Interkulturelle Nachrichten
Hier werden Informationen ausgebracht welche die Welt im kleinen bewegt.
Generell soll hier hintergründig informiert werden über Themen und Ereignisse, die wir, die lokale, nationale und internationale Gesellschaft (nicht immer) erfahren (wollen).
Mittwoch, 27. Mai 2009
Trockengelegt
Nordkorea droht mit Militärschlag
Das Regime in Pjöngjang droht mit einem Militärschlag, falls Südkorea mit seinen Verbündeten Frachtschiffe aus Nordkorea auf hoher See kontrollieren sollte.
VON JUTTA LIETSCH
Mehrere zehntausend Besucher versammeln sich zur Feier des zweiten Atomtests am Dienstag in Pjöngjang.
Nordkoreas Militärs haben den Südkoreanern gestern mit Krieg gedroht, falls sie es wagen sollten, nordkoreanische Frachter auf hoher See zu stoppen und nach Waffen zu durchsuchen.
Solche "feindliche Handlungen gegen unsere friedlichen Schiffe" würden als "unverzeihliche Verletzung unserer Souveränität" betrachtet und "unverzüglich mit einem gewaltigen Militärschlag beantwortet", verkündete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA, Sprachrohr des Regimes von Kim Jong Il. Pjöngjang fühle sich nicht mehr an das Waffenstillstandsabkommen gebunden, das seit dem Ende des Koreakriegs 1953 gilt.
Derweil registrierten Satelliten ausländischer Geheimdienste Rauchwolken über dem Reaktor Yongbyon, der im vergangenen Jahr offiziell stillgelegt wurde. Dies könnte bedeuten, dass die Militärs ernsthaft versuchen, noch mehr Plutonium für ihre Bomben zu gewinnen.
Auslöser der jüngsten Kriegsdrohungen war der Beschluss Südkoreas, sich an der sogenannten "Initiative gegen die Weiterverbreitung" von Massenvernichtungswaffen zu beteiligen. Damit sind Patrouillen von Kriegsschiffen der USA und anderer Länder auf den Weltmeeren gemeint. Sie wollen verdächtige Frachter aufbringen und kontrollieren, um unter anderem Nordkorea daran zu hindern, Atom- und Raketentechnik zu verkaufen. Vor allem Iran und Syrien gelten als Kunden der nordkoreanischen Technik.
Bislang hatte sich Südkorea ebenso wie China und Russland geweigert, an diesen - nach internationalem Recht heftig umstrittenen - Seepatrouillen teilzunehmen. Südkorea war nur als "Beobachter" dabei, um die Nordkoreaner nicht allzu sehr zu reizen.
Peking verlangt indes "Verhandlungen und Dialog". Im Klartext: Die Chinesen sehen zu den Sechsergesprächen über eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel keine Alternative. Gleichwohl herrscht nicht nur in China, sondern in ganz Ostasien Ratlosigkeit darüber, was jetzt getan werden muss, um die Situation zu entspannen. Diplomaten und chinesische Experten in Peking sind sich einig, dass der Atomtest nur der jüngste Versuch Nordkoreas war, die amerikanische Regierung zu direkten und schnellen Verhandlungen über einen Friedensvertrag zu zwingen. Zudem sollte der Test das Überleben des Kim-Clans und seiner Militärs garantieren. Deshalb rechnen Pekinger Diplomaten mit weiteren Raketenstarts und womöglich Zusammenstößen auf See.
Aber auch innenpolitische Motive stecken hinter Pjöngjangs Aktionen. Das Regime sei so schwach, dass die Militärs eine Bedrohung von außen schaffen müssen, um eine Rückkehr in die Kriegswirtschaft zu rechtfertigen, heißt es in Seoul.
