgültig seiner entledigen wollte. Sarkozy, der auch als Staatspräsident seine Rolle als Nebenkläger aufrecht erhielt, tat nichts, den Eindruck eines mit den Mitteln der Justiz ausgetragenen Duells zu entkräften. Sein Zorn über die Clearstream-Affäre schien Sarkozy im Gegenteil jegliche politische Vorsicht vergessen zu lassen. Er drohte, der „Dreckskerl“, der die Clearstream-Affäre angezettelt habe, werde „am Fleischerhaken enden“. Während des Prozesses bezeichnete der Präsident in einem Fernsehgespräch die Angeklagten als „Schuldige“ und weigerte sich später, das missglückte Wort zurückzunehmen.

Den Freispruch am Donnerstag kommentierte der Nebenkläger Sarkozy mit einem Kommuniqué des Präsidenten der Republik: „Das Gericht hat befunden, dass Dominique de Villepins Rolle bei der Manipulation nicht nachgewiesen werden konnte. Ich nehme das zur Kenntnis. . . . Unter dieser Voraussetzung werde ich keine Berufung einlegen.“ Sarkozy bekundete des weiteren seine „Zufriedenheit“ über das Urteil, was er damit begründete, dass das Gericht einen „schwerwiegenden Manipulationsversuch“ bestätigt habe. Der frühere EADS-Manager Jean-Louis Gergorin muss wegen Fälschung, Vertrauensmissbrauch sowie Verleumdung eine Haftstrafe von drei Jahren verbüßen, von der 21 Monate auf Bewährung ausgesetzt wurden. Auch der Informatiker Imad Lahoud wurde des Vertrauensmissbrauchs, der Fälschung und der Verleumdung für schuldig befunden und zu drei Jahren Haft verurteilt, davon 18 Monate auf Bewährung.

Dominique de Villepin indes schwor, dass er weder Groll noch Rachsucht hege: „Ich will ein neues Kapitel aufschlagen.“ Sein Leben wolle er fortan wieder „in den Dienst Frankreichs“ stellen und zum „Wiedererstarken“ des Landes beitragen. Das klingt nicht nur staatsmännisch. Villepin hat schon vor seinem Freispruch begonnen, sein politisches Comeback vorzubereiten – die Präsidentenwahl 2012 fest im Visier. Kürzlich ist er ohne Sicherheitseskorte nach Bondy gezogen, das im verrufenen Pariser Vorortdépartement Seine-Saint-Denis liegt. Villepin hat mit den Frauen der Sozialbausiedlung einen arabischen Minztee getrunken, mit den jungen Animateuren des Internetblogs „Bondyblog“ geplaudert und viele Hände geschüttelt. „Ich will eine politische Alternative anbieten“, sagte er.

Sarkozy soll getobt haben
Als Präsident Sarkozy, der sich nur mit einer Hundertschaft von Sicherheitskräften in die Banlieue wagt, von der Exkursion Villepins erfuhr, soll er getobt haben. Die Wochenzeitung „Le Canard Enchaîné“ berichtete jetzt, dass sich der Präsident beim Chefredakteur der konservativen Zeitung „Le Figaro“ beschwerte, weil die Redaktion Villepins Besuch in Bondy einen großen Artikel gewidmet hatte.

Dabei könnte Sarkozy eigentlich Villepins politischen Ambitionen mit Gelassenheit begegnen. Der 56 Jahre alte Berufsdiplomat, der unlängst als Anwalt in Paris zugelassen wurde, verdankt seine politische Erfahrung allein dem Vertrauen seines wichtigsten Mentoren Jacques Chirac. Villepin hat sich noch nie um ein Wahlamt beworben. Als Premierminister (von 2005 bis 2007) wurde ihm das häufig als mangelnde Volksnähe angelastet. Es entbehrt nicht der Ironie, dass sich Villepin im Laufe des Clearstream-Prozesses als unbeirrbarer Held profilieren konnte, der es als einer der wenigen wagt, Sarkozy die Stirn zu bieten. Die Franzosen mögen Gestalten, die gegen die herrschende Macht aufbegehren. Dominique de Villepin wird das zu nutzen wissen. Noch am Abend seines Freispruchs lud er sich in die Hauptabendnachrichten ein – wie dies sonst nur Staatspräsidenten in Frankreich vermögen.


