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Montag, 6. September 2010

Punk’d: Iraqi Terrorism




(Brightcove Direktterrorism, via Dangerous Minds)
Im Irak läuft eine Fernsehshow, nicht unähnlich unserem „Verstehen sie Spaß?“ oder eben MTVs „Punk’d“. Nur verarschen die die Leute mit Terrorismus und Fake-Bombs. Das ganze ist natürlich so dermaßen wrong, dass es rauscht. Und ich würde mir das auf jeden Fall ansehen. Sick, sick world.
An Iraqi reality television program broadcast during Ramadan has been planting fake bombs in celebrities’ cars, having an Iraqi army checkpoint find them and terrifying the celebrities into thinking that they are headed for maximum security prison.
The show “Put Him in [Camp] Bucca” has drawn numerous protests but has stayed on air throughout the fasting month, broadcasting its “stings” on well-known Iraqi personalities.
Punk’d, Iraqi-Style, at a Checkpoint

Sonntag, 4. Juli 2010

Forscher entdecken Beinahe-Fehler in US-Heiligtum

Unabhängigkeitserklärung

Ein kleines Wort für den Verfassungsvater, ein großer Unterschied für die Geschichte: Als Thomas Jefferson die US-Unabhängigkeitserklärung formulierte, nannte er die Bürger erst Untertanen. Dann korrigierte er die Formulierung schnell, wie Chemiker nun belegen.


Im Sommer 1776 schrieb der Anwalt und Abgeordnete Thomas Jefferson Geschichte. Seine Aufgabe: Er sollte das erste Rechtsdokument der noch zu gründenden Vereinigten Staaten von Amerika formulieren - die Unabhängigkeitserklärung.

Die wichtigsten Passagen des Dokuments sind heute berühmt: Kerngedanke der Erklärung ist die damals revolutionäre Idee, "dass alle Menschen gleich geschaffen sind, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind", nämlichen den Rechten auf "Leben, Freiheit und das Streben nach Glück".

Jefferson sah Menschen nicht als Untertanen, sondern als mündige Bürger, deren Rechte der Staat zu achten und zu schützen hat. Dieses Konzept war für den Verfassungsvater 1776 allerdings wohl noch etwas ungewohnt, wie Forscher der US-Kongressbibliothek nun mit einer spektroskopischen Analyse eines der ersten Textentwürfe der Erklärung belegen.

In dem in die Geschichte eingegangenen Dokument ist die Rede von Bürgern ("our fellow citizens" im Original). Doch eigentlich hatte Jefferson an dieser Stelle Untertanen geschrieben ("our fellow subjects"). Aber sehr schnell erkannte er seinen Formulierungsfehler und kritzelte, als Tinte noch nicht trocken war, den Begriff Bürger darüber.

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kongressbibliothek Fenella France, die am Computer die Scans des Dokuments analysiert hat, beschreibt ihre Entdeckung so: "Es war ein Gänsehaut-Moment, als ich die Daten nachts analysierte und entdeckte, dass da ein Wort unter Bürger steht. Dann begann die langwierige Analyse."

In der Endfassung des US-Unabhängigkeiterklärung fehlt dieser Satz, indem Verbrechen des britischen Königs aufgeführt werden. Ein ähnlicher Satz taucht auf und vor allem der Begriff "citizens". Die US-Kongressbibliothek beschreibt die Bedeutung des Fundes in dem Entwurf so: "Der Satz wurde nicht übernommen, aber die Idee."

Montag, 3. Mai 2010

Chinas Schwulen- und Lesben-Mekka


In der Expo-Stadt Shanghai gibt es Freiräume für Homosexuelle

Die Party in einer heruntergekommenen Halle eines Arbeiterviertels von Shanghai ist in vollem Gange. Dutzende schwule Männer tanzen unter blinkenden Lichtern und Lametta langsam zu einer Ballade. Zwar werden viele von ihnen später zu ihren Ehefrauen zurückkehren - doch zumindest einige Stunden lang können sie hier im “Lailai”-Club sie selbst sein. Und das ist in einem Land, in dem Homosexuelle noch immer hohem sozialen und familiären Druck ausgesetzt sind, viel wert: “Wenn du schwul bist und die Leute in deiner Heimatstadt das herausfinden, ist alles vorbei”, sagt Leon, ein 28-jähriger Reiseleiter aus der Provinz Anhui im Osten, der seit zehn Jahren in Shanghai lebt.

In der Wirtschaftsmetropole, wo am Samstag die Weltausstellung Expo ihre Tore für das Publikum öffnet, ist das gesellschaftliche Klima etwas liberaler als in anderen Landesteilen - und so hat sich Shanghai seit einiger Zeit zum Mekka der chinesischen Homosexuellen entwickelt. Hier gibt es Bars, Clubs und sogar Schwimm- und Volleyballteams für Schwule und Lesben. Und im Juni vergangenen Jahres fand in Shanghai sogar das erste Homosexuellen-Festival Chinas statt. Zwar sagten die Behörden einige der zu dem Festival geplanten Veranstaltungen ab, doch die meisten wurden genehmigt.

Bis 2001 galt Homosexualität in China offiziell noch als Geisteskrankheit. Doch in den vergangenen Jahren hat sich die Lage für Schwule und Lesben ein Stück weit verbessert - vor allem in Shanghai, aber auch in einigen anderen Städten. Dazu beigetragen haben die Aufklärungsarbeit von Nichtregierungsorganisationen, der Medien und einiger Schulen sowie auch der Einfluss des Internet. “In der Vergangenheit, sogar noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts, wurden Schwulenbars oft von der Polizei heimgesucht”, sagt Zhang Beichuan, ein Experte für Fragen der Homosexualität an der Universität von Qingdao. “Jetzt hat sich die Situation verändert. Man kann viele Dinge offener machen.”



Doch in kleineren Städten und auf dem Land mangelt es noch immer an Toleranz. “Hauptgrund ist, dass in China die Fortführung der Ahnenreihe sehr wichtig ist”, sagt die Sexologin Li Yinhe. “Wenn man sich nicht fortpflanzt, hat die Familie keine Nachkommen. In China ist das Wort ‘juehu’ - ohne Nachkommen - ein Schimpfwort.” Unter dem Druck der Eltern kommt es nicht selten vor, dass ein homosexueller Mann und eine homosexuelle Frau einander heiraten. In Shanghai veranstaltet eine Bar sogar spezielle Treffs für Schwule und Lesben, damit sich dort Paare für die Eheschließung finden, wie ein Vertreter der Homosexuellen-Organisation LGBT berichtet.

Auch Leon heiratete auf familiären Druck eine Klassenkameradin, mit der er zwei Töchter hat. Seine Frau ist heterosexuell, und sie weiß nichts von seiner sexuellen Präferenz - geschweige denn davon, dass ihr Mann einen festen Freund hat. “Manchmal tut sie mir ein bisschen leid, aber wie kann ich das jetzt wieder gutmachen?”, fragt Leon. “Ich kann sie nur mit Geld unterstützen und ihr das Leben so angenehm wie möglich machen.”

Ma Qun, der bei dem Tanztreff in der “Lailai”-Halle ebenfalls dabei ist, hat hingegen nie geheiratet. Allerdings habe er es auch nie gewagt, mit einem Mann zusammenzuleben, erzählt der 75-Jährige, während er den Tänzern zuschaut. Dennoch ist er zufrieden, dass die Schwulen jetzt ihre Identität nicht mehr ständig kaschieren müssen. “Inzwischen ist kein Druck mehr in meinem Herzen”, sagte der alte Mann und lächelt dabei.

Freitag, 23. April 2010

Oralverkehr dank "Clinton-Lewinsky-Effekt" kein Sex mehr

Immer weniger junge Menschen in Amerika stufen den gemeinen "Blow-Job" als Sex ein, wie eine amerikanische Studie herausfand.

Die University of Kentucky in Lexington befragte insgesamt rund 500 College-Studenten – davon zwei Drittel Mädchen – nach ihrer Definition von Sex. Ergebnis: Oralverkehr wird nur noch von 20 Prozent der Befragten als Sex angesehen. In Untersuchungen aus den Jahren 1991 und 1999 waren noch über 40 Prozent davon überzeugt.

Die Forscher bezeichneten die schnelle Veränderung des Sex-Begriffs als Folge des "Clinton-Lewinsky-Effekts". Rückblick: Der frühere US-Präsident Bill Clinton hatte im Laufe der Ermittlungen um seine Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky ausgesagt, die Beiden hätten nie Sex gehabt. Später gab er Oralverkehr und andere Praktiken zu, bestand aber darauf, dass er keinen Sex mit der jungen Frau gehabt habe. Die Beiden habe lediglich eine "nicht angemessene Beziehung" verbunden.
"Wie Präsident Clinton behalten sich Jugendliche und junge Erwachsene einen großen Spielraum beim Wort ‚Sex’ vor. Ihre Definition des Wortes hängt vor allem davon ab, ob sie ihr Image als sexuell erfahren oder sexuell unerfahren nach außen tragen wollen", erklärte Jason D. Hans von der University of Kentucky.