Ausländische Bewohner Pjöngjangs berichten, dass die nordkoreanische Bevölkerung inzwischen sehr gut über die besseren Lebensbedingungen bei den Nachbarn in Südkorea und in China Bescheid weiß. Dafür sorgen eingeschmuggelte südkoreanische DVDs, Zeitungen, Bücher und Radios und ein kleiner Grenzverkehr von Händlern und Reisekadern. Die Stimmung unter den Bürgern sei gereizt. Manche Hauptstädter feiern krank, um nicht zu immer neuen Massenaufmärschen gerufen zu werden.
Da das öffentliche Versorgungssystem immer wieder zusammenbricht, duldet das Regime derzeit private Märkte, auf denen Bauern Überschüsse verkaufen dürfen. Auch aus China importiertes Obst und Gemüse sind zu haben, allerdings zu horrenden Preisen. Die alte Drohung des Militärs vor einem Einmarsch der Amerikaner werde hinter vorgehaltener Hand bitter mit einem "hoffentlich bald" kommentiert, berichtet ein Besucher.
Der Entwicklungshelfer als Profiteur
Die staatliche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit macht so viel Umsatz wie nie zuvor. Nichtregierungsorganisationen fürchten Konkurrenz. VON HEIKE HOLDINGHAUSEN
BERLIN taz Im Mai 2009 ist das ein bemerkenswerter Satz: "Wir haben ein erfolgreiches Geschäftsjahr hinter uns", sagte Wolfgang Schmitt, einer von zwei Geschäftsführern der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) am Mittwoch in Berlin. Im Jahresbericht seines Unternehmens meldete er eine Umsatzsteigerung um 16 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro.
Das bundeseigene Unternehmen hat auch im vergangenen Jahr die weitaus größte Zahl der Aufträge vom Entwicklungshilfeministerium erhalten - sie machen 73 Prozent des Umsatzes aus. Allerdings wächst die Zahl von Aufträgen aus anderen Ministerien. "Dort steigen die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit", sagte Schmitt. So beriet die GTZ etwa im Auftrag des Bundesumweltministeriums in Thailand mittelständische Unternehmen in Fragen der Energieeffizienz, für das Auswärtige Amt bildete es Polizisten in Afghanistan aus. Zudem arbeite die GTZ zunehmend für internationale Organisationen wie UN, EU oder für andere Regierungen. Insgesamt war die GTZ im vergangenen Geschäftsjahr in über 130 Ländern aktiv und beschäftigte 13.000 Mitarbeiter, darunter 9.000 aus den jeweiligen Einsatzgebieten.
Dort gerät die GTZ immer wieder mit Entwicklungsorganisationen aneinander. "Zwar gibt es weniger Konflikte als früher, weil die GTZ politischer und weniger technokratisch geworden ist", sagt Rudolf Buntzel vom Evangelischen Entwicklungsdienst. Doch in dem Maße, wie sie die Bedeutung der Zivilgesellschaft vor Ort erkannt habe, trete sie in Konkurrenz zu NGOs. "Die haben uns sehr gute Partner einfach weggekauft", so Buntzel. Diese profitierten zwar vom Geld der GTZ, würden zugleich aber politisch gezähmt. "Sich mit Regierungen anlegen, sei es unsere eigene oder autoritäre woanders", so Buntzel, "das darf die GTZ nicht."
Polizei nimmt ranghohe Beamte fest
Die mexikanische Polizei hat 27 ranghohe Beamte, darunter auch zehn Bürgermeister, des Bundesstaates Michoacán festgenommen. Ihnen werde vorgeworfen, einem Netz von Beamten angehört zu haben, das die kriminelle Bande "La Familia Michoacana" vor Strafe schützen sollte. Zu den Verdächtigen gehören außerdem 16 Staatsbedienstete und ein früherer Beamter.
Die Bundespolizei führte die Verdächtigen am Dienstag aus ihren Häusern oder aus ihren Büros ab, unterstützt wurde sie dabei vom Militär. Einzelheiten der Vorwürfe wurden zunächst nicht bekannt.