Dienstag, 26. Januar 2010

Oettinger Talking English - Worse than Westerwave

dschörrmänns ar sie onlie piepl huh känn schpiek ewwrie längwitsch wiissaut än äcksent

Gerichtstermin geplatzt: Prozesspleite in spektakulärem Falschgeld-Verfahren

Aus Feldkirch berichtet Jörg Diehl

Mit fast 500 Millionen Dollar Blüten marschierten zwei Deutsche in eine österreichische Volksbank - und flogen auf. In dem rekordverdächtigen Kriminalfall hat sich das Landesgericht Feldkirch nun ziemlich blamiert. Die Ermittler schienen schon vorher überfordert.


"Fromm und bieder, wahr und offen lasst für Recht und Pflicht uns stehn." So hat es ein tüchtiger Handwerker in das imposante Portal des österreichischen Landesgerichts Feldkirch gemeißelt. Doch im ersten Stock des kaiserlichen-königlichen Prachtbaus haben Recht und vor allem Pflicht an diesem Dienstagmorgen einen schweren Stand.


Aufgerufen ist die Sache mit dem Aktenzeichen 929 21 Hv 129/09b, was bedeutet, dass im hellen Saal 56 einer der wahrscheinlich ungewöhnlichsten und schlagzeilenträchtigsten Prozesse in der Geschichte der kleinen Stadt verhandelt werden soll. Doch wer glaubt, dass dieser Umstand die Justiz zu besonderer Sorgfalt oder gar Höchstleistungen verleiten könnte, soll sich irren - und eine ungewöhnliche Blamage des Rechts erleben.


Angeklagt sind - wegen versuchten schweren Betruges und Besitzes von falschen Geldscheinen - zwei Deutsche, die sich vor ziemlich genau einem Jahr mit einer unglaublichen Falschgeldsumme hatten erwischen lassen. Der ehemalige Rechtsanwalt Ralf Hölzen, 46, und der arbeitslose Maschinenschlosser Dietmar B., 52, sollen am 21. Januar 2009 in einer Volksbank im Kleinwalsertal versucht haben, Blüten mit einem Nennwert von 202 Millionen Dollar einzutauschen. Weitere falsche 291 Millionen Dollar fand die Polizei später in einem schwarzen Hartschalenkoffer der beiden.


Nominell war das einer der größten Erfolge, den europäische Polizeiorgane jemals im Kampf gegen das Falschgeld erzielen konnten. Kein Wunder, dass die Beamten zunächst übermäßig engagiert in den Fall starteten. Schon einen Tag nach der Festnahme des Duos informierte die mächtig stolz scheinende Polizei die Presse und warnte damit möglicherweise auch die Hintermänner der Deutschen.


Es regierte die Gier, der Verstand schlief


Später verhedderten sich die vermeintlichen Aufklärer auch noch in dem grenzüberschreitenden Geflecht derer, die das schnelle Geld suchten, die glaubten, mit Schrottpapieren und ein bisschen Schlitzohrigkeit rasch reich werden zu können. Fast ein Dutzend Personen aus Albanien, der Schweiz, Österreich, Deutschland, Spanien und Belgien waren zeitweilig in den Falschgeldfall involviert.


Diese nur äußerlich seriösen Herren pflegten untereinander dubiose Geschäftsbeziehungen mit fragwürdigen Absichten. Man traf sich vorwiegend in Schweizer Cafés und Restaurants, in denen man großspurig über Devisen, Rendite und komplizierte Finanztransaktionen palaverte. Es regierte die Gier, es schlief der Verstand, und Bescheidenheit - so hat es den Anschein - fehlte völlig.


Doch außer Hölzen und B., die sich mit dem Falschgeld in Riezlern hatten erwischen lassen, vermochten die Ermittler keinen der Beteiligten zu überführen. Der Niederländer Hendrik van den B. zum Beispiel, der die Blüten auf ungeklärten Wegen einst beschaffte, kommt wohl ungeschoren davon. Bei der Polizei behauptete er einfach, nicht gewusst zu haben, was die Deutschen mit seinen Dollar trieben.


Zwar hegte selbst der vernehmende Kriminalist deutliche Zweifel an der Aussage des in Belgien lebenden 74-Jährigen, wie der Polizist in einem Vermerk festhielt. Der Beamte regte daher an, van den B. "durch eine mit der Sache vertraute Person" noch einmal "gezielt und gut vorbereitet" in die Mangel zu nehmen. Doch diese Mühe mochten sich die Ermittler offenbar nicht mehr machen: Vielleicht genügten ihnen zwei Angeklagte?


"Bist du vorbestraft? Mach du doch den Schöffen!"