Als weitere Gründe nannten die Wissenschaftler Veränderungen beim Sexualkundeunterricht. So führe der Enthaltsamkeitsunterricht dazu, dass alles außer der vaginalen Penetration nur erlaubtes Spiel sei. Außerdem habe die wachsende Sexualisierung von TV-Sendungen und Kinofilmen zu einer Abstumpung geführt.

Von den Befragten sahen zudem nur rund 80 Prozent Analverkehr als echten Sex an. Jeder Fünfte glaubte also, dass nur Vaginalsex echter Verkehr sei.

Bereits zuvor haben australische Wissenschaftler behauptet, dass Oralsex gegenwärtig einen Siegeszug antritt und als "neue Form von Enthaltsamkeit" gilt. Diese Praxis sei früher fast ausschließlich von Prostituierten betrieben worden, habe nun aber den Mainstream erreicht.

Montag, 29. März 2010

Acht Jahre mit dem Priester

Sexueller Missbrauch in der Kirche

Lars war mit einem Pfarrer zusammen. Anfangs war es Missbrauch, sagt Lars. Später habe er auch Spaß beim Sex gehabt. Was blieb, war ein Gefühl der Abhängigkeit.

VON ANDREA ROEDIG

Er hat mich dann fixiert mit einem Grinsen, das fast etwas Dämonisches hatte, und ich hab dann gedacht, ach, jetzt gehts wieder los."

Wenn Lars* vom Kaffeetisch aufsteht, nimmt er immer schon Geschirr mit zur Spüle. Wenn etwas fehlt, springt er hoch, wenn ein Gang zu tun ist, ist er sofort dabei, wenn man vor ihm steht mit zwei Tragetaschen, hat er Sekunden später eine davon in der Hand. Er kann nicht anders. Er ist ein Helfer, wie unter Strom. So schnell, wie er handelt, so schnell redet Lars auch, im badischen Dialekt, er liebt Klatsch und Tratsch und Opern, er lacht gerne. Die Augen aber sind klein, ein wenig müde, und die Mimik wirkt straff, als habe sich alle Lebendigkeit schon in den Bewegungen des Körpers erschöpft.

Lars ist heute 54, Krankenpfleger in Süddeutschland, und er hat eine Jugendgeschichte, die nach Sensation klingt oder nach Tristesse: Von seinem 15. bis 23. Lebensjahr war er mit einem katholischen Priester zusammen.

Dass jetzt die ganzen Missbrauchsfälle ans Licht kommen, erleichtert ihn ungeheuer. Auch, dass die Sache einen Namen hat, denn, so sagt er, "man war ja selbst verunsichert, ob es Missbrauch war, ja oder nein?"

Wo ist die Grenze?
Immer die alten, nie auszuräumenden Zweifel. Sie sind typisch für Missbrauch und führen, auch bei Lars, zu diesen schwankenden Sätzen, den kleinen Einschüben, die mit schneller Bewegung die Eindeutigkeit eines Urteils wieder zurücknehmen, "ein bisschen", "schon", "zeitweise": "Ja, zeitweise habe ich schon Schaden genommen durch den Peter." Wer weiß schon, ob ein Gefühl echt und wo die Grenze überschritten ist.

Als Lars seinen Priester kennen lernte, war er 13 Jahre alt. Der Geistliche war als junger Kaplan neu in die Pfarre der Kleinstadt gekommen, ein sympathischer, lockerer Mann von 29 Jahren und für Lars das Gegenbild dessen, was er von zu Hause kannte. Denn daheim herrschte das knallharte, autoritäre Regiment des Vaters. Beim Essen lag der Rohstock mit auf dem Tisch, und wenn der Vater abends von der Arbeit kam, herrschte "Totenruhe" im Haus. Lars, der Fünfte in der Reihe von sieben Geschwistern, hatte eine Heidenangst vor ihm. "Meine Kindheit und Jugend war also weniger schön, sie war nervig und stressig", so sagt er das. Er ist voll von Geschichten über den Vater.

Peter war anders. Jung, aufgeschlossen und zugewandt gab er Religionsunterricht in der Schule und traf Lars auch beim Ministrantendienst in der Kirche. Lars fühlte sich hingezogen, "weil er mich einfach nett behandelt und auch mal den Arm um mich gelegt hat. Das war sehr wohltuend." Der Priester suchte Nähe zu Lars Familie. Zwei bis drei Mal in der Woche besuchte er sie, spielte mit den Kindern "Mensch ärgere dich nicht" oder Karten.

Zum ersten sexuellen Kontakt kam es, als der Kaplan schon zwei Jahre in der Pfarre war. Lars erinnert sich noch genau an den 29. Mai 1971, er war gerade 15 geworden. Peter war noch spät abends bei der Familie gewesen und hatte den Schlüssel vom Pfarrhaus vergessen. So übernachtete der Herr Kaplan in einem freien Bett im Zimmer der Jungen.

Als Lars Brüder eingeschlafen waren, gab Peter vor, ihm sei kalt. Ob Lars nicht zu ihm kommen wolle, um ihn zu wärmen. "Zunächst fand ich das angenehm, diesen Körperkontakt. Als er mir dann zwischen die Beine gegriffen hat, fand ich das komisch, ich habs aber zugelassen, weil ich dachte, bevor du jetzt Nein sagst und zurückgewiesen wirst, guckst du mal, was er will." So hat es angefangen. Lars, "der Spätzünder", hatte keine sexuellen Erfahrungen bis dahin, er war glatt und unbedarft, hatte wenig Interesse an Mädchen oder Jungs. Was da mit ihm und dem Priester geschah, habe er nicht wirklich realisiert. "Ich war völlig verwirrt, ich weiß zum Beispiel, dass mir den ganzen nächsten Tag über schlecht war. Ich kanns nicht mal jetzt richtig beschreiben, es gibt kein entsprechendes Gefühl dazu."

Am Folgetag holte der Priester Lars nach dem Mittagessen ab. Er solle niemandem erzählen, was da gelaufen sei, es sei aber sehr schön gewesen und er wolle, dass es weiter so ginge. "Ich konnte gar nichts dazu sagen", erzählt Lars heute, "ich war richtig kaltschweißig, auch am ganzen Körper, überall so fühllos ein bisschen. Und andererseits wollte ich die Nähe mit ihm nicht verlieren. Es war ganz widersprüchlich."

Peter, der gute Freund des Hauses, kam jetzt täglich, allerdings oft incognito. "Es gab ein Geheimzeichen. Peter ging hinters Haus und pfiff ,Leicht, leicht und bekömmlich', eine Werbemelodie für Margarine. Das war das Signal für mich, so schnell wie möglich von zu Hause loszukommen zu einem Treffpunkt, wo Peter mit dem Auto wartete." Sie fuhren dann in den Wald, meist unter dem Vorwand, den Hund spazieren zu führen, und "trieben es im Auto. Auf eine gewisse Art", sagt Lars, "war ich froh, von zu Hause wegzukommen."

Während der acht Jahre dieser Beziehungsgeschichte wurde Intimverkehr zum täglichen Ritual. "Wir haben jeden Tag Sex gehabt, sofern wir am selben Ort waren, jeden Tag." Der Priester nahm an der Entwicklung des Jungen teil, die ersten Schamhaare, die kamen, der Stimmbruch, alles faszinierte ihn, er drängte nicht gewaltsam, zumindest nicht am Anfang, er ließ sich befriedigen. Und es gab diesen Blick, den Peter bekommen konnte, wenn die Geilheit ihn überkam. "Das war ein kurzer Moment, da musste man durch. Er hat mich dann fixiert mit einem Grinsen, das fast etwas Dämonisches hatte, und ich hab dann gedacht, ach, jetzt gehts wieder los." Doch Peter war der Lehrer, und Lars war lange Zeit noch per Sie mit ihm, auch im Bett. Erst sehr spät kam Penetration hinzu. "Ich kann mich an eine Situation erinnern, da wollte er das unbedingt, und es hat tierisch weh getan. Ich hab gesagt, ich will nicht, er hat aber trotzdem weitergemacht. Das war das einzige Mal, dass es so ein bisschen Gewalt war."

Mit 16 beendete Lars die Schule, doch die Beziehung zum Priester lief weiter, der holte seinen Geliebten von den diversen Lehr- und Arbeitsstellen mit dem Auto ab. Ende 1973 übernahm er eine eigene Pfarrei in der Nähe des Bodensees, und ein halbes Jahr später zog Lars, der es zu Hause nicht mehr aushielt, zu ihm.

Was wissen die Leute, was wollen sie wissen? "In der Gemeinde hieß es, ach der Pfarrer, der ist sozial, er hat viele Räume und nimmt einen jungen Mann auf." Lars Mutter ahnte nichts, der Vater interessierte sich nicht. Erst spät, 1977, also im sechsten Jahr der Beziehung, hat Lars sich seiner Schwester gegenüber geöffnet, "doch die war völlig überfordert, sie hat komisch reagiert." Spätestens ab da aber gab es das Gerücht über ihn und den Pfarrer zumindest im Geschwisterkreis. Geredet hat aber niemand, es gab kein Außen. Und wusste die Kirche? Die wusste. Viel später, um 1990 herum, ließ der Personalreferent der zuständigen Erzdiözese Lars über einen Dritten mitteilen, wenn er überdies Psychotherapie bräuchte, könne er sich melden. Der Personalreferent von damals ist heute ein hoher Würdenträger der katholischen Kirche Deutschlands.

Recht besehen, ist vieles an der Geschichte kein Skandal. Als Lars zu Peter zog, war er 18 und - nach heutigen Vorstellungen jedenfalls - alt genug. Vieles wäre kein Problem, wenn Sex keine Sünde wäre. So aber griff das Schweigesystem, und das war es, was Lars, der einen Vaterersatz suchte und dafür seinen Preis zahlte, nachhaltig verletzte. Er hat in Autos übernachtet, um nicht gesehen zu werden, er war verfügbar in den kurzen Zeiten, wenn der viel beschäftigte Pfarrer eine Erleichterung brauchte. Er war ein Schatten, ein Nichts, ein Niemand, und er war mit der Sache hoffnungslos allein.

Das brutale Ende
Ihr Ende fand die Geschichte, als der Priester seine 18 Jahre jüngere Haushälterin schwängerte. Ein Klassiker eigentlich. Über die Art der Trennung ist Lars lange nicht hinweggekommen, kühl und brutal wurde er vor die Tür gesetzt. Der Priester beantragte seine Laisierung und löste den Pfarrhaushalt auf, ohne noch einmal wirklich mit Lars zu sprechen. Er wurde dann - man bleibt ja Pädagoge - Leiter eines Landschulheims am Bodensee.

Fünf Jahre hat es gedauert, bis Lars wieder eine sexuelle Beziehung aufbauen konnte. dazwischen war nichts, er hat nur "geheult, gejault, gelitten wie ein Schwein". Trennungen sind oft traumatisch - was den Rest seines Lebens aber überschattet, ist der Verrat, das Gefühl, die besten, wichtigsten Jahre verschenkt zu haben an eine Abhängigkeit, ein Versteckspiel, bei dem es nie um ihn ging.

Sexuelle Ausbeutung wäre das passende Wort, das Lars nicht verwendet. War es Missbrauch? "Am Anfang war es das auf alle Fälle, für die ersten zwei Jahre", sagt Lars. "Aber ich kann die Grenze nicht genau ziehen, weil es bei mir zur Gewohnheit wurde, weil irgendwann auch der Punkt kam, an dem es mir Spaß machte und ich mich darauf eingelassen hatte. Ich denke dann, nach zwei Jahren hättest du ja, wenns nur Missbrauch gewesen wäre, ein bisschen mehr Abwehr zeigen können, du hast dich ja gar nicht wirklich gewehrt, hast ja nicht wirklich was unternommen." Immer die alten, nie auszuräumenden Zweifel über die eigene Mittäterschaft, typisch für Missbrauch als der perfektesten Kunst, mit Grauzonen zu spielen.
 (*Alle Namen geändert)

Samstag, 27. Februar 2010

Schiedsrichter outet Michael Kempter



Gegrabbelt oder nicht gegrabbelt? Michael Kempter streitet die Sex-Vorwürfe ab

Ein Nachwuchs-Schiri aus der dritten Liga erklärte jetzt, das angeblich heterosexuelle Missbrauchsopfer habe sich ihm im vergangenen Jahr in einem Hotel sexuell zu nähern versucht.

Von Carsten Weidemann

Die Affäre um Ex-Fußballbund-Funktionär Manfred Amerell und Schiedsrichter Michael Kempter nimmt immer absurdere Züge an: Während Kempter nach wie vor angibt, er sei von seinem Förderer Amerell sexuell belästigt worden, behauptet nun ein anderer Nachwuchs-Schiri, Kempter habe sich ihm in einem Hotel aktiv mit deutlichen Absichten zu nähern versucht.

Der (nicht namentlich genannte) Jung-Schiedsrichter, der unter anderem in der dritten Liga als Linienrichter aktiv sei, habe sich nach Informationen der Frankfurter Rundschau (FR) beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gemeldet. Der Mann berichtete demnach, dass Michael Kempter ihn am 13. Mai 2009 in einem Hotel offensiv angegraben habe. Pikant dabei: Kempter hatte noch letzte Woche behauptet, er sei heterosexuell. Gegenüber der FR wies der 27-Jährige die Vorwürfe des anderen Schiedsrichters als "falsch" zurück.

Der DFB selbst wollte am Freitag weder bestätigen noch dementieren, dass sich jemand mit entsprechenden Infos beim Verband gemeldet hätte. In einer Presseerklärung des Fußballbunds heißt es jedoch: "Die Frage, ob Herr Kempter etwas mit einem Mann oder einer Frau hatte, ist für den DFB überhaupt nicht relevant, solange er seine Pflichten als Schiedsrichter nicht verletzt hat. Im Gegensatz zu Herrn Amerell, der in seiner Funktion zu den ihm anvertrauten Schiedsrichtern die nötige Distanz wahren musste, liegen dem DFB bei Herrn Kempter keine Hinweise auf eine Pflichtverletzung vor. Wie und mit wem ein Mitarbeiter sein Privatleben verbringt, ist für den DFB nicht zu bewerten."

Mit den Bild-Enthüllungen war der Höhepunkt der Schlammschlacht offenbar noch nicht erreicht

Die Anmach-Vorwürfe gegen Kempter sind nicht die einzige neue Wendung, die an der Glaubwürdigkeit des jungen Schiedsrichters rütteln. Auch der Vorsitzende des DFB-Schiedsrichterausschusses, Volker Roth, hat jetzt einer Aussage Michael Kempters öffentlich widersprochen. Roth wurde von dem Schiedsrichter am 17. Dezember erstmals über die angeblichen Missbrauchsversuche informiert.

Bei dem Gespräch habe er ihn darauf "aufmerksam gemacht, wie die Abläufe im Fall Amerell in meinem persönlichen Fall waren. Und ich habe ihm gesagt, dass es noch andere Fälle gibt, von denen ich inzwischen gehört hatte. Ich hatte detaillierte Informationen in der Hand", sagte Michael Kempter Mitte Februar aus. Gegenüber der FAZ meinte Roth nun jedoch: "Kempter hat nur über sich und Amerell gesprochen, nicht aber über andere, möglicherweise in Mitleidenschaft gezogene Schiedsrichter." Der Vorsitzendes des Schiedsrichterausschusses steht selbst unter Kritik, weil er DFB-Präsident Theo Zwanziger erst nach vier Wochen über das Gespräch informiert hat.
 
Weitere pikante Enthüllungen und Wendungen scheinen im Fall Amerell/Kempter/DFB indes nicht ausgeschlossen. Am kommenden Donnerstag wird die Angelegenheit vor dem Münchner Landgericht verhandelt´: Amerell hat gegen den Fußballbund einen Verfügungsantrag auf zukünftige Unterlassung einzelner Behauptungen gestellt, die der DFB im Rahmen einer Pressemitteilung getätigt hatte.

Sonntag, 7. Februar 2010

"Sie haben uns ausgenutzt"

Der Skandal um Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland weitet sich aus. Die Zahl möglicher Fälle ist bundesweit noch viel größer als bislang angenommen: Eine Umfrage des SPIEGEL bei allen 27 deutschen Bistümern ergab, dass seit 1995 mindestens 94 Kleriker und Laien unter Missbrauchsverdacht geraten sind. Zum Epizentrum des Skandals entwickelt sich das Berliner Canisius-Kolleg. Dort wurden die ersten Missbrauchsfälle öffentlich, täglich melden sich neue Betroffene. Der 54-jährige Ansgar Hocke war Zögling des Kollegs. Er selbst wurde zwar nie Opfer oder Zeuge sexueller Übergriffe, doch beschreibt er im Folgenden die teils düstere Atmosphäre an der kirchlichen Einrichtung:
 
Die Wut, nicht der Hass, sie löst sich nicht auf, sie wächst: Die öffentlichen Aussagen der zwei Täter Wolfgang S. und Bernhard E., mit denen ich Tage, Wochen, Monate meiner freien Zeit in der katholischen Jugendarbeit verbracht habe, mit denen ich als junger Mensch befreundet war, schockieren mich. Es geht dabei nicht um die Schwere oder das Ausmaß der Taten, die kann und will ich nicht einschätzen. Es geht darum, mit welchen Ansprüchen sie auftraten und was sie auf uns abluden. Meinen Glauben tangiert es schon gar nicht. Ich verweigere mich auch all den Unterstellungen, uns allen ginge es um einen Generalverdacht gegen die katholische Kirche und den Jesuitenorden. Es waren eben keine frömmelnden Himmelspiloten, es waren unsere Seelsorger.
 
