Mittwoch, 3. Juni 2009

Mehrere Ministerrücktritte nach Europawahl in Großbritannien

Unmittelbar vor der Europawahl in Großbritannien gerät die Regierung von Premierminister Gordon Brown im Zuge der Spesenaffäre zunehmend unter Druck. Medienberichten zufolge will Brown bereits kurz nach dem Urnengang am Donnerstag sein Kabinett umbilden und eine Reihe von Ministern und Staatssekretären entlassen. Erwartet wird der Rücktritt von Innenministerin Jacqui Smith. Spekulationen zufolge könnten auch Finanzminister Alistair Darling und Außenminister David Miliband als Konsequenz aus dem Spesenskandal ihre Posten räumen.

Smith war im März in die Schlagzeilen geraten, weil sie die Kosten für zwei Pornofilme ihres Mannes auf ihre Spesenliste setzte. Finanzminister Darling entschuldigte sich Anfang der Woche öffentlich für "Fehler" bei Anträgen auf Erstattung seiner Ausgaben. Medienberichten zufolge hatte er für zwei Wohnsitze gleichzeitig Ausgaben in Höhe von mehr als tausend Pfund (1160 Euro) geltend gemacht und damit gegen parlamentarische Regeln verstoßen. Auch die beiden Staatssekretäre Beverley Hughes und Tom Watson sollen offenbar abtreten - offiziell aus familiären Gründen.

Immer neue Berichte über die unlautere Verwendung öffentlicher Gelder durch Abgeordnete und Minister beschäftigen seit Wochen die britische Öffentlichkeit. Vor allem Browns Labour-Regierung ist dadurch in Bedrängnis geraten. Bis spätestens Mitte kommenden Jahres muss Brown Parlamentswahlen abhalten lassen. Die Wahl des Europaparlaments, bei der die Briten am Donnerstag den Anfang machen, und die zeitgleich stattfindenden Kommunalwahlen dürften für seine Partei Umfragen zufolge zum Debakel werden.

Kurierfahrer zu Geldstrafe verurteilt

Ende eines skurrilen Skandals: Zwei Kurierfahrer hatten Kundendatensätze der Berliner Landesbank mit einem Christstollen vertauscht - und damit bundesweite Ermittlungen ausgelöst. Ein Gericht hat sie nun zu moderaten Geldstrafen verurteilt.

Es war der Datenskandal des an Datenskandalen nicht gerade armen Jahres 2008: Um Weihnachten herum sollte die "Frankfurter Rundschau" einen Christstollen geschickt bekommen - doch zwei Kuriere hatten Hunger. Sie aßen den Kuchen - und tauschten das Päckchen kurzerhand gegen die nächstbeste Postsendung aus.

Die aber hatte es in sich: Die überraschten Journalisten der "FR" gelangten in den Besitz Tausender Kundendatensätze der Landesbank Berlin. Sie publizierten den vermeintlichen Datenskandal - und lösten damit bundesweite Ermittlungen aus. Tagelang rätselte die Republik über die Hintergründe der skurrilen Sendung, und die Landesbank geriet in arge Erklärungsnot - bis die Staatsanwaltschaft die "Affäre" aufklärte.

Jetzt hat das Amtsgericht Frankfurt die "wahre Weihnachtsgeschichte" zum Abschluss gebracht. Die beiden Kurierfahrer wurden zu Geldstrafen verurteilt. Nach dem Urteil vom Dienstag müsse der eine Mann 720 Euro zahlen, der andere 960 Euro, teilte ein Gerichtssprecher mit.

Die 1973 und 1981 geborenen Männer hatten nach eigenen Angaben gedacht, es handle sich bei der Sendung um bedeutungslose Briefumschläge. Vor Gericht räumten die beiden Angeklagten die Tat ein. Die mittlerweile arbeitslosen Männer nahmen das Urteil an.

Dienstag, 2. Juni 2009

Britische Minister immer mehr unter Druck

Die Spesenkriminalität im britischen Parlament erfasst zunehmend auch die Regierung von Ministerpräsident Gordon Brown. Innenministerin Jacqui Smith werde ihren Rücktritt erklären, berichteten die BBC und der Sender Sky News. Finanzminister Alistair Darling und Verkehrsminister Geoff Hoon entschuldigten sich derweil für falsche Abrechnungen und kündigten Rückzahlungen an.

