Samstag, 3. Juli 2010

So jubelt das M. in Südafrika

Torjubel bei der Bundeskanzlerin. Angela Merkel kam extra nach Südafrika, um sich das Viertelfinale Deutschland gegen Argentinien anzusehen.
Das Bundeskanzlerin Angela Merkel herzte Südafrikas Staatspräsident Jacob Zuma und Fifa-Boss Joseph S. Blatter, DFB-Präsident Theo Zwanziger wollte fast die ganze Welt umarmen, und Michael Ballack hielt es nicht mehr auf der Tribüne.

"Schweinsteiger, der weiße Brasilianer"

DW-WORLD.DE: Olaf Thon, nach England besiegt Deutschland auch den nächsten großen Gegner mit einem Kantersieg. Wer soll dieses Team eigentlich noch aufhalten?
DW-WM-Experte Olaf Thon (Foto: Thon)
Olaf Thon: Das ist eine gute Frage. Man muss allerdings sagen, auch in der ganzen Euphorie, die da ist und die auch ausgelebt werden soll, dass England und Argentinien nicht die erwarteten Topfavoriten waren. Da sehe ich im Moment eher Spanien an erster Stelle und an zweiter Stelle die Niederländer. Aber Deutschland hat wirklich phänomenal gespielt, deswegen müssen wir das alle genießen und ich freu mich schon, nicht nur auf das Halbfinale, sondern am besten gleich auf das Finale.

"Jogi Löw hat auf die richtigen Pferde gesetzt"

Dennoch ist Argentinien ja nicht irgendein Gegner. Sie haben in der Vorrunde hervorragend gespielt. Wie konnte Deutschland trotzdem so dominieren?

Das ist schwer zu erklären. Man muss das einfach an der jungen deutschen Mannschaft festmachen, die so gefestigt ist und jetzt auch langsam an sich glaubt. Sie lässt gar keinen Zweifel aufkommen und hat eine stabile Defensive um Manuel Neuer, der sein Tor gegen Argentinien Gott sei Dank sauber gehalten hat. Egal, ob man Arne Friedrich nimmt oder den Kopf im Mittelfeld Bastian Schweinsteiger oder natürlich Miroslav Klose, der jetzt sein 14. Tor gemacht hat und an Pele vorbeigezogen ist - diese fußballgeschichtlichen Dimensionen muss man sich mal vorstellen. Vor der WM war auch ich der Meinung, dass Kevin Kurányi durchaus eine Berechtigung gehabt hätte, aufgrund seiner starken Leistung und der schwachen Leistung von Klose in der Saison. Aber Jogi Löw hat gezeigt, dass er auf die richtigen Pferde setzt, wie Franz Beckenbauer das 1990 auch getan hat.

Was war das für ein Blitzstart durch Thomas Müller in der 3. Minute! Was halten sie von diesem jungen Spieler?

Er hat so eine Unbekümmertheit, grüßt schon mal seine Oma und hat der gegen Argentinien wieder phänomenal gespielt. Nicht nur, dass er das Kopfballtor zum 1:0 gemacht hat. Er hat auch hervorragend vorgelegt, obwohl er zum Beispiel bei der Chance von Klose zum 2:0 in aussichtsreicher Position war und dann trotzdem mannschaftsdienlich den Ball quer legt. Er hat gar nicht im Hinterkopf, dass vielleicht der Torjäger des Turniers oder der Matchwinner werden könnte. Er arbeitet für die Mannschaft arbeitet und das zeichnet das Team aus. Das war Teamspirit auf allerhöchstem Niveau.

Spielszene aus dem Spiel Argentinien - Deutschland 1987 (Foto: dpa)
1987: Damals verlor die deutsche Elf um Olaf Thon (hinten) gegen Argentinien mit 0:1.
Viele zogen vor dem Spiel Vergleiche zum großen WM-Finale von 1990, bei dem sie selbst dabei waren. Was war diesmal anders?

Ich glaube, dass Argentinien einfach nicht so stark war und wir dafür umso stärker waren. Diese beiden Komponenten kamen zusammen. Das frühe 1:0 hat Argentinien gelähmt. Auf der anderen Seite unterlief der deutschen Elf dann diese Schwächeperiode zwischen der 30. und der 45. Minute. Nach dem Halbzeitpfiff war Argentinien auch überlegen und wir haben dann im richtigen Moment auch das 2:0 gemacht. Die deutsche Mannschaft hat dann nicht mehr so passiv gespielt, wie teilweise in der ersten Halbzeit. In der zweiten Halbzeit haben wir unsere Überlegenheit gut ausgespielt. Argentinien ist mit diesem 4:0 gut bedient.