Ich erinnere mich auf einmal wieder an Nachmittage, da war ich mit einem von ihnen im Wohntrakt des Berliner Canisius-Kollegs verabredet. Wir gingen an den alten dunklen rustikalen Möbeln vorbei. Jedes Mal war mir mulmig zumute in dieser Umgebung. Gemeinsam mit Wolfgang S. und Bernhard E. fuhr ich auf ein Dutzend Ferienlager und Seminare. Ich war knapp 18 Jahre alt. Eltern baten mich, auf einer Reise mit Schülern dabei zu sein.
 
Wir ahnten nichts. Wir hielten Wolfgang S. für ein wenig verklemmt, verschroben, aber er war nach außen kein Monster, das Potential seiner sexuellen Gewalt erahnten wir nicht. Dabei hätten wir es schon ahnen müssen.
 
Die Zeit der Patres in Soutane, die rumbrüllten, stockkonservativ den Katechismus als alleinige Richtschnur ansahen, lief Mitte der Siebziger langsam aus, so dachten jedenfalls viele Schüler am Canisius Kolleg damals. Vorbei die Sprüche: 'Das Kolleg, die letzte Bastion vor Russland', was einige Patres riefen. Oder: 'Macht der Schüler quatsche-quatsche, macht der Pater patsche-patsche'. Mitte der siebziger Jahre war Aufbruch, jetzt kamen die jungen, sportlichen Patres, so dachten viele. Wir sahen nicht, wie krank, wie labil Wolfgang S. und Bernhard E. waren. Einige von uns heulten sich auf einer Jugendfahrt nächtelang die Seele aus dem Leib. Wir fragten, warum, und erhielten keine Antwort.
 
Heute wissen wir, warum.

Wolfgang S., Bernhard E. und Pater R. waren offensichtlich eingesperrt in die Leib- und Sexualfeindlichkeit des Keuschheitsgelübdes. Sie konnten ihre Gefühle selbst nicht verstehen, aber die Leitung des Jesuitenordens hätte erkennen müssen, wen sie da in die Jugendarbeit schickten.

"Ich vertraute ihm ganz und gar"
 
  • Es gab offensichtlich keine Anlaufstelle, keine Supervision, alles war dem Zufall überlassen. Mit Wolfgang S. fuhr ich mit 15- und 16-jährigen Schülern des Canisius-Kollegs durch das Baskenland. Wir erfuhren etwas über die Unterdrückung dieses Volkes durch das Franco-Regime. Ich vertraute ihm ganz und gar, war begeistert von seinem Engagement für Folteropfer. Er passte in meine Vorstellung von einem Jesuiten.
  • Denn mit den weltoffenen, liberalen Jesuiten war ich aufgewachsen: Freunde meines Vaters, die alle zusammen im kirchlichen Widerstand gegen die Nazis aktiv gewesen waren. Wie sollte ich da diesen Jesuiten misstrauen? Wir fanden das Engagement von Wolfgang S. für die chilenischen Flüchtlinge in Berlin und für unsere offene Jugendarbeit toll. Doch er missbrauchte unser Vertrauen und das unserer Eltern. Unverantwortlich, dass die deutsche Provinz der Jesuiten ihn uns als geistlichen Leiter der Jugendarbeit zuteilte. 
  • Doch noch schlimmer war, dass Pater Bernhard E. aus Hannover 1976 sein Nachfolger wurde. Wir hatten einiges über seine Prügel-Exzesse gehört, aber keine Beweise. Die meisten von uns waren noch nicht volljährig, was sollten wir tun? Wir wehrten uns dagegen, dass er unser Jugendseelsorger werden sollte. Doch unsere Einsprüche wurden nicht gehört.
    Priester als ewig pubertierende Erwachsene

    Jeder Fall muss anders betrachtetet werden, ich wehre mich gegen Pauschalurteile. Warum aber konnte Pater R. neun Jahre isoliert von seinen Ordensbrüdern, Lehrern und Eltern agieren? In den von ihm benutzten Räumen herrschte Chaos, manchmal ging im sogenannten "Behandlungszimmer" die Tür nicht mehr richtig auf. R. war ein ewig pubertierender Erwachsener, der sich an Pubertierenden, Unmündigen verging. Er war ein krankhafter Einzelgänger, aber die Ordensstruktur deckte ihn.

    Er verknüpfte seine Taten mit Symbolen des Glaubens: Am Karfreitag, bei einer Kreuzwegstation, konfrontierte er die Schüler mit dem Bild einer nackten Frau, das er abgedeckt hinterlegt hatte. Es gab Fragebögen zur Sexualität mit harten Bildern geschmückt, um Schüler zu testen. Viele von uns waren Gruppenleiter, verantwortlich für die Jüngeren, und wir lebten damals schon anders als es die Amtskirche von uns verlangte. Meilenweit entfernt von jenem 6000 Worte umfassenden Papier, das zu Beginn des Jahres 1976 die katholische Kirche in Rom vorgelegt hatte: die 'Erklärung zu einigen Fragen der Sexualethik'. Nur die Zeugung menschlichen Lebens rechtfertigte nach Ansicht der Bischöfe die gegenseitige Hingabe.

    Die Kluft zwischen den Ansprüchen des Kirchenapparates und unserem Alltagsleben wurde immer größer. Wir durchbrachen Tabus und setzten uns ganz offen mit unseren sexuellen Bedürfnissen auseinander. Der voreheliche Geschlechtsverkehr widersprach für uns nicht der christlichen Lehre. Die jüngeren katholischen Priester der Jugendarbeit sahen, wie wir lebten. Wir lebten anders als es die Weisungen der Kirche vorsahen, Inhalt und Sprache dieses Dokuments verstanden wir nicht.

    "Ihre Perversitäten blieben uns verborgen"

    Wir hatten das Beispiel der Pillen-Enzyklika vor Augen und wussten doch längst, wie wenig die Worte aus Rom Richtschnur für den Alltag waren. Die Amtskirche hatte kein Verständnis für uns, und wir setzen die Hoffnung in die Jugendpfarrer. Dass diese aber völlig überfordert waren, orientierungslos mit ihrer eigenen Sexualität im Orden lebten, das sahen wir nicht. Es rechtfertigt aber auch nichts, denn diejenigen, die nicht 'enthaltsam' leben wollten, heirateten, verließen den Orden. Sie schrieben uns Abschiedsbriefe, in denen stand: 'Ich bin zur Einsicht gekommen, das zölibatere Leben aufzugeben, das bedeutet unter den gegebenen Umständen leider noch, dass ich aus dem Priesteramt ausscheiden muss.'

    Das Recht auf sexuelles Glück muss Teil des menschlichen Glücks sein. Das war unser Postulat, und wir wussten, dass die jungen Priester davon ausgeschlossen waren. Wir sahen oft ihre Hilflosigkeit. Ihre Perversitäten, ihre Komplexe blieben uns verborgen, andere litten darunter auf grausame Art und Weise.

    Die Priester glaubten felsenfest, mit ihrer theologischen Kompetenz über Gut und Böse menschlicher Sexualität urteilen zu dürfen. Sie hätten nie Pädagogen werden dürfen. Die Kirche litt noch in den siebziger Jahren an einer 'Masturbationspsychose'. Sie war den ewig gestrigen Sprüchen verfallen, Onanie verursache verkrüppelten Rücken und Schwachsinn. Zwar galt die Selbstbefriedigung nicht als Sünde, aber ein 'freiwilliger Gebrauch der Geschlechtskraft, außerhalb der normalen ehelichen Beziehungen, sei seiner Zielsetzung' nicht entsprechend.

    Nach dem Katechismus wurde und wird die Masturbation als eine falsche Handlung gebranntmarkt. Somit wurde das Kennenlernen des eigenen Geschlechts als teilweise doch sündhaft abgetan. Dies und nichts anderes glaubte der geistliche Nachwuchs, und er hatte uns in diesem Sinne zu unterweisen.

    Das Schlimme ist: Wolfgang S. und Bernhard E. spielten die modernen Priester. Sie gaben vor, uns zu verstehen. Letztendlich aber warteten sie darauf, unbewusst oder bewusst, ihr nächstes Opfer zu erwischen.

    Sie haben uns ausgenutzt. Und wir haben das Leid der Täter nicht sehen können, dafür waren wir zu jung."
     
    Aufgezeichnet von Peter Wensierski
 

Samstag, 3. Oktober 2009

Kollegen machen sich über Letterman lustig

Nach Erpressungsskandal

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen - in der US-Unterhaltungsbranche gilt das doppelt. 24 Stunden, nachdem sich David Letterman in seiner Show als Erpressungsopfer geoutet hatte, zogen ihn seine Konkurrenten durch den Kakao.

