Donnerstag, 4. Juni 2009

Rebellen empfehlen Rücktritt

"Wir schreiben Dir jetzt, weil wir glauben, dass Du in der derzeitigen politischen Situation den Interessen der Labour-Partei am besten durch einen Rücktritt als Parteichef und Premierminister dienen kannst."

Bisher hat Brown einen Rücktritt angelehnt.

In Großbritannien wächst der innerparteiliche Druck auf Premierminister Gordon Brown. Abgeordnete der regierenden Labour-Partei haben per Email eine fraktionsinterne Unterschriftenaktion gestartet, um Brown zum Rücktritt zu bewegen. Nach Medienberichten hoffen die Labour-Rebellen auf mehr als 70 Unterzeichner. Nach dem Spesen-Skandal von Politikern und einem Absturz der Labour-Partei in der Wählergunst hatte sich in den vergangenen Tagen die Lage für Brown zugespitzt, nachdem zwei Ministerinnen ihren Rückzug aus dem Kabinett bekanntgaben.

Die Namen der Brown-Gegner aus der Unterschriftenaktion sollen den Berichten zufolge erst veröffentlicht werden, falls 50 Abgeordnete unterzeichnet haben. Noch ist völlig unklar, wie groß tatsächlich die Unterstützung für die Email-Aktion ist und wann das Schreiben dem Premierminister vorgelegt werden soll. Ebenfalls noch offen ist, ob es zu der erwarteten Kabinettsumbildung Browns schon am Freitag oder erst am Montag kommt.

"Lieber Gordon ..."

Der Text der Rücktrittsaufforderung lautet: "Lieber Gordon, in den vergangenen zwölf Jahren in der Regierung und zuvor hast Du einen enormen Beitrag für das Land und die Labour-Partei geleistet. Das ist weithin anerkannt. Dennoch schreiben wir Dir jetzt, weil wir glauben, dass Du in der derzeitigen politischen Situation den Interessen der Labour-Partei am besten durch einen Rücktritt als Parteichef und Premierminister dienen kannst und so der Partei die Wahl eines neuen Chefs ermöglichst, der uns in die nächste Parlamentswahl führen kann."

Labour im Umfrage-Tief
Unterdessen haben in Großbritannien die Europa- und Kommunalwahlen begonnen. Wegen des Spesenskandals und der Regierungskrise muss sich die regierende Labour-Partei laut Umfragen auf eine dramatische Niederlage einstellen. Die Ergebnisse der Kommunalwahlen werden für Freitagmittag erwartet, die Resultate der Europawahlen erst für den späten Sonntagabend.

Zwei Ministerinnen zurückgetreten
Einen Tag vor der Europawahl in Großbritannien hatte am Mittwoch die britische Ministerin für Regionen, Hazel Blears, wegen der Spesenaffäre ihren Rücktritt erklärt. Erst am Vortag war bekannt geworden, dass auch Innenministerin Jacqui Smith bei einer demnächst anstehenden Kabinettsumbildung ihren Platz freimachen will. Die Opposition warf Brown vor, die Kontrolle über die Regierung verloren zu haben und forderte vorgezogene Parlamentswahlen. In der Spesenaffäre hatten sich Abgeordnete aller Parteien mit dubiosen und teils betrügerischen Abrechnungen auf Kosten der Steuerzahler bereichert.

Mittwoch, 3. Juni 2009

Brown bald allein zu Hause

  • «Die Ratten verlassen das sinkende Schiff», titelt eine britische Zeitung
  • Premier Gordon Brown gerät in der Spesenaffäre zusehends unter Druck
  • Fast schon täglich verliert er einen Minister

Einen Tag vor der Europawahl in Großbritannien hat die britische Ministerin für Regionen im Zusammenhang mit der Spesenaffäre ihren Rücktritt erklärt und damit Premierminister Gordon Brown einen herben Dämpfer versetzt. Sie wolle zurück zu ihren politischen Wurzeln, teilte die Ministerin für Regionen und Lokalverwaltungen, Hazel Blears, am Mittwoch mit. Erst am Dienstag war bekanntgeworden, dass auch Innenministerin Jacqui Smith bei einer demnächst anstehenden Kabinettsumbildung ihren Platz freimachen will.