"La Familia" ist im Drogenschmuggel aktiv, ihr werden auch Entführungen und Erpressung vorgeworfen. Zu den Festgenommenen gehören auch der Koordinator der Berater des leitenden Staatsanwaltes, Ramón Ponce, der Direktor der regionalen Polizeischule, Mario Bautista, sowie Citlalli Fernández, frühere Sekretärin für öffentliche Sicherheit und jetzige Beraterin des Gouverneurs Leonel Godoy Rangel, und der Richter Jaime Liera.
Godoy war über die Aktion nicht vorab informiert und kritisierte das Vorgehen der Behörden als möglicherweise verfassungswidrig. Bereits in der vergangenen Woche waren ranghohe Beamte aus ähnlichen Gründen in dem Bundesstaat Morelos festgenommen worden.
Die Generalstaatsanwaltschaft hofft, dass die Festgenommenen aussagen werden. "Wir hoffen, dass sie gestehen werden", sagte der Sprecher der Behörde, Ricardo Nájera. In Mexiko liefern sich verschiedene Drogenbanden einen Kampf auf Leben und Tod. Seit Januar 2008 kostete dieser Konflikt nach offiziellen Angaben schon 8200 Menschen das Leben.
Rechte boykottieren Thor Steinar
VON ANDREAS SPEIT
Hinfort mit dem Markenwahn: Viele Neonazis wollen Thor Steinar-Klamotten nicht mehr tragen.
Es klingt absurd: Die unter Rechtsextremen beliebte Modemarke Thor Steinar hat Absatzprobleme - ausgerechnet in der rechten Szene. Im Internet findet sich ein Boykottaufruf, der von mehreren Neonazi-Gruppen verbreitet wird. "Wir als Nationale Sozialisten lehnen ganz klar die Mediatex GmbH und ihre Marke ,Thor Steinar' ab", erklärt etwa die "Aktionsgruppe Essen".
Markig begründet sie den erstaunlichen Schwenk. Die Volksgemeinschaft baue auf deutscher Kultur auf. "Markenwahn und Konsumterrorismus werden in unserer Gemeinschaft keinen Platz haben." Andere Gruppen, etwa die Autonomen Nationalisten aus Regensburg, posten zustimmende Kommentare. Die Marke, die mit uneindeutigen Symbolen rechte Kunden anlockt, hat offenbar ein Akzeptanzproblem bei ihrer Klientel. Der Grund ist der arabische Investor Faysal al Zarooni, der im November 2008 bei Mediatex einstieg. 2003 hatten Uwe Meusel und Axel Kopelke die Marke gegründet, heute stellt die "Faysal al Zarooni Group of Companies" den Geschäftsführer.
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Neben dem Unbehagen an fremdländischem Kapital nennen die Neonazis krude Konsumkritik als Boykottgrund. Die Firma mache sich schuldig, jüngere Kameraden zu "geldgierigen Konsummonstern" heranzuziehen, die gezwungen würden sich "zu verschulden, um sich an den ,rechten Lifestyle' anzupassen", heißt es weiter in dem Aufruf. Er wird bisher vor allem von Autonomen Nationalisten unterstützt, die als gewaltbereit gelten und Outfits und Aktionen von linken Autonomen kopieren - etwa schwarzen Outdoorlook.
Thor Steinar bedruckt seine Kleidung mit mythisch-germanischen Symbolen und szene-interpretierbaren Slogans. So prangt etwa das Wort "Luftlandedivision" auf manchen Pullovern. "Ihr uneindeutiges Spielen mit rechten Symbolen gefällt", sagte Toni Peters vom antifaschistischen Pressearchiv (Apabiz). Die Marke erweitere die rechtsextreme Erlebniswelt. "Andere Marken kopieren die Idee, im Stil das politische Bekenntnis zum Rechtsextremismus offen zu lassen", so Peters.