"Schweinsteiger spielt phänomenal"

Das, was man eigentlich von den großen Technikern auf argentinischer Seite erwarten konnte, zeigte dann Schweinsteiger beim 3:0. Ist er der neue deutsche große Regisseur?

Bastian Schweinsteiger (Foto: AP)
Ja, man kann sagen, er ist es jetzt schon, wo man das Halbfinale erreicht hat. Er ist der weiße Brasilianer. Auf dieser Position im defensiven Mittelfeld, im System neben Khedira zieht er die Fäden zieht und ist der Co-Kapitän von Philipp Lahm. Er übernimmt die Verantwortung im Mittelfeld, sowohl in der Defensive gegen Lionel Messi, als auch im Sturm mit den entscheidenden Pässen. Er spielt phänomenal. Ich weiß nicht, ob diese deutsche Mannschaft aufzuhalten ist. Es wäre vielleicht möglich, dass die Spanier es schaffen oder dann im Endspiel die Niederländer, wenn es dazu kommt. Aber das weiß heute keiner. Lasst uns alle freuen, dass Deutschland um Jogi Löw sein Ziel erreicht hat

Die Fragen stellte Joscha Weber
Redaktion: Arnulf Boettcher

Denn sie wissen (wieder) nicht was sie tun

Es ist wie ein Déjàvu. Nachdem wir endlich dies leidige Thema in Deutschland hinter uns gebracht haben, kommt Frau Cecilia Malmström mit dem selben Mist um die Ecke - diesmal aber halt auf EU Ebene. Wieder einmal sollen zur Bekämpfung von Kinderpornographie Internetsperren durchgesetzt werden.

Nachdem wir uns hier in Deutschland quasi den Mund fusselig geredet haben und die Regierungsparteien trotz besseren Wissens das Zugangserschwerungsgesetz sogar verabschiedet haben, müssen wir jetzt dankbar dafür seien, dass es doch nicht umgesetzt wird.

Man könnte meinen, das CDU und FDP die Entscheidung aus Brüssel abwarten wollen. Das wäre eine Art Persilschein für sie. So hätten sie die Möglichkeit sich durch die Nichtumsetzung des Zugangserschwerungsgesetzes von der Internet Community feiern zu lassen, müssten dann aber unter dem Druck der vorrangigen EU-Gesetzgebung doch noch Websperren umsetzen. 

Die Piraten haben sich gegen dieses Gesetz gewendet, da ihnen das reine verstecken dieser Seiten nicht ausreicht. Unsere Forderung ist, dass solche Inhalte rigoros aus dem Netz entfernt werden und die Täter bestraft werden. Angesichts der Nichtumsetzung des Gesetzes muss man sich fragen, ob es dem Staat wirklich um den Schutz der Kinder ging. Der Verdacht liegt nahe, dass es hierbei doch nur um die Realisierung einer Internetzensur-Infrastruktur ging, für die man noch ganz andere Pläne hatte. Wie ist es sonst zu erklären, daß nach dem Scheitern dieses Anlaufs keinerlei weitere Gesetze zum Schutz von Kindern nachgelegt wurden? 

Frau von der Leyen hat sicher in bester Absicht gehandelt. Leider wusste sie nicht mit der Kritik aus der Netzwelt umzugehen. Anstatt sich hier Rat für eine sinnhaltige Umsetzung ihrer Vorhabens zu holen, hat sie ihren schlechten Ansatz bis zum bitteren Ende durchsetzen wollen. Hierbei wurden viele Fehler begangen, die Frau Malmström jetzt anscheinend wiederholt.