Beide Ministerinnen waren waren wegen ihren Verwicklungen in die Spesenaffäre britischer Politiker schon seit Wochen als Kandidaten gehandelt worden, die bei der Kabinettsumbildung ihre Posten verlieren würden. Nun sind sie einer Entlassung zuvorgekommen. Damit haben sie Brown nach Einschätzung von Beobachtern das Heft aus der Hand genommen.

Steuerfreier Gewinn für mit Steuergeldern finanzierte Wohnung
Blears hatte massive Kritik auf sich gezogen, weil sie beim Verkauf eines mit öffentlichen Mitteln unterhaltenen Hauses einen steuerfreien Gewinn von mehreren zehntausend Euro erzielt hat. Daraufhin zahlte sie der Staatskasse umgerechnet 15.025 Euro zurück.

«Die Ratten verlassen das sinkende Schiff», titelte die Zeitung «Daily Mail» am Mittwoch. Das Blatt hatte die Spesenaffäre ins Rollen gebracht und über Tage hinweg aufgelistet, was britische Abgeordnete den Steuerzahlern in Rechnung stellten. Darunter Kosten für Zweitwohnungen, Tennisplatzpflege, Hundefutter, die Reinigung von Schwimmbädern, Gartenarbeiten oder horrende Hypothekenzinsen.

Drastische Einbußen in der Wählergunst
Brown wird aller Voraussicht nach am Donnerstag oder Freitag sein Kabinett umbilden. Brown wollte mit der Kabinettsumbildung auf die zu erwartende drastische Niederlage bei den Europa- und Kommunalwahlen reagieren, zu denen die Wähler am Donnerstag zu den Urnen gerufen werden. Mehrere Umfragen sehen die Brown-Partei nur noch als drittstärkste Kraft.

Bislang hatte Brown immer betont, auch im Fall einer herben Niederlage für Labour im Amt bleiben zu wollen. Die nächste Parlamentswahl muss er bis spätestens Juni 2010 ansetzen. Bisher haben bereits 15 Abgeordnete unter dem Einfluss der Spesenaffäre angekündigt, dass sie nicht erneut kandidieren wollen.

Auch Darling unter Druck
Wegen ihres Spesengebarens waren zuletzt auch Finanzminister Alistair Darling und Verkehrsminister Geoff Hoon zunehmend in die Kritik geraten. Zuletzt hatten sich Hinweise auf eine Ablösung Darlings verdichtet. Nach einhelligen Medienberichten könnte Brown Bildungsminister Ed Balls zum neuen Finanzminister machen. Wirtschaftsminister Peter Mandelson wurde zuletzt als Kandidat für den Posten des Außenministers gehandelt. Amtsinhaber David Miliband könnte dann in das Innenressort wechseln.

Arsch-Anschlag auf Eminem war abgesprochen

Wie süß: Eminem schauspielert

MTV-Autor Scott Aukerman hat nun bestäigt, dass der "Eklat" zwischen Sacha Baron Cohen alias Bruno und dem Musiker Eminem bei den MTV Movie Awards inszeniert worden war.

Cohen hatte sich als schwuler österreichischer Modereporter Bruno nach Eminems Auftritt von der Saaldecke abgeseilt und landete augenscheinlich unfreiwillig mit den Hinterteil auf dem Rapper. Eminem verließ daraufhin scheinbar verärgert mit seinem Gefolge die Veranstaltung.

Das alles soll Show gewesen sein, erklärte Scott Aukerman, der für die Dramaturgie des Abends verantwortlich war: "Ja, der Bruno/Eminem-Zwischenfall war geplant. Das ist es, worüber alle reden wollen, also sollten wir es hinter uns bringen", so Aukerman in seinem Blog. "Sie haben den Auftritt im Kostüm geprobt und dabei gingen sie so weit wie bei der Live-Show." Der Blog-Beitrag wurde inzwischen allerdings wieder gelöscht. MTV gibt wie Eminem und Cohen keinen offiziellen Kommentar über den "Eklat" ab.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Proteste von Homo-Aktivisten gegen Eminem, weil die Lieder des Rappers oft homophobe Passagen enthielten. Auch in seinem neuesten Album werden Worte wie "gay" stets negativ verwendet.

Die Inszenierung war indes erfolgreich: Die zuletzte schwächelnde Preisverleihungsshow schaffte mit 5,3 Millionen Zuschauern einen Quotenzuwachs, außerdem berichteten Medien weltweit über den Zwischenfall. Auch Eminem und Cohen haben ein Interesse an medialer Aufmerksamkeit: Während das neue Album des Rappers in 22 Ländern an die Spitze der Download-Charts kletterte, wird Cohens neuer Film am 9. Juli in den Kinos anlaufen. Er wird in "Bruno" einen offen schwulen österreichischen Journalisten, der ebenso wie "Borat" Interviewpartner ins Schwitzen bringen soll. In Deutschland läuft die Doku-Komödie am 9. Juli in den Kinos an.

Mehrere Ministerrücktritte nach Europawahl in Großbritannien

Unmittelbar vor der Europawahl in Großbritannien gerät die Regierung von Premierminister Gordon Brown im Zuge der Spesenaffäre zunehmend unter Druck. Medienberichten zufolge will Brown bereits kurz nach dem Urnengang am Donnerstag sein Kabinett umbilden und eine Reihe von Ministern und Staatssekretären entlassen. Erwartet wird der Rücktritt von Innenministerin Jacqui Smith. Spekulationen zufolge könnten auch Finanzminister Alistair Darling und Außenminister David Miliband als Konsequenz aus dem Spesenskandal ihre Posten räumen.

Smith war im März in die Schlagzeilen geraten, weil sie die Kosten für zwei Pornofilme ihres Mannes auf ihre Spesenliste setzte. Finanzminister Darling entschuldigte sich Anfang der Woche öffentlich für "Fehler" bei Anträgen auf Erstattung seiner Ausgaben. Medienberichten zufolge hatte er für zwei Wohnsitze gleichzeitig Ausgaben in Höhe von mehr als tausend Pfund (1160 Euro) geltend gemacht und damit gegen parlamentarische Regeln verstoßen. Auch die beiden Staatssekretäre Beverley Hughes und Tom Watson sollen offenbar abtreten - offiziell aus familiären Gründen.

Immer neue Berichte über die unlautere Verwendung öffentlicher Gelder durch Abgeordnete und Minister beschäftigen seit Wochen die britische Öffentlichkeit. Vor allem Browns Labour-Regierung ist dadurch in Bedrängnis geraten. Bis spätestens Mitte kommenden Jahres muss Brown Parlamentswahlen abhalten lassen. Die Wahl des Europaparlaments, bei der die Briten am Donnerstag den Anfang machen, und die zeitgleich stattfindenden Kommunalwahlen dürften für seine Partei Umfragen zufolge zum Debakel werden.

Kurierfahrer zu Geldstrafe verurteilt

Ende eines skurrilen Skandals: Zwei Kurierfahrer hatten Kundendatensätze der Berliner Landesbank mit einem Christstollen vertauscht - und damit bundesweite Ermittlungen ausgelöst. Ein Gericht hat sie nun zu moderaten Geldstrafen verurteilt.

Es war der Datenskandal des an Datenskandalen nicht gerade armen Jahres 2008: Um Weihnachten herum sollte die "Frankfurter Rundschau" einen Christstollen geschickt bekommen - doch zwei Kuriere hatten Hunger. Sie aßen den Kuchen - und tauschten das Päckchen kurzerhand gegen die nächstbeste Postsendung aus.

Die aber hatte es in sich: Die überraschten Journalisten der "FR" gelangten in den Besitz Tausender Kundendatensätze der Landesbank Berlin. Sie publizierten den vermeintlichen Datenskandal - und lösten damit bundesweite Ermittlungen aus. Tagelang rätselte die Republik über die Hintergründe der skurrilen Sendung, und die Landesbank geriet in arge Erklärungsnot - bis die Staatsanwaltschaft die "Affäre" aufklärte.

Jetzt hat das Amtsgericht Frankfurt die "wahre Weihnachtsgeschichte" zum Abschluss gebracht. Die beiden Kurierfahrer wurden zu Geldstrafen verurteilt. Nach dem Urteil vom Dienstag müsse der eine Mann 720 Euro zahlen, der andere 960 Euro, teilte ein Gerichtssprecher mit.

Die 1973 und 1981 geborenen Männer hatten nach eigenen Angaben gedacht, es handle sich bei der Sendung um bedeutungslose Briefumschläge. Vor Gericht räumten die beiden Angeklagten die Tat ein. Die mittlerweile arbeitslosen Männer nahmen das Urteil an.

Dienstag, 2. Juni 2009

Britische Minister immer mehr unter Druck

Die Spesenkriminalität im britischen Parlament erfasst zunehmend auch die Regierung von Ministerpräsident Gordon Brown. Innenministerin Jacqui Smith werde ihren Rücktritt erklären, berichteten die BBC und der Sender Sky News. Finanzminister Alistair Darling und Verkehrsminister Geoff Hoon entschuldigten sich derweil für falsche Abrechnungen und kündigten Rückzahlungen an.

Darling und Hoon hatten beiden in ihrer Abgeordnetenfunktion zeitgleich Kosten für zwei verschiedene Zweitwohnungen abgerechnet. Darling und Hoon sprachen von einem Versehen.

Sie hatten Kosten für mehrere Monate im Voraus in Rechnung gestellt, wechselten aber in diesem Zeitraum ihre Zweitwohnungen. Britische Parlamentarier dürfen aber nur eine Unterkunft zur Zweitwohnung erklären und für diese Spesen abrechnen.

Ablösung Darlings
Zwei Tage vor der Europa- und Kommunalwahl in Grossbritannien deutet vieles auf eine Ablösung Darlings als Finanzminister hin. Regierungschef Brown hatte zuvor bei Interviews keine Garantie für einen Verbleib seines Ministers im Kabinett abgegeben.

Neben dem Betrug mittels der Spesenabrechnung wird Darling auch zur Last gelegt, dass er häufiger seine Zweitwohnsitz gewechselt und der Öffentlichkeit auch die Kosten für seinen privaten Steuerberater in Rechnung gestellt hatte.

Darling könnte seinen Posten schon in den nächsten Tagen bei einer Kabinettsumbildung verlieren. Diese wird wegen des absehbaren Debakels von Browns regierender Labourpartei bei den Europa- und Kommunalwahlen Ende dieser oder Anfang nächster Woche erwartet.

Balls neuer Finanzminister?
Nach Medienberichten könnte Brown Bildungsminister Ed Balls zum neuen Finanzminister machen. Wirtschaftsminister Peter Mandelson wurde zuletzt als Kandidat für den Posten des Aussenministers gehandelt.

Amtsinhaber David Miliband könnte dann in das Innenressort wechseln, weil Innenministerin Jacqui Smith wegen ihrer Rolle im Spesenmisbrauch ihren Job verlieren dürfte oder schon bald ihren Rücktritt erklären wird, wie britische Medien berichteten. Smith hatte sich Ende März dafür entschuldigt, die TV-Gebühren für zwei Porno-Filme auf ihre Abrechnung gesetzt zu haben.

Suchflugzeuge entdecken Trümmer und Ölfilm im Atlantik

Erste Erkenntnisse im Fall der verschwundenen Air-France-Maschine: Die brasilianische Luftwaffe hat in der Nähe der Inselgruppe Fernando de Noronha Trümmer und einen Ölfilm auf dem Wasser gesichtet. Noch ist unklar, ob es sich um Überreste des vermissten Jets handelt.

Paris - Brasilianische Medien wie Globo.com, Folha Online und das Jornal do Brasil melden übereinstimmend, dass Trümmer und ein Ölfilm auf dem Wasser gesichtet worden seien. Die Flugzeuge der Luftwaffe orteten die Wrackteile etwa 650 Kilometer nordöstlich der brasilianischen Atlantik-Insel Fernando de Noronha. Der brasilianischen Luftwaffe zufolge wurden mindestens ein Flugzeugsitz und Kerosin im Meer entdeckt, rund 160 Kilometer von den Inseln São Pedro und Sao Paulo entfernt. Noch ist unklar, ob es sich dabei um Überreste der vermissten Maschine handelt, die am Montagmorgen auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris verschwand.

Die Wrackteile seien in den frühen Morgenstunden (Ortszeit) gefunden worden und müssten jetzt geborgen werden, um sicher zu sein, dass sie auch von dem vermissten Air-France-Airbus stammten, sagte Luftwaffensprecher Jorge Amaral am Dienstag in Brasília.

Frankreich, Brasilien und die USA sind an der Suche nach Wrackteilen und der Black Box beteiligt.