Vom Erfolg getragen, eröffnete das Unternehmen diverse Läden, musste sich aber teilweise wieder zurückziehen. Im Berliner Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain löste etwa die Eröffnung eines Ladens im Februar 2009 Proteste aus. Es folgte die Kündigung. Bereits im Jahr 2004 hatte Mediatex einen Rückschlag erlitten. Das Landgericht Neuruppin entschied, das die im Logo verwendete Binderune eine Kombination aus der Tyr-Rune und der Wolfsangel darstelle. Die Symbole fanden bei der SA und der Waffen-SS Verwendung. Das Verbot des Logos folgte, ein neues Logo entstand. Später wurde das Verbot aufgehoben.
Bei Mediatex in Königs Wusterhausen in Brandenburg will man den Boykott nicht bewerten. "Alles im grünen Bereich", sagte Mitgründer Meusel der taz. Zur wirtschaftlichen Situation der Firma sagte er nichts.
Keine Homoehe in Kalifornien
Aus den geplanten Freudenfesten wurden Protestveranstaltungen: Nachdem der Oberste Gerichtshof im kalifornischen San Francisco am Dienstag das Verbot der Homoehe mit sechs zu eins Stimmen Mehrheit aufrechterhalten hat, gingen tausende von Schwulen und Lesben in dem bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat auf die Straße, um ihrer Empörung Luft zu machen. Sie blockierten den Verkehr vor dem Rathaus in San Francisco, in anderen Städten kam es zu Demonstrationen.
Der Oberste Richter Ronald George sagte, gleichgeschlechtliche Paare haben weiterhin das Recht auf eine behördlich anerkannte eingetragene Partnerschaft, die denselben verfassungsrechtlich garantierten Schutz wie eine Ehe biete und nur anders heiße. Aber die Wähler haben nun mal beschlossen, die förmliche Ehe auf heterosexuelle Paare zu beschränken.
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Beim Volksentscheid, der gleichzeitig mit den Präsidentschaftswahlen im November vorigen Jahres abgehalten wurde, stimmten 52,5 Prozent für einen Verfassungszusatz, die "Proposition 8", der die Ehe ausschließlich als Verbindung von Mann und Frau definiert. Georges Urteilsbegründung klang fast wie eine Entschuldigung. Es sei nicht Aufgabe des Gerichts, zu entscheiden, ob "Proposition 8" vernünftig sei, sagte er. Das Gericht dürfe nur die Regeln der kalifornischen Verfassung interpretieren und müsse persönliche Ansichten außen vor lassen. Die 18.000 gleichgeschlechtlichen Ehen, die zwischen Mai und November 2008 geschlossen wurden, als solche Trauungen legal waren, bleiben jedoch gültig, entschied das Gericht. Die Gegner hatten gefordert, sie zu annullieren.
Das Thema beschäftigt Kalifornien bereits seit 2004. Damals ordnete der Bürgermeister von San Francisco, Gavin Newsom, an, dass sich gleichgeschlechtliche Paare in seiner Stadt trauen lassen können. Tausende reisten daraufhin zur Eheschließung nach San Francisco, aber der Oberste Gerichtshof Kaliforniens annullierte die Ehen mit der Begründung, dass der Bürgermeister seine Kompetenzen überschritten habe.
Doch im Mai vorigen Jahres legalisierte derselbe Gerichtshof die Homoehe mit vier zu drei Stimmen, weil "der Staat keine besonderen Gründe vorbringen" konnte, diese Ehen zu verbieten. "Die Ehe ist ein Grundrecht", hieß es in der Urteilsbegründung, und die sexuelle Orientierung spiele dabei genauso wenig eine Rolle wie die Rasse.