An diesem Dienstagmorgen, es ist kurz vor halb neun, zeigt sich die österreichische Justiz erneut von ihrer schwachen Seite. Sie lässt erst den seit einem Jahr in Untersuchungshaft sitzenden Dietmar B., einen kleinen, dünnen, kahlköpfigen Mann, von zwei martialisch auftretenden Justizwachtmeistern vorführen, doch dann herrscht sehr schnell vollständige Ratlosigkeit.


Aufgeregt huscht Richter Wilfried Marte im Saal umher, nervös schaut sich die Protokollführerin um: Wo bleiben, bitte schön, die beiden Schöffen? Ohne sie kann der Prozess nicht beginnen. Es wird telefoniert, getuschelt, geflachst. Ein Lokaljournalist ruft einem Zuschauer zu: "Bist du vorbestraft? Mach du doch den Schöffen!" Die Männer johlen, die Angeklagten schauen verzweifelt.


Kleinlaut muss Jurist Marte wenige Minuten später einräumen: Die Verwaltung hat es versäumt, die beiden ehrenamtlichen Richter über den Termin zu informieren. Könne man sie nicht schnell herbeirufen, fragt ein Verteidiger, immerhin habe der Angeklagte Hölzen aus dem niederrheinischen Goch über Hunderte Kilometer anreisen müssen?


Marte winkt ab: Das habe keinen Zweck und dauere doch viel zu lange. Lieber solle man sich Anfang März wieder treffen. Die Zuschauer raunen verächtlich ob des verpatzten Prozessauftakts - ausgerechnet in diesem öffentlichkeitswirksamen Fall.


Schließlich hat die Kammer noch einiges an Arbeit vor sich: Ob Hölzen und B. an den Wert der Noten glaubten oder ob sie bewusst Fälschungen in Umlauf bringen wollten, wird die Kernfrage des Verfahrens sein. Und die Belege für einen vorsätzlichen Betrugsversuch scheinen rar.


"Ich war mir sicher, dass die Scheine echt sind"


Selbst die erfahrene Bankangestellte Jutta B., der die Deutschen die Blüten zur Ansicht auf den Schreibtisch schoben, räumte bei der Polizei ein: Ihr sei nicht sofort klar gewesen, ob es sich bei den Scheinen um Fälschungen gehandelt habe. Es gebe da "die verschiedensten Formen". "Ich hatte das Gefühl, dass die beiden glaubten, dass diese Wertpapiere und das Geld absolut echt sind", sagte sie.


Dessen ungeachtet werfen die Ermittler den Angeklagten vor, sie hätten sich "damit abgefunden, dass die Papiere falsch sein könnten". Ihr Kalkül sei gewesen: Die Volksbank werde den Schwindel schon nicht erkennen und "trotz der Wertlosigkeit der Papiere eine Gutschrift tätigen". Ralf Hölzen bestreitet das. Er beteuert, dass er nicht so dumm sei, wissentlich mit einer halben Milliarde Dollar Falschgeld in eine Bank zu gehen: "Ich war mir sicher, dass die Scheine echt sind."


Sein seit einem Jahr in Untersuchungshaft sitzender Bekannter Dietmar B. indes, so lassen die Anwälte am Morgen vernehmen, wolle am nächsten Verhandlungstag ein Geständnis ablegen: Er habe geahnt, dass mit dem Geld etwas nicht gestimmt habe, und es dennoch auf einen Versuch ankommen lassen.


Hölzen hält das für "Quatsch".

Kraftraubendes Versteckspiel

Bislang hat sich kein deutscher Fussballer öffentlich zur Homosexualität bekannt. DFB-Präsident Zwanziger bietet Unterstützung an, glaubt aber nicht an eine große Zahl schwuler Kicker.

VON ANDREAS RÜTTENAUER
Noch immer ein Tabu im deutschen Fussball: Schwule und Lesben, wie hier beim Gay World Cup. 