Der Versuch jetzt im Hau-Ruck-Verfahren eine EU Richtlinie umzusetzen, obwohl sich weder Ermittlungsbehörden noch Internetfachleute darüber einig sind, ob diese Maßnahme sinnvoll ist, erinnert sehr an die kopflose Umsetzung hier bei uns in Deutschland. Es sind auch mal wieder keine belastbaren Zahlen über die tatsächliche Verbreitung im Internet vorhanden. Es wird also anscheinend wieder 'aus dem Bauch heraus' gehandelt. Das kann man verstehen, da es ja schließlich um Kindesmissbrauch geht - das schlimmste denkbare Verbrechen. Von Berufspolitikern kann man aber wohl etwas mehr Umsicht erwarten. Eine schnelle Lösung ist bei diesem heiklen Thema nicht gefragt und richtet unter Umständen sogar Schaden an. Die Maßnahmen gegen das sogenannte "Grooming" (Anstiftung von Kindern zu sexuellen Handlungen) führt jetzt schon dazu, dass erwachsene männliche Singles Kinder im Internet und auf der Straße wie die Pest meiden - nur um nicht versehentlich unter Verdacht zu geraten. "Man braucht viel Zeit, um die Gesetzgebung in dem Bereich korrekt hinzubekommen", sagt auch Christian Bahls vom Verein Missbrauchsopfer gegen Internetsperren(MOGIS)

Frau Malmstrom räumt selber ein: "Wir wissen nicht, was wir nicht wissen". Dies ist sicher keine gute Ausgangsposition für eine Gesetzesinitiative zum Wohle unserer Kinder.

Deutschland zerlegt Maradonas Elf

Starker Auftritt der deutschen Nationalmannschaft: Das Team von Bundestrainer Joachim Löw deklassierte Argentinien im WM-Viertelfinale. Messi und Co. kassierten vier Treffer - und müssen nun nach Hause fahren. Deutschland zieht ins Halbfinale ein.


Hamburg - Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft steht zum elften Mal im Halbfinale einer Weltmeisterschaft. In der Runde der letzten Acht entzauberte das Team von Bundestrainer Jochim Löw zweimaligen WM-Champion Argentinien 4:0 (1:0). Das Führungstor erzielte Thomas Müller. Miroslav Klose (68./89.) schoss seine WM-Tore 13 und 14, Arne Friedrich (74.) sorgte für das zwischenzeitliche 3:0.

Im Halbfinale trifft Deutschland am kommenden Mittwoch auf den Sieger der Begegnung zwischen Spanien und Paraguay, die sich am Abend gegenüberstehen.

Die deutsche Mannschaft erwischte einen perfekten Start in die Partie. Es lief gerade mal die dritte Spielminute als Thomas Müller eine Freistoßflanke von Bastian Schweinsteiger zur Führung einköpfte - das erste Tor für Deutschland nach einer Standardsituation bei dieser WM. Für den Mittelfeldmann von Bayern München war es bereits der vierte Treffer bei dem Turnier in Südafrika.

Das Team von Bundestrainer Joachim Löw kontrollierte anschließend das Spiel, versäumte es aber zunächst, die Führung auszubauen. Müller spielte Klose im Strafraum frei, doch der Angreifer schoss in seinem 100. Länderspiel über das Tor (24. Minute). Wenig später sah Müller für ein Handspiel die Gelbe Karte - seine zweite im Turnierverlauf. Damit ist Müller im Halbfinale gesperrt.

Nach dem Seitenwechsel drängte Argentinien stark auf den Ausgleich. Doch Messi, Tévez und Co. scheiterten immer wieder an DFB-Keeper Manuel Neuer. In der 68. Minute traf Klose zum 2:0 für Deutschland. Auf Vorarbeit Müller (im Liegen) und von Lukas Podolski hatte der Münchner keine Mühe, den Ball über die Linie zu drücken. Es war Kloses 13. WM-Treffer.

Die endgültige Entscheidung fiel wenig später. Arne Friedrich erhöhte in der 74. Minute auf 3:0. Nach einem Sololauf von Schweinsteiger hatte der Innenverteidiger keine Mühe, einzuschießen. Es war Friedrichs erster Länderspieltreffer. Für den Schlusspunkt sorgte erneut Klose (89.).

Massenunfall, Feuer, Chaos und drei Tote

Schermbeck/Dorsten. Die Massenkarambolage gestern auf der A 31 zwischen Schermbeck und Dorsten West hat drei Todesopfer gefordert. Bei der Untersuchung eines Fahrzeugwracks wurde am Abend auf der Rücksitzbank ein weiteres Unfallopfer gefunden.