Darling und Hoon hatten beiden in ihrer Abgeordnetenfunktion zeitgleich Kosten für zwei verschiedene Zweitwohnungen abgerechnet. Darling und Hoon sprachen von einem Versehen.

Sie hatten Kosten für mehrere Monate im Voraus in Rechnung gestellt, wechselten aber in diesem Zeitraum ihre Zweitwohnungen. Britische Parlamentarier dürfen aber nur eine Unterkunft zur Zweitwohnung erklären und für diese Spesen abrechnen.

Ablösung Darlings
Zwei Tage vor der Europa- und Kommunalwahl in Grossbritannien deutet vieles auf eine Ablösung Darlings als Finanzminister hin. Regierungschef Brown hatte zuvor bei Interviews keine Garantie für einen Verbleib seines Ministers im Kabinett abgegeben.

Neben dem Betrug mittels der Spesenabrechnung wird Darling auch zur Last gelegt, dass er häufiger seine Zweitwohnsitz gewechselt und der Öffentlichkeit auch die Kosten für seinen privaten Steuerberater in Rechnung gestellt hatte.

Darling könnte seinen Posten schon in den nächsten Tagen bei einer Kabinettsumbildung verlieren. Diese wird wegen des absehbaren Debakels von Browns regierender Labourpartei bei den Europa- und Kommunalwahlen Ende dieser oder Anfang nächster Woche erwartet.

Balls neuer Finanzminister?
Nach Medienberichten könnte Brown Bildungsminister Ed Balls zum neuen Finanzminister machen. Wirtschaftsminister Peter Mandelson wurde zuletzt als Kandidat für den Posten des Aussenministers gehandelt.

Amtsinhaber David Miliband könnte dann in das Innenressort wechseln, weil Innenministerin Jacqui Smith wegen ihrer Rolle im Spesenmisbrauch ihren Job verlieren dürfte oder schon bald ihren Rücktritt erklären wird, wie britische Medien berichteten. Smith hatte sich Ende März dafür entschuldigt, die TV-Gebühren für zwei Porno-Filme auf ihre Abrechnung gesetzt zu haben.

Suchflugzeuge entdecken Trümmer und Ölfilm im Atlantik

Erste Erkenntnisse im Fall der verschwundenen Air-France-Maschine: Die brasilianische Luftwaffe hat in der Nähe der Inselgruppe Fernando de Noronha Trümmer und einen Ölfilm auf dem Wasser gesichtet. Noch ist unklar, ob es sich um Überreste des vermissten Jets handelt.

Paris - Brasilianische Medien wie Globo.com, Folha Online und das Jornal do Brasil melden übereinstimmend, dass Trümmer und ein Ölfilm auf dem Wasser gesichtet worden seien. Die Flugzeuge der Luftwaffe orteten die Wrackteile etwa 650 Kilometer nordöstlich der brasilianischen Atlantik-Insel Fernando de Noronha. Der brasilianischen Luftwaffe zufolge wurden mindestens ein Flugzeugsitz und Kerosin im Meer entdeckt, rund 160 Kilometer von den Inseln São Pedro und Sao Paulo entfernt. Noch ist unklar, ob es sich dabei um Überreste der vermissten Maschine handelt, die am Montagmorgen auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris verschwand.

Die Wrackteile seien in den frühen Morgenstunden (Ortszeit) gefunden worden und müssten jetzt geborgen werden, um sicher zu sein, dass sie auch von dem vermissten Air-France-Airbus stammten, sagte Luftwaffensprecher Jorge Amaral am Dienstag in Brasília.

Frankreich, Brasilien und die USA sind an der Suche nach Wrackteilen und der Black Box beteiligt.

Eine Maschine der französischen Marine soll zudem das Gebiet absuchen, in dem ein brasilianischer Pilot ein "orangefarbenes Leuchten" im Atlantik gesehen haben will. Ob es sich dabei um Bojen oder Flammen handelte, ist unklar, auch gibt es bislang keine offizielle Bestätigung für die Angaben des Piloten.