Los Angeles - Es geschah in jüngster Zeit nur noch selten, dass Jay Leno gegen seinen Kollegen und Late-Show-Konkurrenten David Letterman punkten konnte.

Leno galt jahrzehntelang als Zugpferd des Senders NBC, hatte 1992 den legendären Johnny Carson abgelöst - der eigentlich Letterman als Nachfolger präferiert hätte.

Seit 1993 traten die Entertainer Leno und Letterman, letzterer für den Sender CBS, mit ihren Shows im Spätabendprogramm gegeneinander an - bei Kritikern gilt Letterman als der geistreichere, lässigere von beiden - als der bessere. Unlängst erhielt Leno eine neue Show auf früherem Sendeplatz - und vermochte bislang kaum zu überzeugen.

Als umso schöner mag es Leno deshalb empfunden haben, den Konkurrenten endlich zum Gegenstand seiner Frotzeleien machen zu können: Letterman ist in einen Erpressungsskandal verwickelt und trat in seiner Show die Flucht nach vorn an. Vor seinem Publikum räumte er ein, mehrfach Verhältnisse mit Mitarbeiterinnen gehabt zu haben und deswegen erpresst worden zu sein. Die Sendung wurde am Donnerstagabend in den USA ausgestrahlt.

Am Freitag nun empfing Jay Leno sein Publikum mit der Bemerkung: "Wenn Sie heute Abend hier sind, um Sex mit dem Moderator zu haben, sind Sie in der falschen Show."

Auch Lenos NBC-Kollege Jimmy Fallon ("Late Show") vermochte sich folgende Bemerkung nicht zu verkneifen: "Gerade ist ein neues Buch erschienen, "Warum Frauen Sex haben", 237 Gründe sind darin aufgelistet. Letterman kennt die Top Ten."

Samstag, 18. Juli 2009

Schwuler Pinguin verlässt Liebhaber

Zoo-Pinguin lebt jetzt mit Weibchen zusammen

Nach sechs Jahren einfach sitzen gelassen: Pinguin Harry aus dem Zoo in San Francisco hat seinen gleichgeschlechtlichen Partner verlassen. Für Pinguin-Dame Linda verließ er seinen Freund und sorgt so für Empörung bei Bloggern und Jubel bei Christen.

Die Nachricht wurde in Internetforen mit Empörung aufgenommen. Linda habe Pepper seinen Partner ausgespannt, und kümmere sich offenbar nur "um ihr eigenes Glück, egal, wen sie damit verletzt", schrieb ein anonymer Blogger. Schließlich hätten Harry und Pepper eine nahezu perfekte Beziehung geführt, während der sie sogar auf im Stich gelassenen Nestern ihrer Artgenossen brüteten.

Harrison Edell, der sich um das Pinguin-Gehege kümmert, sah den Partnerwechsel pragmatischer. Linda besitze gleich zwei Nester und sei damit so etwas wie eine Chefin der Pinguinkolonie. Harry habe sich diese "gute Partie" nicht entgehen lassen wollen. Die christliche Website OneNewsNow.com wertete die Trennung als Beweis dafür, dass "die Natur heterosexuelle Partnerschaften bevorzugt".

Donnerstag, 23. April 2009

Gayheimes Liebesglück

Mallorca ist nicht Ibiza – erst recht nicht, wenn man die schwul-lesbische Szene vergleicht: Es geht ruhiger zu, viele Homo-Paare richten hier ihre Hochzeit aus. Aber obwohl Spanien diesbezüglich eines der liberalsten Länder der Welt ist, fristen viele noch ein Doppelleben

Mallorca. Benjamin kommt ins Schwärmen: Neulich Sansibar war wundervoll, der Aufstieg am Kilimandscharo "der Hammer" und jetzt hätten er und sein Mann Manuel spontan ein "ganz schnuckliges" Häuschen in der Bucht von Pollença angemietet, "da wollen wir mindestens einmal im Monat richtig schön ausspannen", verrät der Hamburger.

Benjamin und Manuel sind kein Einzelfall: Die schwul-lesbische Reiselust ist ausgeprägter als die von Heterosexuellen - zu diesem Ergebnis kommt auch eine umfangreiche Studie der auf Gay-Marketing spezialisierten Agentur Communigayte. Spanien liegt bei der Auswahl der beliebtesten Destinationen neben den USA ganz weit vorn, bevorzugt wird vor allem Individualurlaub.

Viele Homosexuelle verbringen jährlich ihre freien Mußestunden auf Mallorca - im Sommer verfünffacht sich damit schon mal die Gay-Szene der Insel. Eine ausgesprochene "rosa Reisezone" ist Mallorca aber nicht, kann mit dem schillernden Glanz von Ibiza, Sitges, Gran Canaria oder Teneriffa nicht mithalten.

Das "Ambiente", wie die Spanier die Szene nennen, findet hier etwas verborgener, gemäßigter, weniger provokant statt. "Gerade dies aber könnte als Marktlücke im Gay-Tourismus stärker gefördert werden", gibt Miguel Angel Camacho von der schwul-lesbischen Vereinigung Ben Amics zu bedenken: "Es gibt ja nicht nur die, die wilde Partys feiern wollen, Mallorca bietet viel Kultur und Luxus abseits von Discos und Strand."

Erst vor wenigen Jahren hat die Tourismusbranche Schwule und Lesben als attraktive Zielgruppe entdeckt: Denn die Paare sind meist gut situierte Doppelverdiener, kinderlos und daher saisonungebunden. Vor Kurzem hat die spanische Hotelkette "Alex" in Berlin ein Designerhotel für Schwule eröffnet - zwei weitere führt die Kette in Buenos Aires und Barcelona. Ob sich Mallorca als Gay-Reiseziel derart mausern kann, dass auch hier ein solches Luxushaus entstehen könnte, scheint fraglich: Die zwei Gay-Hotels auf Palmas "Rosa Meile", der Calle Joan Miró, sind klein und in ihrem Stil einfach gehalten.

Zwischen sieben und zehn Prozent der Weltbevölkerung ist laut Statistik homosexuell, auf Mallorca wird die reale Zahl wesentlich höher geschätzt, suchen hier doch auch viele Lesben und Schwule aus Lateinamerika Zuflucht, weil sie wegen gesellschaftlicher Repressalien in der Heimat ihre Sexualität nicht offen ausleben konnten. "Spanien ist diesbezüglich zu einem sehr liberalen Land geworden", meint die 45-jährige Anne, die seit acht Jahren auf der Insel lebt, "ich muss sagen, ich fühle mich hier sehr wohl. Leider scheint es in Deutschland gerade wieder ein paar Schritte rückwärts zu gehen; als meine Partnerin und ich letztes Jahr auf dem Christopher-Street-Day in Köln waren, haben wir gehört, dass es dort wieder vermehrt zu Übergriffen gegen Schwule gekommen ist." Im Moment liebäugele sie damit, nach zehn Jahren "wilder Ehe" ihrer Lebensgefährtin ganz offiziell das Jawort zu geben - seit dem 30. Juni 2005 ist dies in Spanien möglich. Ein jäher Kontrast, verglichen mit der Situation noch 30 Jahre früher: Bis zum Ende des Franco-Regimes wurden Schwule und Lesben verhaftet und schwer bestraft.

Ein Erbe, das immer noch zäh an vielen Ansichten über Homosexuelle zu kleben scheint. Denn trotz Toleranzbekundungen der breiten Masse trauen sich immer noch viele nicht, zu ihrer Neigung zu stehen und sich zu outen. "Es gibt viele 'que viven en el armario' (die im Schrank leben), wie es die Spanier nennen, weil der Druck innerhalb ihrer mallorquinischen Familie so groß ist", betont Kirstin Hansen, die mit ihrer Firma "Mythos" einen Stadtplan mit Gayfriendly-Lokalitäten publiziert, Gay-Hochzeiten und Gay-Bootspartys organisiert - das erste Partyboot sticht in dieser Saison am 12. Juni in See.

Aber auch jene, die offen mit ihrer Liebe zum anderen Geschlecht umgehen, sind meist vorsichtig: Um Diskriminierungen vorzubeugen, geben sie an den Wochentagen den Heterosexuellen, erst zum Wochenende und in den entsprechenden Bars sind sie dann wieder ganz sie selbst. "Es ist schade, dass das Angebot an Clubs und Bars auf der Insel relativ begrenzt ist", meint Stefan aus Köln, der seit drei Jahren auf der Insel lebt.

Dabei ist das Angebot für Schwule weitaus breiter als das für Lesben: Mit der Eröffnung des "LClub" vor wenigen Monaten am Paseo Marítimo gibt es neben dem "Isidoro" nur zwei Frauenbars auf der Insel. Zwar gab es immer wieder Neueröffnungen, doch die Clubs hielten sich nicht lang. "Lesben gehen selten aus. Meist nur solange, bis sie eine Partnerin gefunden haben, dann ziehen sie das heimische Sofa vor", erklärt Vanessa - die 33-Jährige spricht aus Erfahrung.