Bei den getöteten Personen handelt es sich nach den Ermittlungen der Polizei um zwei 24- und 37-jährige Männer aus Viersen und einen 30-jährigen Mann aus Mönchengladbach. Die Männer waren mit einem VW Golf auf dem Heimweg von ihrer Arbeitsstelle. Sie verbrannten in ihrem Wagen, als ein LKW ungebremst in das Ende eines Stau fuhr, der sich aus harmloser Ursache gebildet hatte.
Dabei wurden mehr als zehn Fahrzeuge ineinander geschoben. Bei der Massenkarambolage wurden vier weitere Personen schwer und vier Personen, darunter ein Kleinkind, leicht verletzt. Gegen 15 Uhr war zwischen dem Parkplatz Holsterhausen und der Anschlussstelle Dorsten West in Fahrtrichtung Bottrop der LKW trotz eines blinkenden Warnschildes in das Stau-Ende gerast, nachdem es in Höhe der Kanalbrücken kurz zuvor schon einen Auffahrunfall gegeben hatte. In dessen Folge hatte sich der nachfolgende Verkehr in Richtung Süden etwa vier Kilometer bis ungefähr 100 bis 150 m hinter der Anschlussstelle Schermbeck aufgestaut, weil die Verkehrsteilnehmer nur über einen Fahrstreifen die Unfallstelle passieren konnten. Beamte der Autobahnwache Recklinghausen hatten die Unfallstelle und den Stau unter anderem mit Warnschildern abgesichert.
Der LKW-Fahrer, ein 47-jähriger Mann aus Kerpen raste dann mit seinem LKW ohne oder zumindest ohne erkennbare Geschwindigkeitsreduzierung in das Stauende. An der Unfallstelle brach Feuer aus, der LKW und sechs weitere Fahrzeuge brannten total aus.

Das Auto, in dem die drei Menschen verbrannten, ist bis zur Unkenntlichkeit verkohlt und zerquetscht. Nicht einmal der Fahrzeugtyp war auf den ersten Blick erkennbar. Die Dorstener Feuerwehr hatte unmittelbar nach dem Unfall einen so genannten MANV-Alarm (”Massenanfall von Verletzten”) ausgelöst und Rettungstrupps aus dem gesamten Kreis Recklinghausen zur Unterstützung gerufen.
Es bildete sich auf der Autobahn ein kilometerlanger Stau, zeitweise bis zu 12 Kilometer. Wartende Menschen klappten in der brütenden Hitze zusammen, Hilfskräfte versorgten sie mit Wasser.  Der Gesamtsachschaden wird von der Polizei auf cirka 200.000 Euro geschätzt.

Am Samstagmorgen sind nach dem verheerenden Verkehrsunfall auf der BAB 31 zwischen Schermbeck und Dorsten die Folgen des Unfall immer noch deutlich zu erkennen. Die Richtungsfahrbahn Emden ist wieder frei befahrbar. In Fahrtrichtung Bottrop blieben die beiden Fahrstreifen bis heute Mittag wegen notwendiger Reparaturarbeiten gesperrt. Die Auffahrt Schermbeck in Fahrtrichtung Bottrop ist noch gesperrt.
Fotos: Bludau

Nach massiver Kritik: Rüttgers verzichtet auf Dienstwagen-Privileg

(RPO) Nach heftiger Kritik an seinen Plänen für eine jahrelange Dienstwagen-Nutzung auch nach dem Amtsende hat Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) einen teilweisen Verzicht erklärt. Rüttgers wollte eigentlich nach seiner von Rot-Grün geplanten Abwahl Mitte Juli fünf Jahre lang seinen Dienstwagen mit Chauffeur behalten. Wie am Freitag aus Regierungskreisen verlautete, will Rüttgers jetzt lediglich noch ein Jahr lang seine Dienstlimousine nutzen.

Offiziell teilte Rüttgers mit, er wolle nur das in Anspruch nehmen, "was bereits bei früheren Amtsübergaben und auch bei der Regierungsübernahme 2005 bei meinem Vorgänger galt". Weiter sagte er: "Im Falle der Übernahme neuer Tätigkeiten werde ich die Inanspruchnahme der Leistungen unmittelbar beenden."

Keine klare Regelung
In Nordrhein-Westfalen gibt es bislang keine klaren Regeln für die Ausstattung ehemaliger Ministerpräsidenten. Vor fünf Jahren hatte der abgewählte SPD-Regierungschef Peer Steinbrück ein vom Land finanziertes Extrabüro im Landtag erhalten. Auch einen NRW-Dienstwagen durfte Steinbrück weiter nutzen, bevor er im Herbst 2005 Bundesfinanzminister wurde.