Die Air-France-Maschine hatte in der Nacht zum Montag gut drei Stunden nach dem Start in Brasilien rund ein Dutzend automatischer Technikmeldungen gesendet. Einen Notruf setzten die Piloten nicht ab. Den automatischen Meldungen zufolge waren zu diesem Zeitpunkt "mehrere Apparate" ausgefallen, wie Air-France-Chef Pierre-Henry Gourgeon sagte.

Gourgeon vermutete einen Blitzschlag. Eine derartige Situation sei bei diesem Flugzeugtyp "noch nie dagewesen". Die technischen Meldungen waren das letzte Signal vom Flug AF447, der am Montagvormittag in Paris hätte landen sollen. Auch dreißig Stunden später fehlte von der Maschine jede Spur.

Als alleinige Ursache für einen Absturz fällt ein Blitzschlag aber nach Ansicht von Experten aus. Ein Blitzschlag sei nicht "komplett wirkungslos", aber es sei "extrem unwahrscheinlich", dass ein Flugzeug dadurch abstürze, sagte der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Jörg Handwerg. "Das Flugzeug stellt wie ein Auto einen Faradayschen Käfig dar, so dass Elektrizität abgeleitet wird."

Völlig unklar ist, wieso das knapp sechzig Meter lange Flugzeug abgestürzt sein könnte. Die Air-France-Maschine sei unter "optimalen Sicherheitsbedingungen" gestartet, sagte Borloo. Sie sei erst vor kurzem gewartet worden, und die Besatzung sei "sehr erfahren" gewesen. Der 58-jährige Pilot arbeitete nach Angaben von Air France seit gut zwanzig Jahren für das Unternehmen und hatte 11.000 Flugstunden hinter sich, davon 1700 mit der A330 und A340. Auch die beiden Copiloten seien seit Jahren bei Air France und hätten 6600 beziehungsweise 3000 Flugstunden absolviert.

Derzeit sei keine Ursache auszuschließen, nicht einmal ein Terroranschlag, sagte Borloo. Allerdings deute nichts auf einen Anschlag hin. Verteidigungsminister Morin hatte zuvor gesagt, ein Attentat sei nicht auszuschließen, "weil Terrorismus die größte Bedrohung für alle westlichen Demokratien ist".

Der Flug AF447 war am Sonntagabend in Rio de Janeiro gestartet. An Bord waren Menschen aus 32 Ländern, unter ihnen laut Air France 73 Franzosen, 58 Brasilianer und 26 Deutsche. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) reagierte betroffen. "Wir müssen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es sich um eine furchtbare Katastrophe handelt", sagte er am Dienstag in Prag. "Es ist eine schwere Stunde für uns alle."

Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) werden Flugzeuge über dem Atlantik nicht vom Radar erfasst. Die Reichweite der Bodenstationen betrage von der Küste an noch etwa 300 Kilometer, sagte DFS-Sprecher Axel Raab. Die vermutlich in den Atlantik gestürzte Air-France-Maschine war zum Zeitpunkt des Unglücks nach bisherigen Erkenntnissen rund 565 Kilometer von der brasilianischen Küste entfernt. "Da, wo das passiert ist, habe ich meine Zweifel, ob es überhaupt eine Radarabdeckung gab", sagte Raab.

Die Fluglotsen in den küstennahen Kontrollzentren schicken die Maschinen nach Raabs Angaben normalerweise in zeitlichen Abständen mit gleicher Geschwindigkeit, aber unterschiedlicher Flughöhe über den Atlantik. Wenn ein Flugzeug den Radarbereich verlassen habe, sei es für die Lotsen nicht mehr sichtbar. Allerdings müssten die Piloten in regelmäßigen Abständen ihre Position durchgeben.