Er will ihnen helfen. Schwulen Fußballern, die sich outen, versprach Theo Zwanziger alle Unterstützung durch den Deutschen Fußball-Bund. Beifall brandete auf im schicken Foyer der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom. Schicke Männer freuten sich. Sie waren geladen zum Neujahrsempfang des Völklinger Kreises, des Bundesverbands schwuler Führungskräfte. Als Gastredner hatte der Verband den DFB-Präsidenten geladen. Der sollte über Homophobie im Fußball reden. "Ein schwieriges Thema", wie Bernd Schachtsiek, der Vorsitzende der Völklinger Gruppe, in seiner Begrüßungsansprache feststellte.
"Unwissen und Vorurteile" seien im Fußball in diesem Bereich noch weit verbreitet, so Schachtsiek. Wie schön wäre es doch, wenn sich endlich mal ein Fußballer outen würde! Gerne auch nach Beendigung seiner Karriere. Als Vorbild in dieser Hinsicht bezeichnete Schachtsiek den walisischen Rugby-Heros Gareth Thomas, der sich kurz vor Weihnachten öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt hat und zur Kenntnis nehmen konnte, dass seine Mitspieler und Trainer überaus verständnisvoll reagiert haben.
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Wie schwer sich dagegen der organisierte Fußball mit dem Thema Homosexualität tut, zeigt sich dieser Tage in Frankreich. Dort sorgte die Ausstrahlung einer Fernsehdokumentation "Sport und Homosexualität - Was ist das Problem?" für Aufsehen. Der Präsident des französischen Fußballverbands Jean-Pierre Escalettes wird darin auf die französische Charta gegen Homophobie im Fußball angesprochen. Die will er nicht unterzeichnen, "weil damit einer Sache Aufmerksamkeit zuteil wird, die zum Glück nicht weit verbreitet ist".
Zu Protesten hat zudem ein Satz des ehemaligen französischen Nationalspielers David Ginola geführt, der in dem Film sagt, dass er in den 18 Jahren seiner Karriere nie einem Schwulen begegnet sei, was ihm in den Umkleideräumen oder unter der Dusche sicher aufgefallen wäre. In einem offenen Brief zeigten sich der Pariser Fußballklub "Paris Foot Gay" und die Organisation "SOS Homophobie" schockiert. Sie fühlten sich bemüßigt, Ginola zu erklären, dass es kein Widerspruch ist, schwul zu sein und Leistungssport zu betreiben.
Theo Zwanziger muss man Derartiges nicht mehr erklären. Er sieht sich und seinen Verband hier selbst als Aufklärer und in der Pflicht. "In der Demokratie kann Sport nicht Zirkus sein", sagte er am Dienstag in Berlin und betonte, dass es nicht richtig ist, wenn sich Funktionäre auf den Standpunkt stellen, der Fußball sei unpolitisch. Er erinnerte an den englischen Profi Justin Fashanu, der sich als erster prominenter Profi zu seiner Homosexualität bekannt hat, letztlich an den Feindseligkeiten, die ihm deswegen entgegenschlugen zerbrach und Selbstmord beging. 1998 war das.
Einiges hat sich seitdem in der öffentlichen Debatte verändert. Und doch kann sich Zwanziger nicht vorstellen, dass sich in naher Zukunft ein Spieler, der als Profi in Deutschland spielt oder gespielt hat, als schwul outet.
Das liege zum einen an der Kabinenmentalität im Männersport, wo private Dinge "weggedrückt" würden, wo die Angst zu groß ist, dass die Mannschaft nicht mehr funktioniert. Das könne auch deshalb passieren, weil gerade in der Bundesliga viele Spieler aus Ländern unter Vertrag stehen, "in denen das Thema kritischer gesehen wird als bei uns".
Zum anderen glaubt Zwanziger, und da ist er gar nicht so weit weg von seinem französischen Kollegen, dass der Anteil schwuler Kicker im Elitebereich nicht wirklich groß ist. "Ein jahrelanges Versteckspiel" raube den Spielern letztlich die Kraft, die sie brauchen, um sich unter den Besten der Szene zu bewähren. Als "negativen Ausleseprozess" bezeichnete Zwanziger das.
Dass ein mögliches schwules Idol auf jeden Fall grundanständig sein muss, das machte der DFB-Boss am Ende klar. Er erinnerte an Fritz Walter, den Kapitän der 1954er WM-Mannschaft, "diesen untadeligen Mann", und verglich ihn mit einem anderen großen Fußballer, Diego Maradona, "einem Betrüger". Man solle sich deren Lebenswege ansehen. "Es ist eure Entscheidung, an wem ihr euch orientiert", solle man der Jugend sagen.


Dorfbewohner: Viele zivile Opfer bei Luftangriff

Kundus: Unterschiedliche Darstellungen nach schwerem Luftangriff

Nach dem Luftangriff in Nordafghanistan haben Angehörige von Opfern aus dem betroffenen Dorf Hadschi Amanullah der Darstellung der Bundeswehr widersprochen, wonach dabei keine Zivilisten getötet wurden. «Mehr als 150 Menschen wurden getötet oder verletzt», sagte ein Dorfbewohner namens Nadschibullah der Deutschen Presse-Agentur dpa am Telefon. «In der Gegend waren auch Taliban, aber mehr Opfer gibt es unter Zivilisten.» Sein 20-jähriger Cousin sei unter den Toten. Die Dorfältesten planten, nach der Beerdigung der Opfer nach Kundus-Stadt zu reisen und sich dort über den Angriff zu beschweren. Die Bundeswehr hatte den Luftangriff in der Nacht zu Freitag angefordert. Bei dem Bombardement detonierten zwei von den Taliban gekaperte Tanklastwagen. Dutzende Menschen starben. Die Bundeswehr hat nach eigenen Angaben keine Hinweise auf zivile Opfer.