Nach Angaben aus Parlamentskreisen soll SPD-Chefin Hannelore Kraft Rüttgers angeboten haben, bis zweieinhalb Jahre nach dem Ausscheiden aus dem Amt einen Dienstwagen nutzen zu dürfen.

Aus SPD-Kreisen hieß es, Kraft habe in einem Gespräch mit Staatskanzlei-Chef Karsten Beneke deutlich gemacht, dass bei der Ausstattung mit Privilegien auch die Dauer der abgelaufenen Amtszeit berücksichtigt werden müsse. Maximal zweieinhalb Jahre könne es für Alt-Ministerpräsidenten besondere Vorrechte geben.

Über das Ergebnis des Gesprächs sei er am Freitagvormittag informiert worden, teilte Rüttgers weiter mit. Beneke und Kraft hatten sich am Donnerstag getroffen.

Rüttgers reagierte nun offenbar auch auf die Kritik an seinen ursprünglichen Plänen, Büro, Sekretärin, Fahrer, Wagen und einen Referenten für eine volle fünfjährige Legislaturperiode zu erhalten. Der Steuerzahlerbund hatte das Ansinnen scharf gerügt. In mehreren Zeitungskommentaren wurde Rüttgers hart angegangen.

Kritik vom NRW-Beamtenbund
Kritik war am Freitag auch vom NRW-Beamtenbund (dbb) gekommen. "Ich glaub's nicht", teilte dbb-Landesvorsitzender Meinolf Guntermann mit. "Wenn ich mir vor Augen halte, dass Schwarz und Gelb gebetsmühlenartig unsere berechtigten Forderungen nach Anpassung der Gehälter kategorisch abgelehnt haben, so ist diese Forderung von Rüttgers völlig überzogen und politisch instinktlos", ergänzte er. Demnach liegen die Kosten der Außer-Dienst-Versorgung bei "jährlich deutlich über 200 000 Euro".

Finanzminister Helmut Linssen (CDU) sprach sich gegen allzu teure Dauerlösungen aus. Er setze auf eine einvernehmliche Regelung zwischen den Fraktionen, sagte Linssen. Er rechne mit einer angemessenen Ausstattung für eine "geziemende Übergangszeit". Er glaube nicht, dass dies fünf Jahre sein werden.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Landtag, Johannes Remmel, begrüßte den teilweisen Verzicht von Rüttgers als "gutes Ergebnis eines kurzen und heftigen Diskussionsprozesses". Die ursprüngliche Forderung des CDU-Regierungschefs habe ihn "erstaunt", sagte Remmel weiter. "Politische Ämter werden auf Zeit vergeben." Dies gelte auch für die Insignien der Macht.

Rüttgers war bereits in die Kritik geraten, weil sein enger Staatskanzlei-Berater und CDU-Wahlkampfstratege Boris Berger laut Kabinettsbeschluss auch nach dem geplanten Machtwechsel unbefristet als Abteilungsleiter weiterbezahlt werden soll.

Die schwarz-gelbe Landesregierung war bei der Landtagswahl am 9. Mai abgewählt worden. Nach wochenlangen erfolglosen Sondierungen mit anderen Parteien hatten SPD und Grüne Mitte Juni die Bildung einer Minderheitsregierung angekündigt. Am 13. oder 14. Juli soll Kraft zur Ministerpräsidentin gewählt werden.

Freitag, 2. Juli 2010

Papst bekräftigt Mixas Rücktritt

VON LOTHAR SCHRÖDER

Benedikt XVI. bleibt bei seiner Entscheidung, den Rücktritt des Augsburger anzunehmen. Der Fall ist somit beendet. Zugleich mahnte er die Versöhnung mit dem 69-Jährigen an, der demütig Fehler einräumte.

"Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen" – mit diesen Petrus-Worten hat Mixa noch jüngst seinen Aufsatz über den "Mut des Christen" überschrieben. Am Donnerstag gab es dazu für den emeritierten Augsburger ausreichend Gelegenheit: in der Privataudienz bei Benedikt XVI. in Rom. Sie ist mit gut einer Stunde die längste Audienz an diesem Tag. Und sie findet hinter verschlossenen Türen statt. Was anschließend aus dem römischen Papstpalast zurück in die Welt getragen wird, ist eine Vatikan-Erklärung, die in jeder Zeile den Charakter des Amtlichen trägt.

Im Kern steht vor allem dies: Der "Fall Mixa" ist am Donnerstag vom Papst abschließend behandelt worden. Es wird also keine Fortsetzung jener unrühmlichen Chronik geben, die seit Ende März die katholische Kirche in Deutschland erheblich belastet hat. Sie beginnt mit den an Mixa gerichteten Vorwürfen der Kindesmisshandlung als Stadtpfarrer von Schrobenhausen; es folgt der Verdacht, Stiftungsgelder satzungswidrig verwendet zu haben; am 21. April bittet der 69-Jährige – nach Gesprächen mit deutschen Bischöfen – um Entpflichtung, die er drei Tage später in einem Schreiben an Benedikt XVI. zurückzieht; der Papst aber nimmt am 8. Mai das Rücktrittsgesuch an; Mixa zieht unterdessen Mitte Juni wieder ins Augsburger Bischofspalais und erwägt kurz darauf sogar, seinen Fall vom päpstlichen Gerichtshof prüfen zu lassen. Am 21. Juni schließlich erreicht den Papst ein Geheimdossier über Mixa, in dem auch von Alkoholsucht und sexuellen Übergriffen die Rede ist.

Das ist – im Stenogrammstil – zugleich eine Ursache für jenen Glaubwürdigkeitsverlust, mit dem vor allem die katholische Kirche in jüngster Zeit zu kämpfen hat. Die vielen Verfehlungen sind mit der gestrigen Privataudienz nicht aus der Welt. Aber die Debatte, die innerkirchlich zunehmend als eine Art Schlammschlacht empfunden wurde, ist mit dem Papstwort rigoros beendet worden. Salopp gesprochen: Benedikt XVI. hat seit gestern eine Baustelle weniger. Zumal davon auszugehen ist, dass Mixa – bekannt für seine Papsttreue – den Rat, sich zu einer "Zeit des Schweigens" zurückzuziehen, beherzigen wird. Gestern jedenfalls beherzigte Mixa diese Weisung willensstark. Stellungnahmen zur Audienz lehnte er mit dem Vermerk ab, dass die "Schreiberei" mal aufhören müsse. Zudem wurde die Audienz aber auch zu einer Handreichung. Denn Mixa wurde in Aussicht gestellt, dass er künftig wieder als Seelsorger tätig sein könne – nach einer Zeit der "Sammlung" und einer "Periode der Heilungen und der Versöhnung".

Die gestrige Vatikan-Erklärung ist aber nicht nur an den Demut zeigenden Mixa gerichtet, sondern auch an seine deutschen Mitbrüder im Bischofsamt – in Form einer Rüge. Nicht nur zwischen den Zeilen mahnt Benedikt freundschaftliche Nähe und Hilfe für Mixa an. Er mag dabei auch den Vorsitzenden Zollitsch, sowie Marx im Blick haben, deren Verhalten Mixa noch kürzlich als nicht brüderlich bezeichnet hatte.

Allgemein aber richtet sich der mahnende Hinweis an alle Bischöfe hierzulande und deren Solidarität untereinander. Die ist in Deutschland indes noch nie sonderlich ausgeprägt gewesen. Wäre der Papst ein Politiker, müsste man sein gestriges Ansinnen vielleicht so übersetzen: Es muss ein Ruck durch die deutsche Kirchenleitung gehen.

Jürgen Rüttgers will sich nicht von Ministerpräsidenten-Privilegien trennen

Es ist kaum zu fassen: Ein geschasster MP aus NRW will Privilgien für eine miserble Amtszeit.

Was glaubt dieser korruptarrogante Populist?

Da musste man kein Prophet sein, um zu wissen: Das gibt Ärger.
Der scheidende NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers will sich auch nach Ende seiner Amtszeit weder von seinem Dienstwagen noch von seinem Fahrer genausowenig wie von einem besonders repräsentativen Büro im Düsseldorfer Landtag oder von seiner Sektretärin trennen.

Obwohl Rüttgers nach dem Ausscheiden aus dem Amt als Landeschef nur noch als einfacher CDU-Abgeordneter im Landtag sitzt, will der von den besonderen Privilegien eines Ministerpräsidenten für weitere fünf Jahre nicht lassen.

Als erste Kritiker äußerte sich der Landesvorsitzende des Bundes der Steuerzahler, Georg Lampen, gegenüber der RP, die Forderung sei absolut überzogen. Lediglich eine Übergangsphase von 6 – 12 Monaten sei für einige Privilegien angemessen.
 
