Samstag, 25. April 2009

Der Stein der Reichen

Dank seines Diamantenreichtums hat Botsuana jahrelang die Armut bekämpfen können. Jetzt bricht die Nachfrage nach den Edelsteinen ein - doch die Regierung des Landes will sich davon nicht entmutigen lassen.

Als wäre das Leben für die Menschen in Jwaneng nicht hart genug: Nun gibt zu allem Überfluss auch noch der letzte Schuster der 15.000-Einwohner-Stadt im Süden Botsuanas sein Geschäft auf. Denn aufgrund der weltweit sinkenden Nachfrage wird die örtliche Diamantmine, die größte der Welt, stillgelegt. “Ich bin als Junge hierhergekommen, aber jetzt gehe ich zurück in mein Dorf”, sagt der 52-jährige Schuster Edwin Phaladi.

Lange Zeit war Botsuana ein Beispiel, wie ein armes Land mithilfe seiner Bodenschätze die Armut zurückdrängen kann. Aber auch der afrikanische Musterstaat kann der Krise nicht entkommen. “Zweifelsohne stehen wir vor einer gewaltigen Herausforderung”, sagte Staatspräsident Ian Khama der Financial Times. “Seit in den 70er-Jahren Bodenschätze, besonders Diamanten, gefunden wurden, sind wir von diesem Geschäft in hohem Maße abhängig.”

80 Prozent aller Auslandsdevisen stammen aus dem Diamantengeschäft, das rund ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Mit Abstand größter Abnehmer sind die USA. Doch Amerika steckt tief in der Rezession.

Normalerweise liefert Debswana, ein Gemeinschaftsunternehmen des Staates und des südafrikanischen Konzerns De Beers, rund ein Viertel aller Rohdiamanten weltweit. Im November verkaufte es überhaupt keine Steine, in den folgenden Monaten nur sehr wenige. Daran änderte auch eine Galaveranstaltung nichts, die Botsuanas Ex-Präsident Festus Mogae mit einem Gefolge von Hollywood-Schauspielerinnen veranstaltete. Debswana schloss vier Minen.

2008 seien bis zum Dezember 32,3 Millionen Karat geschürft worden, jetzt solle die Produktion um 40 Prozent niedriger liegen, so Khama. Das Finanzministerium rechnet mit einem Minus bei den Einnahmen von 50 Prozent.

Anders als viele Nachbarstaaten hat Botsuana jedoch in guten Zeiten Rücklagen geschaffen. Die Reserven betragen umgerechnet 7,2 Mrd. Euro, das entspricht den Importen von 28 Monaten. Trotzdem wird der Staatshaushalt ins Minus rutschen. Man denke über eine Kreditaufnahme nach, kündigte Khama an - obwohl die Bedingungen an den Kapitalmärkten schwierig sind und dem Land eine Herabstufung der Bonität durch Ratingagenturen droht.

“Wir sind weiter zuversichtlich, dass wir da durchkommen”, sagte der Präsident. Vieles hänge jedoch davon ab, dass sich die Wirtschaft zum Jahresende hin erhole. Bei De Beers ist man da wenig optimistisch. Konzernmanager Stephen Lussier sagte vor Kurzem, man rechne bis mindestens Ende 2010 mit schwachen Geschäften.

Trotz allem sind die Prognosen für Botsuana besser als die anderer Länder, wie Sambia oder Kongo, die ebenfalls von sinkenden Rohstoffpreisen getroffen werden. Botsuana strebte stets nach Höherem. Vor drei Jahren machte sich die Regierung auf die Suche nach dem, was Ökonomen als Heiligen Gral der Länder bezeichnen, die von Rohstoffen abhängen - die Antwort auf die Frage, wie man in der Wertschöpfungskette weiter nach oben gelangt und es schafft, Mineralien selbst zu verarbeiten, anstatt sie nur im Rohzustand zu exportieren. Mit den Einnahmen sollte die Wirtschaft diversifiziert werden. 16 Werke zur Verarbeitung von Diamanten wurden bislang eröffnet

“Es besteht kein Zweifel, dass auch sie in Mitleidenschaft gezogen werden”, sagt Khama. Man gebe aber den Plan nicht auf, Botsuana zu einem Drehpunkt für den Diamantenhandel zu machen. Eines der neuen Unternehmen ist die South African Diamond Corporation (Safdico), die außerhalb Gaborones einen modernen Technologiepark zur Diamantenverarbeitung errichtet hat. “Es ist hart, und jeder bekommt es zu spüren”, sagt der Safdico-Manager Anthony Licht. “Aber wir denken langfristig, und wir glauben an Botsuana.”

In Jwaneng dagegen ist die Strahlkraft der Diamanten erloschen. “Hier wird alles schließen, ganz klar”, sagt Phaladi. “Jwaneng wird eine Geisterstadt werden.”

von Tom Burgis

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