Eine Maschine der französischen Marine soll zudem das Gebiet absuchen, in dem ein brasilianischer Pilot ein "orangefarbenes Leuchten" im Atlantik gesehen haben will. Ob es sich dabei um Bojen oder Flammen handelte, ist unklar, auch gibt es bislang keine offizielle Bestätigung für die Angaben des Piloten.

Die Air-France-Maschine hatte in der Nacht zum Montag gut drei Stunden nach dem Start in Brasilien rund ein Dutzend automatischer Technikmeldungen gesendet. Einen Notruf setzten die Piloten nicht ab. Den automatischen Meldungen zufolge waren zu diesem Zeitpunkt "mehrere Apparate" ausgefallen, wie Air-France-Chef Pierre-Henry Gourgeon sagte.

Gourgeon vermutete einen Blitzschlag. Eine derartige Situation sei bei diesem Flugzeugtyp "noch nie dagewesen". Die technischen Meldungen waren das letzte Signal vom Flug AF447, der am Montagvormittag in Paris hätte landen sollen. Auch dreißig Stunden später fehlte von der Maschine jede Spur.

Als alleinige Ursache für einen Absturz fällt ein Blitzschlag aber nach Ansicht von Experten aus. Ein Blitzschlag sei nicht "komplett wirkungslos", aber es sei "extrem unwahrscheinlich", dass ein Flugzeug dadurch abstürze, sagte der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Jörg Handwerg. "Das Flugzeug stellt wie ein Auto einen Faradayschen Käfig dar, so dass Elektrizität abgeleitet wird."

Völlig unklar ist, wieso das knapp sechzig Meter lange Flugzeug abgestürzt sein könnte. Die Air-France-Maschine sei unter "optimalen Sicherheitsbedingungen" gestartet, sagte Borloo. Sie sei erst vor kurzem gewartet worden, und die Besatzung sei "sehr erfahren" gewesen. Der 58-jährige Pilot arbeitete nach Angaben von Air France seit gut zwanzig Jahren für das Unternehmen und hatte 11.000 Flugstunden hinter sich, davon 1700 mit der A330 und A340. Auch die beiden Copiloten seien seit Jahren bei Air France und hätten 6600 beziehungsweise 3000 Flugstunden absolviert.

Derzeit sei keine Ursache auszuschließen, nicht einmal ein Terroranschlag, sagte Borloo. Allerdings deute nichts auf einen Anschlag hin. Verteidigungsminister Morin hatte zuvor gesagt, ein Attentat sei nicht auszuschließen, "weil Terrorismus die größte Bedrohung für alle westlichen Demokratien ist".

Der Flug AF447 war am Sonntagabend in Rio de Janeiro gestartet. An Bord waren Menschen aus 32 Ländern, unter ihnen laut Air France 73 Franzosen, 58 Brasilianer und 26 Deutsche. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) reagierte betroffen. "Wir müssen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es sich um eine furchtbare Katastrophe handelt", sagte er am Dienstag in Prag. "Es ist eine schwere Stunde für uns alle."

Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) werden Flugzeuge über dem Atlantik nicht vom Radar erfasst. Die Reichweite der Bodenstationen betrage von der Küste an noch etwa 300 Kilometer, sagte DFS-Sprecher Axel Raab. Die vermutlich in den Atlantik gestürzte Air-France-Maschine war zum Zeitpunkt des Unglücks nach bisherigen Erkenntnissen rund 565 Kilometer von der brasilianischen Küste entfernt. "Da, wo das passiert ist, habe ich meine Zweifel, ob es überhaupt eine Radarabdeckung gab", sagte Raab.

Die Fluglotsen in den küstennahen Kontrollzentren schicken die Maschinen nach Raabs Angaben normalerweise in zeitlichen Abständen mit gleicher Geschwindigkeit, aber unterschiedlicher Flughöhe über den Atlantik. Wenn ein Flugzeug den Radarbereich verlassen habe, sei es für die Lotsen nicht mehr sichtbar. Allerdings müssten die Piloten in regelmäßigen Abständen ihre Position durchgeben.