"Der Pilot meidet Gewitter wie der Teufel das Weihwasser"

Dass sich der Pilot des Air-France-Fluges irgendwann nicht mehr meldete, kann nach Ansicht von Raab mit dem Gewitter zusammenhängen: "Wenn ein Flugzeug in ein Gewitter gerät, sind das sehr, sehr heftige Turbulenzen." Hagelkörner bis zur Größe von Tennisbällen könnten im Flugzeug einen ohrenbetäubenden Lärm verursachen. Daher sei es möglich, dass der Flugkapitän der verunglückten Maschine gedacht habe, per Funk verstehe ihn an der Bodenstation ohnehin niemand.

Raab zufolge kann ein Pilot mit seinem Wetterradar ein Unwetter sehr viel besser erkennen als die Fluglotsen am Boden. Warum der Pilot der Unglücksmaschine möglicherweise in ein Gewitter flog, ist dem DFS-Sprecher ein Rätsel: "Der Pilot meidet das Gewitter wie der Teufel das Weihwasser", sagte Raab.

Insgesamt neun Passagiere der Air-France-Unglücksmaschine hatten einen Weiterflug nach Bayern gebucht. Wie das dortige Landeskriminalamt bestätigte, wollten acht Passagiere nach München und einer nach Nürnberg reisen. Genauere Angaben zu Geschlecht, Alter oder Wohnort machte der LKA-Sprecher zunächst nicht. "Uns liegen Namen vor, aber nicht einmal Geburtsdaten", sagte er. Es könne bis zum Mittwoch dauern, bis genauere Angaben vorliegen. "Meines Wissens waren auch elf Passagiere nach Stuttgart gebucht", davon könnten einige theoretisch aus dem bayerischen Grenzland stammen.

An Bord der Maschine befand sich wahrscheinlich auch der deutsche Manager Erich H. Er ist Mitglied des Vorstands von ThyssenKrupp Steel und Vorsitzender des Verwaltungsrats der ThyssenKrupp CSA Siderurgica do Atlantico. "Er war auf diesen Flug gebucht. Wir haben noch keine offizielle Bestätigung des Auswärtigen Amts oder der Air France", sagte ein Sprecher von ThyssenKrupp dem Nachrichtendienst Dow Jones Newswires und bestätigte damit einen Bericht der brasilianischen Nachrichtenagentur Estado.

Betriebsausflug mit der AF447

Neun französische Passagiere haben die Reise nach Brasilien von ihrer Firma geschenkt bekommen. Die zwischen 25 und 35 Jahre alten Vertriebsleute hätten die viertägige Rio-Reise als Belohnung für ihre gute Arbeit erhalten, sagte der Chef der französischen Elektrikfirma CGED, Laurent Bouveresse.

Jeder von ihnen habe jemanden mitnehmen dürfen, auch der Vertriebsleiter für die Region Südwest sei mitgeflogen. Insgesamt befanden sich damit zehn Mitarbeiter und neun Angehörige an Bord der Unglücksmaschine, die seit der Nacht zum Montag über dem Atlantik verschollen ist. "Ich habe es am Montagvormittag erfahren", sagte Firmenchef Bouveresse. "Es war mehr als ein Schock, das kann man nicht beschreiben."

Montag, 1. Juni 2009

Integration minus Politik?

Medien sollen zur politischen Meinungsbildung beitragen. Sie sollen aufklären über Parteien und ihre Programme, über Politiker und das, was sie vorhaben. Damit erreichen deutsche Zeitungen, Radio- und Fernsehsender eine Gruppe jedoch kaum: die Migranten. Bis zu 7,3 Millionen Ausländer leben nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Deutschland. Hinzu kommen laut Statistischem Bundesamt mehrere Millionen deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund - der Großteil von ihnen wahlberechtigt.

Aber auch im Superwahljahr 2009 wirft ein Großteil der in Deutschland lebenden Menschen mit türkischem, russischem, polnischem oder marokkanischem Hintergrund kaum einen Blick in den Politikteil deutscher Zeitungen oder auf eine politische Talkshow im Fernsehen. «Migranten nutzen deutsche Medien fast ausschließlich zur Unterhaltung», sagt der Soziologe und langjährige Rektor der Universität Wuppertal, Volker Ronge, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin.

