Sonntag, 8. Juli 2007

CSD Köln: Streit um Bareback-Pornos

Ein Bareback-Pornolabel hat sich mit einem CSD-Wagen beim Cologne Pride angemeldet - jetzt regt sich erbitterter Widerstand.

"Der KLuST lässt die Teilnahme eine Bareback-Porno-Labels zu und verstößt damit gegen seine eigenen Satzungsziele", erklärte Rolf Emmerich heute in einem Brief an den Kölner Lesben- und Schwulentag (KLuST), der den größten CSD Europas organisiert. Emmerich, selbst Veranstalter des Kulturfestivals Sommerblut und KLuST-Mitglied, hat eine außerordentliche Mitgliederversammlung gefordert. Grund: Er möchte, dass das Label XXX-Project, das einen CSD-Wagen angemeldet hat, von der Parade ausgeschlossen wird. Die Kölner Firma produziert Pornofilme, bei denen die Darsteller kein Kondom benutzen.

Da der CSD eine Demonstration ist, dürfe nach deutschen Versammlungsrecht eigentlich niemandem die Teilnahme verweigert werden, erklärt ein Insider. Daher sei der Veranstalter gezwungen, "diese Gruppe mit Missachtung" zu erlauben. Wahrscheinlich werde sie als letzter Wagen fahren und es würden genau davor Kondome verteilt werden.

Prostituierte nein, Bareback-Porno-Darsteller ja?

Für Emmerich und viele andere Aktive ist das trotzdem ein "Skandal". Er fordert den Verbot des Wagens, da eines der Satzungsziele des KLuST "die solidarische Unterstützung von Menschen mit HIV und Aids" sei. Gegen dieses Ziel verstoße der Wagen eindeutig. Für ihn ist es auch unverständlich, dass sich das Bordell Pascha nach anhaltener Kritik vor allem von lesbischer Seite entnervt aus dem CSD zurückziehen musste, obwohl dort Safer Sex groß geschrieben wird.

XXX-Project: "Wir verkaufen Illusionen für mündige Erwachsene"

Das so gescholtene Pornolabel versteht die Aufregung nicht: "Wir sind auch ein schwules Unternehmen und engagieren uns in der schwulen Szene", erklärte Ulrich Jung von XXX-Project gegenüber queer.de. So sei es vorgeschrieben, dass jeder Darsteller einen HIV-Test vorlegen muss, der nicht mehr als zwei Wochen alt ist. Außerdem werde vor jedem Dreh mit jedem Modell intensiv über die HIV-Gefahr gesprochen, um Ansteckungen zu verhindern. Dabei arbeite XXX-Project eng mit einem Arzt zusammen. Auch den Vorwurf, dass mehr Schwule nach Konsum der Filme unsafen Sex haben würden, hält Jung für Humbug: "Wir verkaufen Illusionen an mündige Erwachsene." Aus Kontakt zu Kunden wisse man, dass für sie deren Gesundheit natürlich Priorität habe. Trotz des Streits will das Label auf seinem Wagen "mit einem sehr süßen DJ die Stimmung ... ordentlich zum Kochen" bringen, erklärt XXX-Project auf seiner Website, die wir aus Jugendschutzgründen nicht verlinken dürfen.

Aids-Hilfe: "Das Thema ist zu wichtig, um es an einem Wagen aufzuhängen"

Michael Schuhmacher von der Aids-Hilfe Köln verweist darauf, dass das Thema Bareback bereits seit Jahren auf der Tagesordnung steht. "Das Thema ist zu wichtig, um es an einem Wagen aufzuhängen", erklärte er gegenüber queer.de und weist vor allem auf die Verantwortung des Einzelnen hin. "Diese Videos werden verkauft, weil schwule Männer sie kaufen", so Schuhmacher. Das Hauptproblem sei jedoch, dass die Aids-Hilfe in erster Linie diejenigen erreiche, die bereits Safer Sex verinnerlicht haben. "Diejenigen, die sich gelegentlich oder dauerhaft für unsafen Sex entschieden haben, erreichen wir schwerer", bedauert er. Deshalb startet die Aids-Hilfe z.B. die Wirtekampagne "Kölner Wirte gegen AIDS". So haben sich zwölf beliebte Szenewirte auf zwölf Plakaten mit ihrer Präventionsbotschaft ablichten lassen - und diese werden nun in den Kneipen der Stadt ausgehängt. Wirte sollen auf diese Art persönliche Ansprechspartner und Vorbilder für Safer Sex werden. Damit hofft die Aids-Hilfe, mehr schwule Szenegänger zu erreichen - und so die Präventionsbotschaften unters Volk zu bringen.

Barebacker auch beim CSD Berlin

Die Aufregung um Bareback-Pornos auf CSDs könnte sich auch noch weiter ausweiten: So fährt beim CSD Berlin die Düsseldorfer Firma Man's Art mit, die neue Filme schon mal mathematisch korrekt bewirbt: "6 Hardcore Scenes (3 Bareback Scenes)". In der Bundeshauptstadt scheint das allerdings bislang niemanden zu stören.

Die Kölner CSD-Parade findet am 8. Juli statt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen