Samstag, 15. März 2008

Blinder Schwarzer wird Gouverneur in New York

Der blinde Paterson kennt Schwierigkeiten im Leben
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Er wird der erste schwarze Gouverneur in New York. Und er wird der erste blinde Gouverneur in Amerika überhaupt. Was sonst noch besonders ist an David A. Paterson, hat Anne Grüneberg herausgefunden.

Man sieht David Paterson nicht auf den ersten Blick an, dass er blind ist. Aber seine braunen Augen schielen leicht und das linke Lied hängt nach unten. Sein Blick ist trüb und doch wirkt er hellwach. Mit seinem grauen Stoppelbart sieht der baldige Gouverneur aus, als käme er gerade von einem zweiwöchigen Campingurlaub mit seiner Familie. Und das passt nicht ganz zu dem korrekten schwarzen Anzug eines Mannes von Welt.

David A. Paterson wird am Montag als neuer Gouverneur des Staates New York vereidigt. Sein Vorgänger Eliot Spitzer musste wegen einem schmierigen Prostitutionsskandal zurücktreten. Keine leichten Zeiten für die New Yorker Demokraten, aber der 53-Jährige Patterson lächelt, als könne ihn nichts aus der Ruhe bringen.

Er ist Schwierigkeiten im Leben gewöhnt. Als Kind erkrankte er an einer Augeninfektion. Sein rechtes Auge war von da an blind, das Linke sieht nur sehr eingeschränkt. Und er ist farbig. Das alles hinderte ihn nicht, seinen Weg bis an die politische Spitze New Yorks zu gehen. Zu seinem Freund, dem Menschenrechtler Al Sharpton sagte er laut der Nachrichtenagentur AP über seine Behinderung: «Ich gehöre zu einer Minderheit in einer Minderheit. Und ich werde es trotzdem schaffen, Ausreden zählen nicht.»

Paterson mit seinem Vorgänger Eliot Spitzer
Und jetzt hat er es geschafft. Der Skandal eines Vertrauten wird zum Sprungbrett für die eigene Karriere. Schon 2006, als Ex-Gouverneur Spitzer ihn zu seinem Vize machte, wurde Großes von dem Demokraten erwartet. Aber die Erwartungen wurden enttäuscht - um Paterson blieb es still. Eingeklemmt zwischen dem Gouverneur, dem Parlamentarischen Sprecher und dem Senatsvorsitzenden verstummte der Politiker. Der «New York Times» sagte er: «Ich sage Ihnen, was der Job des Vize-Gouverneurs ist. Du stehst morgens um 6.30 Uhr auf und rufst den Gouverneur an. Wenn er rangeht, kannst du wieder schlafen gehen.»

Liberaler als sein Vorgänger

Ab Montag geht Paterson selbst ans Telefon. Aber was wird sich sonst noch ändern? Der Afro-Amerikaner gilt als liberaler als sein Vorgänger. Und das könnte in der Zusammenarbeit mit dem republikanisch dominierten Senat zu Auseinandersetzungen führen. Vor ein paar Jahren schlug Paterson zum Beispiel vor, New Yorker ohne amerikanische Staatsbürgerschaft wählen zu lassen. Laut New York Times ist er außerdem gegen die Todesstrafe und für eine Überarbeitung der strengen Drogenrichtlinien. Seine Meinung zu Abtreibung und Stammzellenforschung ist, genau wie die seines Vorgängers, liberal.

Von Medien umringt: Paterson ist besonders
Vielleicht hat es sich gelohnt, bisher zu schweigen. «Ich habe mich zu den Vorwürfen gegenüber Spitzer nicht geäußert», sagte er am Dienstag der «New York Times», «weil ich fand, das war der respektvollste Weg». Genau wegen dieses anständigen Verhaltens und seiner ruhigen seriösen Art hat Paterson schon jetzt viele Freunde. Auch der republikanische Senatsvorsitzende Joseph L. Bruno, mit dem Paterson in nächster Zeit viel zusammenarbeiten muss, beschreibt das Verhältnis als warm und freundschaftlich.

Blind den New York City Marathon gelaufen

Für die Sehbehinderten Amerikas ist Paterson schon jetzt ein Vorbild, denn er hat sich immer ohne viel Hilfe durch die Welt geschlagen. 1999 lief der den New York City Marathon mit und heute läuft er trotz seiner Behinderung seiner politischen Konkurrenz davon. Weil er nicht selbst lesen kann, hat er Gehilfen engagiert. Seine Reden merkt er sich, denn wie viele Blinde hat Paterson ein perfektes Gedächtnis entwickelt.

Der außergewöhnliche Gouverneur ist zweifacher Familienvater und lebt mit seiner Frau Michelle Paige Paterson in Harlem. Wahrscheinlich wird er in nächster Zeit seltener dazu kommen, mit seinen jugendlichen Kindern Basketball zu spielen. Aber dafür kann er in der Politik jetzt richtig punkten.

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