Nie entgehen aber lässt sie sich die alljährliche bunte Parade des "Orgullo", der spanischen Version des Christopher-Street-Days am 28. Juni. Erinnert wird dabei an den ersten Aufstand Homosexueller gegen Polizeiwillkür in New York, der in einem Straßenfest für Schwulen und Lesben mündete. "In den letzten Jahren haben auf der Insel nur wenige mitgemacht", erzählt sie, "aber dieses Jahr wird es sicher etwas Besonderes, der 'Orgullo' jährt sich nämlich zum 40. Mal."

ANDREA RAU

Freitag, 29. August 2008

Zum Abschluss einmal schwules Gold

Die Olympiade ist vorbei. Unter den Medaillen-Gewinnern in Peking ist auch der offen schwule Matthew Mitcham.

Von Carsten Weidemann 11.000 Sportlerinnen und Sportler traten an, um ein paar Dutzend Gold-, Silber- und Bronze-Medaillen unter sich aufzuteilen. Unter den jubelnden Gewinnern ist auch der 20-jährige Turmspringer Matthew Mitcham, der am vergangenen Wochenende beim letzten Sprung ein verloren geglaubtes Match gegen seinen Konkurrenten Zhou Luxin gewann.

Er bringt damit nicht nur die erste Goldmedaille beim Turmspringen seit 1924 nach Australien. Er ist zudem einer der wenigen offen homosexuellen Athleten, die in Peking angetreten sind.
Mitcham ist nun nicht der erste offen schwule Profisportler seiner Disziplin.

Zuvor ging auch der Amerikaner Greg Louganis an die Öffentlichkeit, jedoch mit einem entscheidenden Unterschied. Louganis bekannte sich erst, nachdem er seine Karriere beendet hatte, Mitcham tat dies eher nebenbei vor dem Höhepunkt seiner Karriere. Die jüngere Generation der Sportler hat offensichtlich weniger Ängste.


"Schwul zu sein und Kunstspringer, das sind zwei völlig unterschiedliche Bereiche meines Lebens,"
meinte er dazu in einem Interview. "Natürlich gibt es auch Berührungspunkte, weil manche Leute Vorbehalte haben. Aber alle, mit denen ich diesen Sport zusammen ausübe, waren sehr hilfsbereit."

Nachdem das schwul-lesbische Sportmagazin Outsports eine große Story über die homo- und bisexuellen Teilnehmer der Olympiade veröffentlicht hatte, und Mitcham für die Redaktion jetzt der große Held ist, kam jedoch Kritik auf.

Die frühere Olympiateilnehmerin Laureen Meece, die im Jahr 2000 im Judo antrat, meint einen unglaublichen Druck der Community gegenüber den Profisportlern wahrzunehmen: "Die Community sollte es homosexuellen Athleten selber überlassen außerhalb der Öffentlichkeit mit ihrer Angelegenheit klarzukommen. Im Namen des Olympischen Geistes und der Menschlichkeit, haltet die Klappe und lasst diese Athleten sich auf ihre Ziele konzentrieren, auf die sie so hart hin gearbeitet haben", meinte sie in einer Kolumne des Magazins "Express Gay News".

Samstag, 8. März 2008

Gutachter lüften Schills Kokain-Geheimnis

Das Video des früheren Hamburger Innensenators Ronald Schill enthält ein brisantes Geständnis. "Richter Gnadenlos" räumt Kokain-Konsum ein. Dann prahlt er vor Bekannten: Er habe mit Hilfe von Rechtsmedizinern aus München einst die Öffentlichkeit gelinkt. Doch jetzt packen die Drogentester aus.

Drogen-Vorwürfe: Dieses Standbild aus einem Video bei YouTube zeigt angeblich den früheren Hamburger Innensenator Ronald Schill beim Kokainschnupfen. Er sitzt in einem Zimmer, vor ihm auf dem Tisch stehen eine Schnapsflasche und Gläser. Schill zieht, so sieht es aus, etwas durch die Nase hoch und...
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Der Chef des Instituts für Rechtsmedizin der Universität München hat Vorwürfen des früheren Hamburger Innensenators Ronald Schill (49) widersprochen. Denn Schill behauptet in einem Video, mithilfe des Instituts die Öffentlichkeit über seinen Drogenkonsum getäuscht zu haben. Schill zufolge sorgte das Institut auf Nachfrage des Ex-Politikers für ein zweites Gutachten: Demnach überführte ein erstes Gutachten Schill des Kokain-Konsums. Das neue Gutachten, erstellt mit einer chemisch weniger exakten Methode, sei negativ ausgefallen – und somit im Sinne des damaligen Senators.

Ronald Schill war nach Kokain-Vorwürfen im Frühjahr 2002 mit dem Gutachten vor die Presse getreten und hatte sich selbst entlastet. Darauf hin blieb der Rechtspopulist der Partei „Rechtsstaatliche Offensive“ in der gemeinsamen Senatsregierung mit der Hamburger CDU unter Ole von Beust.

Hinweis auf Drogen-Rückstände in Schills Haar

„Die Darstellung von Herrn Schill ist nicht richtig“, sagte Wolfgang Eisenmenger, Vorstand des gerichtsmedizinischen Instituts, WELT ONLINE. Der Professor berichtet von Schills berühmtem Haartest ganz anders – was Ronald Schill wiederum in ein schlechteres Licht rückt. Laut Eisenmenger fand der Toxikologe Hans Sachs bei der Untersuchung von Schills Haaren im Jahr 2002 zunächst ein so genanntes Signal – einen möglichen Hinweis auf Drogenkonsum. Jedoch lag dieses Signal unterhalb der gerichtlich verwertbaren Nachweisgrenze, im Fachjargon Cut-off genannt. „Es könnte Kokain-Konsum gewesen sein oder auch nicht“, sagte Eisenmenger. „Um dies eindeutig zu klären, hätten wir ein empfindlicheres Verfahren einsetzen müssen.“
Dies sei dem Institut mit der damaligen Ausstattung nicht möglich gewesen. Nur sehr wenige Labore verfügten laut dem Münchener Professor zu der Zeit über noch bessere Drogentests. „Wir mussten also bei Herrn Schill anfragen, ob er einem exakteren Test zustimmt“, berichtet der Gerichtsmediziner. Der Hamburger Jurist, wegen seiner harten Haltung gegenüber Straftätern als Amtsrichter oft als „Richter Gnadenlos“ betitelt, wollte nicht. Das eine Gutachten reiche ihm aus, ließ er die Tester wissen.

„Das sprach natürlich dafür, dass Herr Schill hätte etwas verbergen können“, sagt Wolfgang Eisenmenger. Andererseits: Die Ablehnung eines empfindlicheren Gutachtens, um den Kokain-Konsum zu beweisen, gehört nicht in eine Expertise. Das sei bei wie jedem anderen Straftäter auch: Ein Gutachten mit einem mehrdeutig interpretierbaren „Signal“ muss negativ ausfallen – das war damals gut für Schill.

Das Drogen-Geständnis Ronald Schills auf Video

Mittlerweile hat sich die Lage geändert. Ein Video zeigt den Ex-Senator in kurzen Hosen, an einem Tisch sitzend. Auf dem Tisch stehen Gläser und eine Flasche mit klarem Schnaps. Dann reicht eine Hand dem Hamburger einen Teller und ein Röhrchen. Schill greift den Teller mit der linken und das Röhrchen mit der rechten Hand. Dann schnupft er hörbar. Kurz darauf sagt er: „Aber jetzt wirkt das Koks bei mir, du!“, und „Ich fühl’ mich total wach“. Laut der „Bild“-Zeitung stammt das Video aus der Zeit Schills nach dessen Rauswurf aus der Hamburger Senatsregierung 2003 im brasilianischen „Exil“.

Dann folgt das Geständnis des angeblichen Gutachter-Betrugs. „Diese falsche Behauptung stellt uns nicht gerade positiv dar“, sagte Wolfgang Eisenmenger. Er weist darauf hin, dass der frühere Mitarbeiter Hans Sachs einer der anerkanntesten Spezialisten für Haaranalyse in ganz Deutschland sei. Er führt heute ein eigenes Unternehmen, das Drogentests anbietet.

In Sachs' Amtszeit am Uni-Institut fiel auch die Nachkontrolle von Haaren des einstigen Bundesliga-Trainers Christoph Daum. Der stolperte über seine – später eingestandene – Kokainsucht und musste seine Ambitionen für das Amt des Fußball-Bundestrainers aufgeben.