Nach dem Urteil vom Mai begannen religiöse Organisationen und konservative Politiker, Unterschriften für einen Volksentscheid zu sammeln. Sie investierten Millionen Dollar in ihre Kampagne und hatten damit Erfolg. Bürgerrechtsorganisationen argumentierten, dass es sich bei "Proposition 8" nicht bloß um eine Gesetzeserweiterung, sondern um eine Verfassungsänderung handle. Und die benötigt eine Zweidrittelmehrheit des Gesetzgebers, bevor sie überhaupt zum Referendum zugelassen werden kann. Danach seien im Volksentscheid ebenfalls zwei Drittel der Stimmen notwendig. Dieser Sichtweise folgten die Richter nicht.
Damit ist das letzte Wort freilich noch nicht gesprochen. Homosexuellenorganisationen können den Fall vor ein Bundesgericht bringen, oder sie können versuchen, einen erneuten Volksentscheid in die Wege zu leiten. "Der vernünftigste Weg wäre ein weiteres Referendum", sagte die Anwältin Jennifer Pizer, die einen der Kläger vertritt. Die Schwulen- und Lesbenorganisationen hoffen, dass die kürzlich erfolgte Legalisierung der Homoehe in den nordöstlichen Bundesstaaten Vermont und Maine sowie in Iowa, wo sich das Gericht ausdrücklich auf das kalifornische Urteil vom Mai 2008 berief, genügend kalifornische WählerInnen umstimmen könnte. In Massachusetts und Connecticut ist die gleichgeschlechtliche Ehe bereits seit vorigem Jahr anerkannt, in New York und New Jersey steht eine Entscheidung bevor.
Vielleicht ist es auch nur eine Frage der Zeit. Laut einer Umfrage der New York Times sprachen sich 57 Prozent der Befragten für die Anerkennung der Homoehe aus. Bei den über 40-Jährigen waren es nur 31 Prozent.
Kein Herz für Robben
Vor ihr liegt der wuchtige Körper der toten Robbe. Mit einer Art Spachtel, einem traditionellen Eskimo-Messer, bearbeitet Michaëlle Jean das Innere des Tieres. Dann wird ihr ein Stückchen Fleisch zum Probieren angeboten. Die Generalgouverneurin Kanadas, die die britische Königin Elisabeth II. in Kanada als Staatsoberhaupt repräsentiert, beißt hinein. Es ist das rohe Herz der Robbe, von dem sie vor laufenden Fernsehkameras ein Stück verspeist. Für Tierschützer ein Skandal.
Der Robben-Snack soll ein bisschen wie Sushi geschmeckt haben, hat Michaëlle Jean kanadischen Medienberichten zufolge im Anschluss gesagt. Dass sie ihn bei einer Feier in Rankin Inlet im nordkanadischen Territorium Nunavut aus rein kulinarischen Gründen gegessen hat, darf hingegegen kaum angenommen werden: es geht vielmehr um Politik.
| Robbenjagd in Kanada Blut im Schnee | ||||||||||||||
Zuvor hatte Jean die traditionelle Robbenjagd der Inuit verteidigt. Die Aktion kommt drei Wochen, nachdem das EU-Parlament in Straßburg ein Importverbot für alle Waren beschlossen hatte, für die Fleisch oder Fell von Robben verarbeitet werden.
Ziel des Importbanns, der erst im kommenden Jahr in Kraft treten wird, ist zwar die kommerzielle Robbenjagd. Die traditionelle Jagd der Inuit ist ausdrücklich von der Verordnung ausgenommen, aus Rücksicht auf die Lebensweise der Ureinwohner von Kanada, Grönland und Alaska. Doch trotzdem befürchten die Inuit negative Auswirkungen auf ihren Lebensunterhalt.
Ein Robben-Snack als Solidaritätsbekundung also? Dass ihre Aktion eine Replik auf die EU-Verordnung gewesen sein soll, wies die Generalgouverneurin auf Nachfrage örtlicher Medien zurück. Der Aussagekraft der Bilder dürfte sich Jean aber auf alle Fälle bewusst gewesen sein: Denn vor ihrem Amtsantritt hat sich die gebürtige Haitianerin in der kanadischen Provinz Québec einen Namen als TV-Journalistin gemacht.