"Der Pilot meidet Gewitter wie der Teufel das Weihwasser"

Dass sich der Pilot des Air-France-Fluges irgendwann nicht mehr meldete, kann nach Ansicht von Raab mit dem Gewitter zusammenhängen: "Wenn ein Flugzeug in ein Gewitter gerät, sind das sehr, sehr heftige Turbulenzen." Hagelkörner bis zur Größe von Tennisbällen könnten im Flugzeug einen ohrenbetäubenden Lärm verursachen. Daher sei es möglich, dass der Flugkapitän der verunglückten Maschine gedacht habe, per Funk verstehe ihn an der Bodenstation ohnehin niemand.

Raab zufolge kann ein Pilot mit seinem Wetterradar ein Unwetter sehr viel besser erkennen als die Fluglotsen am Boden. Warum der Pilot der Unglücksmaschine möglicherweise in ein Gewitter flog, ist dem DFS-Sprecher ein Rätsel: "Der Pilot meidet das Gewitter wie der Teufel das Weihwasser", sagte Raab.

Insgesamt neun Passagiere der Air-France-Unglücksmaschine hatten einen Weiterflug nach Bayern gebucht. Wie das dortige Landeskriminalamt bestätigte, wollten acht Passagiere nach München und einer nach Nürnberg reisen. Genauere Angaben zu Geschlecht, Alter oder Wohnort machte der LKA-Sprecher zunächst nicht. "Uns liegen Namen vor, aber nicht einmal Geburtsdaten", sagte er. Es könne bis zum Mittwoch dauern, bis genauere Angaben vorliegen. "Meines Wissens waren auch elf Passagiere nach Stuttgart gebucht", davon könnten einige theoretisch aus dem bayerischen Grenzland stammen.

An Bord der Maschine befand sich wahrscheinlich auch der deutsche Manager Erich H. Er ist Mitglied des Vorstands von ThyssenKrupp Steel und Vorsitzender des Verwaltungsrats der ThyssenKrupp CSA Siderurgica do Atlantico. "Er war auf diesen Flug gebucht. Wir haben noch keine offizielle Bestätigung des Auswärtigen Amts oder der Air France", sagte ein Sprecher von ThyssenKrupp dem Nachrichtendienst Dow Jones Newswires und bestätigte damit einen Bericht der brasilianischen Nachrichtenagentur Estado.

Betriebsausflug mit der AF447

Neun französische Passagiere haben die Reise nach Brasilien von ihrer Firma geschenkt bekommen. Die zwischen 25 und 35 Jahre alten Vertriebsleute hätten die viertägige Rio-Reise als Belohnung für ihre gute Arbeit erhalten, sagte der Chef der französischen Elektrikfirma CGED, Laurent Bouveresse.

Jeder von ihnen habe jemanden mitnehmen dürfen, auch der Vertriebsleiter für die Region Südwest sei mitgeflogen. Insgesamt befanden sich damit zehn Mitarbeiter und neun Angehörige an Bord der Unglücksmaschine, die seit der Nacht zum Montag über dem Atlantik verschollen ist. "Ich habe es am Montagvormittag erfahren", sagte Firmenchef Bouveresse. "Es war mehr als ein Schock, das kann man nicht beschreiben."

Montag, 1. Juni 2009

Integration minus Politik?

Medien sollen zur politischen Meinungsbildung beitragen. Sie sollen aufklären über Parteien und ihre Programme, über Politiker und das, was sie vorhaben. Damit erreichen deutsche Zeitungen, Radio- und Fernsehsender eine Gruppe jedoch kaum: die Migranten. Bis zu 7,3 Millionen Ausländer leben nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Deutschland. Hinzu kommen laut Statistischem Bundesamt mehrere Millionen deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund - der Großteil von ihnen wahlberechtigt.

Aber auch im Superwahljahr 2009 wirft ein Großteil der in Deutschland lebenden Menschen mit türkischem, russischem, polnischem oder marokkanischem Hintergrund kaum einen Blick in den Politikteil deutscher Zeitungen oder auf eine politische Talkshow im Fernsehen. «Migranten nutzen deutsche Medien fast ausschließlich zur Unterhaltung», sagt der Soziologe und langjährige Rektor der Universität Wuppertal, Volker Ronge, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin.

Wie aus der Studie «Migranten und Medien» von ARD und ZDF aus dem Jahr 2007 hervorgeht, schalten 83 Prozent der Migranten das Gerät jeden Tag ein. Dabei sind ProSieben mit einem Marktanteil von 13,4 und RTL mit einem Anteil von 11,7 die mit Abstand beliebtesten deutschen Fernsehsender.