Wie aus der Studie «Migranten und Medien» von ARD und ZDF aus dem Jahr 2007 hervorgeht, schalten 83 Prozent der Migranten das Gerät jeden Tag ein. Dabei sind ProSieben mit einem Marktanteil von 13,4 und RTL mit einem Anteil von 11,7 die mit Abstand beliebtesten deutschen Fernsehsender.

«Das Fernsehen ist unangefochtenes Leitmedium», sagt Ronge. Vor allem Unterhaltungs- und Familienserien seien beliebt. «Dieser Unterhaltungsbezug hängt auch mit dem Faktor zusammen, dass wir bei den Migranten einen höheren "Unterschichtsanteil" haben als bei Deutschen», so der Wissenschaftler. Auch die deutsche sogenannte Unterschicht sehe sich eher Sendungen auf RTL oder ProSieben an als die «Tagesthemen» und werfe selten einen Blick in den Politikteil der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» oder in den «Spiegel».

Wenn Migranten eine Zeitung zur Hand nehmen, dann sei das meistens eine aus der Heimat. Ronge: «Wir haben zwei, drei sehr starke türkische Zeitungen in Deutschland.» Schon aus sprachlichen Gründen griffen viele Türken lieber auf die muttersprachliche «Hürriyet» zurück als beispielsweise auf die «Süddeutsche Zeitung».

Aus der Untersuchung von ARD und ZDF geht hervor, dass 35,8 Prozent der in Deutschland lebenden Türken nur geringe Deutschkenntnisse haben. «Die türkischen Zeitungen gehen aber praktisch nicht auf deutsche Politik ein und interessieren sich für die Bundesrepublik nur in ihrem Verhältnis zur Türkei», sagt Ronge.

Der Kommunikationswissenschaftler Andreas Hepp von der Universität Bremen warnt vor Pauschalisierungen. Er hat unter Migranten in Deutschland drei «Nutzungstypen» beobachtet.

Da gebe es einmal die «Herkunftsorientierten», die in Deutschland vor allem Medien aus ihrem Heimatland nutzen. Dazu gehörten unter anderem viele Marokkaner und Türken. Die zweite Gruppe sind «Ethno- Deutsche» wie Deutsch-Türken, die in erster Linie «Sowohl-als-auch- Nutzer» sind und Medien aus beiden Ländern nutzen. Als «Weltmenschen» bezeichnet Hepp die dritte Nutzergruppe, für die Deutschland nur eine vorübergehende Station ist und die Medien dementsprechend nutzen. Russische Migranten verteilen sich Hepp zufolge gleichmäßig auf die drei Gruppen.

Das vergleichsweise geringe Interesse für deutsche Politik führt Hepp auch darauf zurück, dass Migration und die Situation von Migranten in diesem Land in der Medienberichterstattung eher am Rande vorkämen. «Das Interesse für migrationsspezifische Angelegenheiten wie zum Beispiel Zuwanderungsregelungen ist groß», sagt er. Viele Migranten informierten sich über bestimmte Web-Portale, weil in traditionellen deutschen Medien zu wenig darüber berichtet werde.

Hiesige Medien sollten nach Hepps Ansicht deutlicher herausarbeiten, dass Migranten zur deutschen Gesellschaft dazugehören und keine eigenständige Gruppe sind. «Migranten haben immer wieder den Eindruck, in den deutschen Medien nicht repräsentativ vorzukommen», sagt er. «Es ist schön, dass es jetzt einen "Tatort"- Kommissar mit Migrationshintergrund gibt. Aber das reicht nicht.»

Madonna nackt will niemand

Ein Akt von Pop-Diva Madonna (50) und ihrem Ex-Ehemann Guy Ritchie (40) hat sich bei einer Versteigerung in Schottland als Flop entpuppt. Niemand war bereit, für das Ölgemälde des schottischen Künstlers Peter Howson den Mindestpreis von 15'000 Pfund zu bieten.

Es habe zwar ein paar Gebote gegeben, aber keines war dem Verkäufer hoch genug, sagte der Chef des Auktionshauses McTear's, Brian Clements.

Schätzpreis lag bei 22'000 Pfund

Das Bild aus dem Jahr 2005 zeigt - ein wenig verfremdet - die nackte US-Sängerin im Vordergrund liegend, während Ritchie ihr die Hand auf einen Schenkel legt.