Ex-Senator Schill war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Er hatte an der Spitze der Hamburger Partei „Rechtsstaatliche Offensive“ bei der Hamburger Bürgerschaftswahl 2001 auf Anhieb fast 20 Prozent der Wählerstimmen erhalten. Er ging mit dem heutigen Ersten Bürgermeister, Ole von Beust (CDU), eine Koalition ein und wurde Innensenator. Im August 2003 wurde der Jurist aus dem Amt entlassen. Danach tauchte Ronald Schill in Südamerika ab und kehrte 2007 nach Deutschland zurück – Aufenthaltsort unbekannt.

Donnerstag, 28. Februar 2008

Microsoft-Pionier vermacht Homo-Gruppen 65 Millionen

Ric Weiland nahm sich 2006 das Leben – ein Großteil seines Vermögens geht jetzt in die Community.

Von Dennis Klein

Er war von Anfang an dabei: 1975 heuerte Bill Gates persönlich den Stanford-Absolventen Ric Weiland an. Der 22-Jährige war damit einer der ersten fünf Mitarbeiter der Garagen-Firma Microsoft. Als Hauptprogrammierer für die Computersprachen Basic und Cobol half er dem kleinen Unternehmen, ein Weltkonzern zu werden. Ihn machte der Erfolg schnell zum Millionär, der sich auch gerne politisch und sozial engagierte. Allerdings kämpfte er Zeit seines Lebens gegen Depressionen – und nahm sich im Sommer 2006 im Alter von 53 Jahren das Leben. Weiland hinterließ seinen Lebenspartner Mike Schaefer.

Größte Homo-Spende aller Zeiten

Auch nach dem Tod setzt sich der Programmierer der ersten Stunde für Homo-Rechte ein: Er spendete schwul-lesbischen Gruppen insgesamt 65 Millionen Dollar (44 Millionen Euro). Für diesen Zweck ist das die größte je gemachte Spende. Das Geld geht an zehn verschiedene Lobby-Organisationen wie den Servicemembers Legal Defense Network oder die Gay & Lesbian Alliance Against Defamation, die persönlich von Weiland ausgesucht wurden. 19 Millionen Dollar gehen direkt an die Pride Foundation, die er vor wenigen Jahren selbst gegründet hat. Diese Organisation vergibt Stipendien, um so in zukünftige Führungspersönlichkeiten für Schwule und Lesben zu investieren.
Weitere 95 Millionen Dollar vermacht Weiland anderen gemeinnützigen Organisationen – vor allem im Bereich des Umweltschutzes – und an seine Alma Mater, die Stanford-Universität.

Aber auch schon zu Lebzeiten stellte sich Weiland in den Dienst der Sache, nachdem er 1988 bei Microsoft als steinreicher Mann kündigte: Zeit seines Lebens spendete er geschätzte 30 Millionen Dollar an diverse Organisationen. Der Philanthrop selbst arbeitete als Homo-Aktivist im Nordosten der Vereinigten Staaten. So kämpfte er darum, dass General Electric, immerhin die zweitgrößte Firma der Welt, zur Jahrhundertwende Antidiskriminierungsrichtlinien für Schwule und Lesben erließ und so einen regelrechten Trend in der US-Wirtschaft startete.

Er sorgte auch mit Eigenkapital dafür, dass das traditionsreiche Homo-Medienhaus PlanetOut (heute: "The Advocate", Gay.com) den Crash der Internetfirmen im Jahr 2000 überlebte. Auf seinen ehemaligen Chef scheint Weiland Einfluss hinterlassen zu haben: Microsoft gehört nicht nur zu den homofreundlichsten Konzernen der Vereinigten Staaten, Bill Gates hat im vergangenen Jahr höchstselbst die Mehrheit an PlanetOut übernommen.

Spendenkultur in Amerika

Großspenden wie diese sind in den USA nicht unüblich. Auch zu Lebzeiten engagieren sich viele Multimillionäre karitativ. Das spektakulärste Geschenk war das des Investors Warren Buffet, der vor zwei Jahren 37 seiner 52 Milliarden Dollar spendete – den größten Teil davon erhielt die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, die vor allem die Armut in der Dritten Welt bekämpfen will.

In Deutschland sind derlei Spenden – ob vor oder nach dem Tod – allerdings nicht üblich. Während hierzulande pro Kopf und Jahr durchschnittlich knausrige 50 Euro für wohltätige Zwecke abgezweigt werden, sind es in den USA mehr als zehn Mal so viel. Dabei gibt es auch hierzulande Stiftungen, gerade im schwul-lesbischen Bereich, die dringend auf Zuwendungen angewiesen sind. So wurde erst vor rund zwei Wochen die Gründung der Arcus-Stiftungsinitiative bekannt gegeben, die Schwulen und Lesben ganzheitlich in Jugend- und Altenarbeit, der Selbsthilfe und der Akzeptanzförderung unter die Arme greifen will. Spender – ob große oder kleine – sind allerdings noch rar.

Montag, 26. November 2007

Kunststreit um küssende Polizisten

Russische Künstlergruppe erregt Aufsehen

Mit knutschenden russischen Polizisten im eingeschneiten Birkenwald sorgt die sibirische Künstlergruppe «Blue Noses» in Russland für Aufsehen. Es ist nicht das erste Mal.

Fundamentalisten der Russisch-Orthodoxen Kirche und Rechtsextreme verwüsteten in Moskau schon Ausstellungen mit provozierenden Werken dieser modernen Künstler. Als «Schande für Russland» und «Pornografie» stempelt nun sogar Kulturminister Alexander Sokolow die Arbeiten ab.

Galerie wehrt sich

Sein Zorn trifft nicht zuletzt die weltberühmte staatliche Tretjakow-Galerie in Moskau, die auch solche Kunst präsentiert. Das Kunstmuseum wehrt sich nun erstmals öffentlich gegen eine von der Kunstszene beklagte zunehmende Einmischung des Staates in die Kunstfreiheit.

«Hier wird die Tretjakow-Galerie in den Dreck gezogen, das darf niemand, auch nicht der Minister. Ich fordere eine öffentliche Entschuldigung», sagt Museumsdirektor Walentin Rodionow. Sein neben der Ermitage in St. Petersburg wichtigstes Kunstmuseum in Russland schickte im Oktober die Sonderschau «Sots Art» über politische Kunst aus Russland nach Paris.

Doch die Fotocollagen der Künstler Wladislaw Misin und Alexander Schaburow von den «Blue Noses» durften wieder nicht ausser Landes - wie schon im Frühjahr für eine Ausstellung der Städtischen Galerie in Dresden.

Erinnerungen an Sowjet-Zensur

Der Leiter der Abteilung für moderne Kunst der Tretjakow, Andrej Jerofejew, warnt vor einer Zensur und Selbstzensur wie zu Sowjetzeiten. «Das Verhalten des Ministers erinnert stark an die sowjetische Zensurpraxis, die ja eigentlich abgeschafft ist, jetzt laufen diese Prozesse eher unterschwellig ab», meint Jerofejew.

«Es geht um den Ruf unserer Nationalgalerie!», begründet Sokolow sein Engagement. «Natürlich masst sich die Regierung keine Expertenmeinung an, wird doch aber wohl noch eine Bewertung abgeben dürfen», sagt Sokolow. Russland zeige mit offiziellen Ausstellungen wie derzeit im Pariser Maison Rouge der Welt sein Gesicht, da sei «politische Provokation» fehl am Platz.

Gratis-Reklame

Viele der satirischen Fotocollagen zeigen nackte Menschen in sexuellen Posen auf einer abgewetzten sowjetischen Wohnzimmercouch- mit aufgeklebten Gesichtern von Prominenten wie Prinzessin Diana, aber auch von Adolf Hitler, George W. Bush, Wladimir Putin oder Saddam Hussein.

Die Aufnahme der küssenden Polizisten mit dem Titel «Die Epoche der Nachsicht» ist durch den Skandal in Moskau inzwischen zu einem der bekanntesten Kunstwerke geworden. Es gehe hier um den Traum, dass alle gnädig und zärtlich miteinander umgehen, erklärt der
Künstler Schaburow.

Dienstag, 16. Oktober 2007

GB: Homoehe beliebter als in Deutschland

London - Im Jahr 2006 haben sich in Großbritannien über 16.000 Paare verpartnern lassen. Das gab die britische Regierung am Wochenende bekannt. Die Homo-Ehe war Mitte Dezember 2005 eingeführt worden. In den ersten zwei Wochen heirateten bereits rund 2.000 Paare, womit Ende 2006 über 18.000 Homo-Ehen geschlossen worden sind.

Im wesentlich größeren Deutschland hat es fünf Jahre gedauert, bis die selbe Anzahl an Eingetragenen Partnerschaften vor Standesämtern oder anderen Behörden eingegangen worden sind. Allerdings haben Schwule und Lesben auf der britischen Insel die gleichen Rechte und Pflichten wie Hetero-Paare, während in der Bundesrepublik die Rechte von Homo-Paaren nach wie vor stark eingeschränkt sind, insbesondere im Steuer- und Adoptionsrecht.