In den Wochen bis zu Rüttgers endgültigem Rücktritt wird der Mann, der einst zweifelhafte Berühmtheit mit der Wortwahl “Kinder statt Inder” im Zusammenhang mit qualifizierten Computer-Spezialisten aus dem Ausland erreichte, sich über sein Verständnis eines geordneten Ausscheidens aus dem Amt vermutlich noch häufiger erklären müssen.

Das ”Sparpaket” à la Rüttgers beeinhaltet übrigens einen Dienstwagen vom Typ Audi A8 W12 quattro in der Langversion mit gut 20 Liter Spritverbrauch im Stadtverkehr und einem CO2-Ausstoß von 324 Gramm.

Die Opposition bzw. neue Regierung soll gewarnt sein sich dieser Korruptionsavancen auch nur zu nähern!

Donnerstag, 1. Juli 2010

13-Jähriger schlägt Trierer halbtot - Jugendamt schickt Täter nach Hause

Augenzeuge greift ein und verhindert Schlimmeres - Angreifer schon mehrfach gewalttätig
 

(jp) Ein 13-jähriger Junge aus Trier hat einen auf einer Parkbank liegenden Mann immer wieder getreten und einen Mülleimer aus Metall nach ihm geworfen. Ein Augenzeuge griff ein, sprach den Jungen an und verständigte die Polizei. "Mit diesem genau richtigen Verhalten hat der Zeuge dem Obdachlosen wohl das Leben gerettet", sagte Polizeisprecherin Monika Peters. Die Tat ereignete sich am Mittwochmittag; die Polizei ging mit der Information erst gestern an die Öffentlichkeit.
  • Auf dieser Parkbank in der Hohensteinstraße in Trier-West lag der Obdachlose. Foto: Friedemann Vetter
Die schweren inneren Verletzungen des 54-jährigen Obdachlosen seien nicht direkt sichtbar gewesen und erst im Krankenhaus, in das der nicht ansprechbare Mann vorsorglich gebracht wurde, erkannt worden. Gestern war sein Zustand stabil, Lebensgefahr bestehe nicht mehr. Das Motiv des Jungen blieb völlig unklar. Der 13-Jährige ist nicht strafmündig. "Wir können kein Ermittlungsverfahren einleiten", sagte Triers Leitender Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer. "Hier greift das Strafrecht nicht."

Die Ermittler hatten deshalb nur eine Möglichkeit: Die Polizei überstellte den Jungen ans Jugendamt, das ihn in der Kinder- und Jugendpsychiatrie untersuchen ließ. Diese Untersuchung habe ergeben, dass der 13-Jährige - der laut Polizei schon mehrfach durch Körperverletzung aufgefallen ist - momentan keine Gefahr für sich und andere darstelle, sagte Dorothee Wassermann, die stellvertretende Leiterin des Trierer Jugendamts. Damit gab es keine Grundlage, ihn festzuhalten, und das Amt übergab den Jungen seiner Mutter. Ein Erzieher wird den Jungen für eine Zeit lang täglich vier Stunden begleiten. Außerdem kommt er nach den Sommerferien in eine Lernhilfegruppe, eine Behandlung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie folgt später.

Taschencomputer spürt Dieb auf

Will.i.amDiebstahl lohnt sich nicht: Mit der Trackingfunktion seines iPads ortete Will.i.am die Adresse eines Langfingers und alarmierte die Polizei.

Hollywood (anu) - Moderne Technik machts möglich: Mit Hilfe seines iPads machte Will.i.am einen Dieb ausfindig, der zuvor den Bentley des Rappers ausgeraubt hatte. Unter dem Diebesgut befand sich neben Schmuck und anderen persönlichen Dingen auch der Taschencomputer.

Dem Räuber auf der Spur
Dank der Trackingfunktion des Geräts gelang es dem Frontmann der Black Eyed Peas, den Aufenthaltsort des Langfingers zu lokalisieren. Will.i.am informierte sofort die Polizei.

Der Verdächtige ist noch auf der Flucht, die Ermittler verfolgen aber eine heiße Spur. Dafür kann Will.i.am aufatmen: Die Ordnungshüter spürten fast den gesamten gestohlenen Besitz im Wert von rund 10.000 Dollar auf - inklusive iPad.