Madonna und der britische Regisseur hatten sich vergangenes Jahr nach fast acht Jahren Ehe scheiden lassen. Eigentlich war damit gerechnet worden, dass das Bild aus Privatbesitz für etwa 22'000 Pfund unter den Hammer kommt. Howson hatte bereits zuvor Akte von Madonna gemalt.

Samstag, 30. Mai 2009

Rätsel um Rosa-Luxemburg-Leiche könnte gelöst werden

Ist sie es, oder ist sie es nicht? Nach Informationen des SPIEGEL könnte eine seit Jahrzehnten in der Charité liegende Leiche die Rosa Luxemburgs sein. Nur ein DNA-Abgleich mit einem Verwandten kann Gewissheit bringen - und offenbar lebt eine Nichte der ermordeten KPD-Führerin in Warschau.

Es könnte ein spektakulärer Fund sein: Der Leiter der Rechtsmedizin der Charité, Michael Tsokos, glaubt die Leiche der 1919 ermordeten KPD-Führerin Rosa Luxemburg entdeckt zu haben. Tsokos vermutet im Gespräch mit dem SPIEGEL, dass die Kommunistin niemals beerdigt wurde. Einen endgültigen Beweis kann jedoch nur ein DNA-Test liefern und dazu bräuchte man Erbmaterial von möglichen Verwandten Luxemburgs oder von ihr selbst. "Wenn ich DNA-Material bekomme, dann würde ich aktiv werden", so Tsokos.

Das Rätsel könnte nun womöglich bald gelöst werden: Medienberichten zufolge lebt eine Nichte Luxemburgs in Warschau. Außerdem soll ein Geliebter der Sozialistin bis zu seinem Tod eine Locke in seiner Geldbörse aufbewahrt haben. "Vielleicht gibt es auch jemanden, der einen Hut von ihr oder Ähnliches hat", sagte Tsokos. Kleinste Mengen an organischem Material wie Hautschuppen und Haare würden schon ausreichen, um das Rätsel zu lösen.

Der Rechtsmediziner betonte, dass seine Untersuchungen nun beendet seien. Alles Weitere liege nicht in seinem Zuständigkeitsbereich. Bislang gebe es keine Signale seitens der Behörden. Nach Angaben der Berliner Polizei könnte möglicherweise die Staatsanwaltschaft zuständig sein. Diese war am Samstag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Tsokos hatte bei seinem Amtsantritt im Jahr 2007 in einer alten anatomischen Sammlung seines Instituts eine viele Jahrzehnte alte Wasserleiche ohne Kopf, Hände und Füße entdeckt. Dafür, dass es sich bei der Leiche um die tote Luxemburg handelt, sprechen Tsokos zufolge mehrere Indizien, ein wissenschaftlicher Beweis sei wegen fehlender DNA-Spuren bislang allerdings nicht möglich gewesen.

Tsokos ist außerdem überzeugt, dass es sich bei dem Körper, der 1919 als Luxemburgs Leichnam auf dem Friedhof Berlin-Friedrichsfelde beerdigt wurde, nicht um die Sozialistin handelt. Das habe die Auswertung des historischen Obduktionsprotokolls ergeben. Das Grab wurde 1950 auf Anordnung der DDR-Führung geöffnet, um nach den Gebeinen Luxemburgs und Liebknechts zu suchen - erfolglos.

Die Spitze der Linkspartei und die Gewerkschaft Ver.di an der Charité forderten, die Unklarheiten um den Leichnam von Rosa Luxemburg aufzuklären.

Rosa Luxemburg und der Arbeiterführer Karl Liebknecht waren am 15. Januar 1919 von Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützen-Division ermordet worden. Die Mitbegründerin der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) wurde zunächst niedergeschlagen und dann durch einen Schuss in den Kopf getötet. Anschließend warfen die Täter ihre Leiche in den Landwehrkanal, wo sie am 31. Mai 1919 gefunden wurde.