Weitere Details der Statistik: In England ist die Mehrheit der Homo-Paare männlich, allerdings holen die Lesben auf: Im 1. Quartal 2006 waren noch zwei Drittel der gleichgeschlechtlichen Paare schwul, im 4. Quartal verringerte sich der Anteil auf 57 Prozent. Das Durchschnittsalter für Schwule lag bei 47 Jahren, für Lesben bei 44 Jahren – auch das ging im Laufe der Monate stetig zurück. Zehn Prozent der Schwulen und 25 Prozent der Lesben waren vor ihrer Verpartnerung bereits mindestens einmal verheiratet.

Montag, 27. August 2007

Rom: Asyl für abgelehnte iranische Lesbe

Rom - Ein Sprecher der italienischen Regierung hat angekündigt, eine Lesbe aus dem Iran im Land aufzunehmen, die aus England abgeschoben werden soll. Pegah Emambakhsh ist derzeit in britischer Abschiebehaft und sollte am Dienstag in den Iran geflogen werden.

Die italienische Gleichstellungsministerin Barbara Pollastrini (Linksdemokraten) setzte sich Medienberichten zufolge aber für die Iranerin ein. Sie habe dabei die Unterstützung von Ministerpräsident Romano Prodi erhalten.

Ein britisches Gericht hatte den Asylantrag Emambakhshs trotz Protesten abgelehnt. Menschenrechtsorganisationen erklärten, der 40-Jährigen drohten im Iran Folter und Tod, da sie sich öffentlich zu ihrer Homosexualität steht.


Freitag, 10. August 2007

Erste Gay Sports Bar in Washington D.C.

In der US-Hauptstadt Washington D.C. hat die erste Gay Sports Bar der Welt eröffnet. Ein Jahr lang haben die Vorbereitungen für "Nellie’s Sports Bar" gedauert.
Ein ehemaliges Fotostudio wurde dafür umgebaut. Das Nellie's verfügt über zwei Etagen und bietet wie jede andere Sportsbar auch mehrere TV-Monitore, auf denen Übertragungen von Sportturnieren gezeigt werden. Auf den Toiletten wurden historische Waschbecken aus einem alten Baseball-Stadion eingebaut. Die Betreiber hoffen laut Presseberichten, dass sich neben homosexuellen Sportfans auch schwule Sportler in Nellie’s Sports Bar blicken lassen.
Wie in Deutschland gibt es in den USA nur wenige Spitzensportler, die bislang ein Coming-out gewagt haben.


www.nelliessportsbar.com

Mittwoch, 11. Juli 2007

Konferenz über Homophobie im Fußball

Antwerpen - Der europäische schwul-lesbische Sportverband (EGLSF) lädt diese Woche zu einer internationalen Konferenz zum Thema Homophobie im Fußball in Antwerpen ein. Der Kongress findet direkt vor der Eröffnung der Eurogames in der belgischen Metropole statt, zu denen 3.500 Sportler und 10.000 Besucher erwartet werden.
Die "...More than Playing Games" - Konferenz am 12. Juli soll an den einzig offen schwulen UEFA-Schiedsrichter, den Niederländer John Blankenstein erinnern. Blankenstein war 17 Jahre lang Schiedsrichter bei nationalen und internationalen Spielen. Er starb im August 2006 an einer Nierenkrankheit.
Am Ende der Veranstaltung in Antwerpen soll eine Erklärung unterschrieben werden. Diese ist angelehnt an die Leipziger Erklärung "Gegen Diskriminierung im Fußball", für die sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des DFB-Fankongresses Ende Juni mehrheitlich aussprachen.
Der Deutsche Fußballbund hatte bei dem Kongress zum ersten Mal neben anderen Formen der Diskriminierung auch Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit im deutschen Fußball thematisiert.

Schön dass man hierzulande mal an den verstorbenen John Blankenstein erinnert. Zu seinen Lebzeiten wurden seine Verdienste um den Kampf gegen Homophobie im Fussball ja kaum beachtet. Die Verantwortlichen dieser Branche scheuen es wie das Feuer das Wasser, mit Homosexualität in Verbindung gebracht zu werden. Man gefällt sich im Image des Machosports. Alles andere wäre ja auch schlecht fürs Geschäft. Dabei sind viele Spieler in diesem Sport latent schwul. Aber wenn sich jemand outet, geht es so weit, dass er bis in den Selbstmord getrieben wird, wie im UK geschehen. Auch ich kenne einen ehemaligen deutschen schwulen Schiedsrichter, der es auch nie gewagt hat, als Schwuler in die Öffentlichkeit zutreten. Ein Umdenken ist zwingend angesagt.

Sonntag, 8. Juli 2007

Karin Wolff: Coming-out ohne Tamtam

Das Coming-out der CDU-Ministerin wird mit Wohlwollen aufgenommen – Kritik gibt es nur hinter vorgehaltener Hand.

Von Dennis Klein

Wohl nicht ohne Hintergedanken nahm Hessens Kultusministerin Karin Wolff ihre Freundin zum Sommerfest der "Bild"-Zeitung mit. Sie wollte, dass die sechsmonatige Beziehung mit ihrer Lebensgefährtin publik wird. Und das auflagenstärkste Blatt der Republik bedankte sich mit einer wohlwollenden Titelgeschichte: "Ich liebe eine Frau", schrieb das Springer-Organ für seine Verhältnisse recht zurückhaltend in großen Lettern und lobt den Mut der 48-Jährigen.

Was bei anderen Parteien wohl nur ein müdes Gähnen auslösen würde, ist für die Union nach wie vor heikel. So musste der (heterosexuelle) Sozialminister des benachbarten Baden-Württemberg erst im vergangenen Jahr gehen, weil die bloße Unterstützung des Stuttgarter CSD vielen Konservativen zu weit ging. Und Homo-Gerüchte dienen dort auch der Denunziation: Als sich die (ledige) Annette Schavan nach der Abdankung Erwin Teufels als Ministerpräsidentin empfahl, machten plötzlich Geschichten die Runde, die damalige baden-württembergische Kultusministerin sei lesbisch. Zwar ist die hessische CDU nicht ganz so traditionell eingestellt wie die Parteifreunde im Süden – aber auch hier gibt es Abgeordnete wie den Hans-Jürgen Irmer, der Schwulen schon mal rät, sich mit Hilfe einer Behandlung umpolen zu lassen. Und auch der inzwischen in Ungnade gefallen Fuldaer CDU-Politiker Martin Hohmann hat im Bundestag jahrelang gegen Schwule und Lesben gehetzt, ohne dass die Partei ihn zur Rede stellte. Er stolperte schließlich über judenfeindliche Äußerungen.
Daher sind auch so manche Konservative etwas verschnupft, dass Wolff ein gutes halbes Jahr vor den Landtagswahlen die traditionell orientierte Wählerschaft so verwirrt. Denn bislang profilierte sich die Kultusministerin als stramme Konservative und überzeugte Christin. Damit brachte sie es in den CDU-Bundesvorstand und ist als stellvertretende Ministerpräsidentin die mächtigste Frau in Hessen.

"Wolff ist nicht Wowereit"

Von allen Seiten erhält die Ministerin Lob für ihr Coming-out. Der Lesben- und Schwulenverband lobt sie als "mutig". Zeituungskommentatoren jedweder Couleur schließen sich dem an. So stellt die konservative "FAZ" gleich die Vorzüge der Unionslesbe gegenüber dem Sozi-Schwulen hervor: "Wolff ist nicht Wowereit: Sie liebt eine Frau - und damit basta", kommentierte das Blatt. Die Union schätzt es, wenn sich ihre geouteten Politiker in der Öffentlichkeit möglichst nicht zu homosexuell geben – so redet auch Ole von Beust nicht über sein Privatleben und wird dafür geliebt. Edmund Stoiber wird dagegen dafür geliebt, dass er ständig Trivial-Anekdoten über die Ehe mit seiner Karin zum Besten gibt.

Ministerin Wolff selbst besteht darauf, dass sie mit ihrem Coming-out "kein Tamtam" machen wolle. Und hatte erst heute wieder einen großen Tag im Landtag, in der ihre Schulpolitik von der eigenen Partei ausdrücklich gelobt wurde. Die Opposition wettert dagegen vor allem gegen den Vorschlag Wolffs, die christliche Schöpfungslehre auch im Biologieunterricht zu diskutieren.

Die Aufregung um den vorgeschlagenen "fächerübergreifenden Unterricht" in Glaubensfragen steht nun für kurze Zeit etwas hinter dem Coming-out zurück. Womöglich steckte aber hinter der neuen Offenheit gar kein politisches Kalkül. Denn vielleicht wollte sie im jetzt beginnenden Wahlkampf einfach nicht mehr die Frage hören, wann sie endlich den Mann fürs Leben findet; oder wer denn die komische Frau ist, die ständig an ihrer Seite weilt.