Nadschibullah sagte, die Menschen seien aus ihren Häusern gekommen, als sie den Lärm der Tanklastwagen hörten. «Die Menschen gingen nicht raus, um sich Benzin zu holen. Sie wollten sehen, was passiert, als es zu dem Bombardement kam.»

Ein zweiter Dorfbewohner namens Mohammad Anwer, der seine Neffen am Freitag ins Krankenhaus nach Kundus-Stadt brachte, sagte unter Tränen: «Mein Bruder und seine zwei Söhne gingen in die Gegend, um zu sehen, was passiert. Mein Bruder wurde schwer verbrannt und ist gestorben. Jetzt habe ich seine beiden Söhne mit Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht.»


Fischbestände erholen sich wegen Piraterie

Kommerzielle Fischerboote wagen sich nicht mehr in Küstengewässer vor, melden afrikanische Fischer
Laut Angaben des Fischereiverbandes der kenianischen Küstenstadt Malindi waren im vergangenen Jahr die Fänge besser als in den Jahren zuvor. Athan Seif, der Vorsitzende des Verbandes, führt die im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP darauf zurück, dass sich ausländische Fischkutter wegen der Piratengefahr nicht mehr in küstennahe Gewässer wagen.

Über alle Fischarten hinweg gebe es eine erhebliche Vergrößerung der Bestände, erklärte der Inhaber des Unternehmens Kenya Deep Sea Fishing, Howard Lawrence-Brown. "Wir hatten im vergangenen Jahr die beste Speerfisch-Saison, die es je gab."
Fisch wird billiger
Auf dem Fischmarkt der somalischen Hauptstadt Mogadischu hat das gestiegene Angebot laut AP sogar einen Preisverfall ausgelöst, weswegen sich die Händler über größere Umsatzzahlen freuen können.

Eine 2009 veröffentlichte Studie der singapurischen Rajaratnam School of International Studies geht davon aus, dass vor der Küste Somalias jedes Jahr Fisch für 90 bis 300 Millionen Dollar illegal gefangen wird. Diese Menge entspricht laut FAO mehr Proteinen, als die internationale Gemeinschaft in Form von Hilfslieferungen ins Land bringt. Ein Drittel der zehn Millionen Somalier ist auf Lebensmittelhilfe angewiesen.
700 Schiffe aus aller Welt
Insgesamt sind laut Angaben der UNO-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO 700 Schiffe aus aller Welt beteiligt, die in mehreren Fällen einheimische Fischer mit Hochdruckschläuchen, kochendem Wasser und sogar Schusswaffen abgedrängt haben.

Clive Schofield, der Verfasser der Studie, sieht "eine besondere Ironie" darin, dass sich unter den Ländern, die Kriegsschiffe für die Piratenbekämpfung abstellen, auch Staaten befinden, deren Fischereiflotten an der Plünderung der somalischen Küstengewässer beteiligt sind. Dies rechtfertige keinesfalls Überfälle auf ausländische Schiffe. Die illegale Fischerei sei aber einer der Gründe für den Anstieg der Piraterie in den letzten Jahren.
"Nicht die einzigen Piraten"
Ohne Gewaltakte auf hoher See gutzuheißen, müsse man festhalten, dass die Somalier "nicht die einzigen Piraten, die in diesen Gewässern operieren" seien. Wenn man gegen die illegale Fischerei vorgehe, so Schofield, würde die die Legitimation der Piraten schwächen und zu einer besseren Ernährung der somalischen Bevölkerung beitragen.

Auf ein schnelles Ende der Piratenüberfälle kann man laut Schofield trotzdem nicht hoffen: mit der Seeräuberei verdienen die Kriminellen, die derzeit über zehn Schiffe und 200 Seeleute in ihrer Gewalt haben, mehr, als sie mit geregelter Arbeit verdienen könnten. Solange es nicht gelinge, Frieden, Stabilität und Sicherheit in Somalia zu garantieren, werde es Überfälle geben.

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