Luxemburg und Liebknecht gelten auch heute noch als Ikonen der linken Bewegung. In Berlin wird ihrer Ermordung jährlich im Januar gedacht. Auch in diesem Jahr zogen mehrere Zehntausende Menschen in einem von der Linkspartei initiierten stillen Gedenken an den Gräbern der beiden in der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde vorbei.


Susan Boyle: "Ich werde meine große Chance nicht wegwerfen"

Konnte auch beim Halbfinale Zuschauer wie Juroren begeistern: Susan Boyle

Vor dem Finale gilt Susan Boyle als die große Favoritin der Casting-Show "Britain's got Talent". Angesichts von 100 Millionen Videoabrufen ihres Auftritts ist der Erwartungsdruck enorm, jetzt zeigt die Britin zum ersten Mal Nerven.

Eine Schönheit ist sie wahrlich nicht, aber mit ihrer Stimme hat Susan Boyle Millionen Zuschauer überrascht und hingerissen. Am Samstag steht die 47-jährige als klare Favoritin im Finale der Fernsehshow "Britain's Got Talent". Wenn sie sich gegen die neun Konkurrenten durchsetzt, sind ihr 100.000 Pfund (rund 114.000 Euro) und ein Auftritt vor der Queen sicher.

Doch dazu gilt es zu hoffen, dass sie das Lampenfieber besiegen kann und keinem der anderen Kandidaten ein so magischer Moment gelingt wie ihr. Rummel und Ruhm scheinen der stämmigen Schottin allmählich etwas viel zu werden; kurz vor der Entscheidung liegen die Nerven blank: Boyle sei "in Tränen aufgelöst" gewesen und habe vorübergehend sogar daran gedacht, "ganz aus der Show auszusteigen", berichtete Jurymitglied Piers Morgan in seinem Blog. Die Boulevardpresse berichtete groß darüber, wie Boyle außer Fassung geriet, als sie in einem Hotel von zwei Journalisten bedrängt wurde.

Erwartungsdruck macht nervös
"Sie war leicht verstört, und die Journalisten wurden von der Polizei aus dem Gebäude entfernt", erklärte eine Sprecherin der Talentshow. Auf der Website der Sendung wurde dementiert, dass Boyle aufgeben wolle. Sie bleibe in der Show und werde am Samstag auftreten. "Ich habe wochenlang geprobt, ich habe an nichts anderes gedacht", wurde sie zitiert. "Ich werde meine große Chance jetzt nicht wegwerfen." Boyle stehe unter großem Druck, verteidigte Morgan die Kandidatin. Schon im Halbfinale habe man ihr die Nervosität angemerkt, sagte der Juror in einem Rundfunkinterview. "Ich glaube, es ist Zeit, dass jetzt alle mal ein bisschen auf Abstand bleiben."

Woge der Sympathie
Noch im April hatte keiner die unscheinbare graue Maus mit der Fusselfrisur und dem tantigen Tortendeckchenkleid auf der Rechnung. Doch sie schaffte die Sensation. Das Video ihres ersten Auftritts mit "I Dreamed a Dream" aus dem Musical "Les Miserables" wurde im Internet inzwischen über 220 Millionen Mal abgerufen. Das Halbfinale mit "Memories" aus "Cats" - da war Boyle schon gestylt, die buschigen Augenbrauen gezupft und das Haar getönt - fachte die Begeisterung noch weiter an. "Mit dieser Woge der Sympathie im Rücken kann sie diesen Wettbewerb gewinnen", glaubt der Musikagent Neil Warnock. "Dann könnte sie ein sehr erfolgreiches Album machen und vielleicht eine erfolgreiche Welttournee, weil die Leute sie sehen wollen." Doch Ruhm sei eine flüchtige Angelegenheit, mahnt Warnock. Es sei viel schwieriger, eine ganze Live-Show auf Tour durchzustehen als einen dreiminütigen Auftritt im Fernsehen.