«Das Fernsehen ist unangefochtenes Leitmedium», sagt Ronge. Vor allem Unterhaltungs- und Familienserien seien beliebt. «Dieser Unterhaltungsbezug hängt auch mit dem Faktor zusammen, dass wir bei den Migranten einen höheren "Unterschichtsanteil" haben als bei Deutschen», so der Wissenschaftler. Auch die deutsche sogenannte Unterschicht sehe sich eher Sendungen auf RTL oder ProSieben an als die «Tagesthemen» und werfe selten einen Blick in den Politikteil der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» oder in den «Spiegel».

Wenn Migranten eine Zeitung zur Hand nehmen, dann sei das meistens eine aus der Heimat. Ronge: «Wir haben zwei, drei sehr starke türkische Zeitungen in Deutschland.» Schon aus sprachlichen Gründen griffen viele Türken lieber auf die muttersprachliche «Hürriyet» zurück als beispielsweise auf die «Süddeutsche Zeitung».

Aus der Untersuchung von ARD und ZDF geht hervor, dass 35,8 Prozent der in Deutschland lebenden Türken nur geringe Deutschkenntnisse haben. «Die türkischen Zeitungen gehen aber praktisch nicht auf deutsche Politik ein und interessieren sich für die Bundesrepublik nur in ihrem Verhältnis zur Türkei», sagt Ronge.

Der Kommunikationswissenschaftler Andreas Hepp von der Universität Bremen warnt vor Pauschalisierungen. Er hat unter Migranten in Deutschland drei «Nutzungstypen» beobachtet.

Da gebe es einmal die «Herkunftsorientierten», die in Deutschland vor allem Medien aus ihrem Heimatland nutzen. Dazu gehörten unter anderem viele Marokkaner und Türken. Die zweite Gruppe sind «Ethno- Deutsche» wie Deutsch-Türken, die in erster Linie «Sowohl-als-auch- Nutzer» sind und Medien aus beiden Ländern nutzen. Als «Weltmenschen» bezeichnet Hepp die dritte Nutzergruppe, für die Deutschland nur eine vorübergehende Station ist und die Medien dementsprechend nutzen. Russische Migranten verteilen sich Hepp zufolge gleichmäßig auf die drei Gruppen.

Das vergleichsweise geringe Interesse für deutsche Politik führt Hepp auch darauf zurück, dass Migration und die Situation von Migranten in diesem Land in der Medienberichterstattung eher am Rande vorkämen. «Das Interesse für migrationsspezifische Angelegenheiten wie zum Beispiel Zuwanderungsregelungen ist groß», sagt er. Viele Migranten informierten sich über bestimmte Web-Portale, weil in traditionellen deutschen Medien zu wenig darüber berichtet werde.

Hiesige Medien sollten nach Hepps Ansicht deutlicher herausarbeiten, dass Migranten zur deutschen Gesellschaft dazugehören und keine eigenständige Gruppe sind. «Migranten haben immer wieder den Eindruck, in den deutschen Medien nicht repräsentativ vorzukommen», sagt er. «Es ist schön, dass es jetzt einen "Tatort"- Kommissar mit Migrationshintergrund gibt. Aber das reicht nicht.»

Madonna nackt will niemand

Ein Akt von Pop-Diva Madonna (50) und ihrem Ex-Ehemann Guy Ritchie (40) hat sich bei einer Versteigerung in Schottland als Flop entpuppt. Niemand war bereit, für das Ölgemälde des schottischen Künstlers Peter Howson den Mindestpreis von 15'000 Pfund zu bieten.

Es habe zwar ein paar Gebote gegeben, aber keines war dem Verkäufer hoch genug, sagte der Chef des Auktionshauses McTear's, Brian Clements.

Schätzpreis lag bei 22'000 Pfund

Das Bild aus dem Jahr 2005 zeigt - ein wenig verfremdet - die nackte US-Sängerin im Vordergrund liegend, während Ritchie ihr die Hand auf einen Schenkel legt.

Madonna und der britische Regisseur hatten sich vergangenes Jahr nach fast acht Jahren Ehe scheiden lassen. Eigentlich war damit gerechnet worden, dass das Bild aus Privatbesitz für etwa 22'000 Pfund unter den Hammer kommt. Howson hatte bereits zuvor Akte von Madonna gemalt.