"Dann und wann ein echter Funken Talent"
Die beliebte Talentshow wurzelt in der Tradition des britischen Varietés, das vor Erfindung des Fernsehens Stadt und Land mit Bauchrednern und Feuerschluckern, Zaubertricks und Hundekunststückchen amüsierte. Das sei Teil des Charmes, meint Warnock. "Wir neigen dazu, uns über die ganz dämlichen Nummern lustig zu machen, aber es ist auf seine Weise englisch und exzentrisch, und wir lieben das", erklärt der Agent. "Und dann und wann siehst du einen echten Funken Talent." Einige von Boyles Rivalen in der Endrunde sind auch nicht ohne. Der zwölfjährige Soul-Sänger Shaheen Jafargholi zum Beispiel, der nach Ansicht mancher Kritiker eigentlich besser singen kann als Boyle, hat auch schon seine Fan-Gemeinde.

Blackburn drückt die Daumen
Daheim in der schottischen Kleinstadt Blackburn, wo Susan Boyle regelmäßig bei den Karaoke-Abenden im Pub aufzutreten pflegte, ist die Talentshow das große Gesprächsthema. "Wir drücken ihr alle die Daumen", versichert der Wirt Jackie Russell. "Das Beste kommt noch." Im Gemeindezentrum, wo Boyle ehrenamtlich arbeitete, werden Großbildschirme für eine Party aufgestellt. "Das ganze Dorf ist aus dem Häuschen", berichtet June Mackey. "Natürlich wird sie gewinnen, und es wird ihr Leben verändern. Aber wegziehen wird sie nicht, sie wird in Blackburn bleiben. Hier ist sie zu Hause."

Donnerstag, 28. Mai 2009

Kader aufgelöst, Beerbaum suspendiert

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hat hart durchgegriffen. Nach den jüngsten Enthüllungen um Doping im olympischen Reitstall löste sie den Kader auf und suspendierte Olympiasieger Ludger Beerbaum.

Ludger Beerbaum: "In der Vergangenheit hatte ich die Haltung: Erlaubt ist, was nicht gefunden wird."

Mit beispiellosen Maßnahmen hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) auf die jüngsten Enthüllungen und Doping-Diskussionen reagiert und mit sofortiger Wirkung die Kader der olympischen Disziplinen Springen, Dressur und Vielseitigkeit aufgelöst. Zudem schlossen das FN-Präsidium und der Vorstand des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) am Donnerstag bei ihrer Außerordentlichen Sitzung in Warendorf Ludger Beerbaum bis auf weiteres aus der deutschen Nationenpreismannschaft aus.

Die Gremien reagierten damit auf Beerbaums umstrittene Aussagen am vergangenen Wochenende über den Umgang von Medikamenten bei seinen Pferden. Der viermalige Olympiasieger hatte unter anderem gesagt: "In der Vergangenheit hatte ich die Haltung: Erlaubt ist, was nicht gefunden wird."

"Mit der Auflösung der Kader möchten wir einen wichtigen Schritt Richtung Glaubwürdigkeit unternehmen", sagte FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau in einer Presseerklärung. Bevor ein Reiter wieder in den Kader aufgenommen werden könne, müsse er sich der Sonderkommission stellen und sich zu seiner Einstellung sowie seinem Verhalten als Spitzenreiter äußern, so der Verbandschef weiter.

Verbandsfunktionäre und Reiter würden von einer unabhängigen Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) untersucht. Diese Kommission erhalte den Auftrag, die Situation im Spitzenreitsport zu analysieren und dem Verband Empfehlungen zu geben, wie mit der aktuellen Manipulations- und Dopingproblematik im Pferdesport umzugehen sei. Die Empfehlungen würden auch Vorschläge zu möglichen Sanktionen von Funktionären und Reitern enthalten.

ARD und ZDF hatten am Mittwoch den Reiterverband unter Druck gesetzt. Die Sender wollten die anstehenden Verhandlungen über die Verlängerung des TV-Vertrages aufgrund der aktuellen Enthüllungen vorerst aussetzen. "Wir warten, wie die FN mit diesen Dingen umgeht", hatte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky der Deutschen Presse- Agentur dpa gesagt. "Es ist eindeutig, dass wir gerne Aufklärung hätten." Vor den Beerbaum-Äußerungen hatte unter anderem das Doping-Urteil für Olympia-Reiter Christian Ahlmann für Wirbel gesorgt.