Bereits wenige Stunden nach dem Vorfall haben Tierschützer begonnen, im Internet gegen Michaëlle Jean mobilzumachen. "Ich bin nicht sicher, ob sie mehr eine Perverse oder mehr eine Idiotion ist. Vermutlich beides zur Hälfte", giftet da ein User in einem Vegetarier-Forum. Ein anderer sagt, er wartet nur auf die Nachricht, dass sich Jean durch das rohe Fleisch einen Parasiten eingefangen habe. Ein Vertreter der Tierschutzorganisation Peta meinte, Jean wolle wohl den Kanadiern ein noch stärkeres Neandertaler-Image verpassen, als sie es ohnehin schon in der Welt hätten.
Andere verspotten die Generalgouverneurin als "Kanadas Version von Sarah Palin". Die Gouverneurin des US-Bundesstaates Alaska und republikanische Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten, hatte 2008 eine Kampagne unterstützt, die Eisbären von der Liste gefährdeter Arten streichen lassen will.
Den kommerziellen Robbenjägern geht Jeans Geste hingegen nicht weit genug, sie sei zudem zu spät gekommen und zu gering ausgefallen, heißt es. Kein Wunder: Für ihre Produkte hat der Import-Bann der EU schließlich von 2010 an Gültigkeit. Für die kommende Saison hat die kanadische Regierung kürzlich dennoch eine üppige Quote festgesetzt: Etwa 300.000 Robben sind zur Jagd freigegeben.
Dienstag, 26. Mai 2009
AU fordert Sanktionen gegen Eritrea
Die Afrikanische Union (AU) hat den UN- Sicherheitsrat aufgefordert, Sanktionen gegen Eritrea zu verhängen. Wie der britische Sender BBC berichtete, beschuldigt die afrikanische Staatengemeinschaft das Land Eritrea, die islamistischen Aufständischen in Somalia mit Waffen zu versorgen. Es sei das erste Mal, dass die AU gegen einen Mitgliedsstaat die Verhängung von Sanktionen verlange.
Eritrea bestreitet den Vorwurf kategorisch. Als Reaktion auf die Sanktionsforderung der AU habe das Land seinen Botschafter bei der Staatengemeinschaft abberufen, teilte der eritreische Informationsminister Ahmed Ali Abdu mit. Er widersprach jedoch einem Bericht, dass sein Land seine Mitgliedschaft in der AU ausgesetzt habe.
Die AU hat rund 4000 Soldaten in Somalia, die die schwache Regierung unterstützten. Die Staatengemeinschaft forderte neben Sanktionen auch die Einrichtung einer Flugverbotszone und eine Blockade der Seehäfen, um das Eindringen “ausländischer Elemente” nach Somalia zu verhindern, berichtete BBC weiter.
Seit Freitag liefern sich die Rebellen in Mogadischu schwere Gefechte mit den Regierungstruppen. Bei den Auseinandersetzungen in der somalischen Hauptstadt sind mehr als 50 Menschen an einem Tag getötet worden. Mindestens 200 Menschen wurden im Kampf um die Vorherrschaft in der Stadt verletzt, teilte die Elman-Menschenrechtsorganisation mit.
Regierungstruppen hatten am Freitag eine Offensive gestartet, um verlorenes Territorium von islamistischen Aufständischen zurückzuerobern. Dabei habe es Dutzende Tote und Verletzte gegeben, berichtete die Menschenrechtsorganisation unter Berufung auf verschiedene Quellen. Zahlreiche Einwohner nutzten eine Kampfpause am Samstag zur Flucht aus der Stadt.
Sonntag, 24. Mai 2009
Koreas Expräsident begeht Suizid
VON MARTIN FRITZ
Kurz vor halb sechs Uhr am Samstagmorgen setzte sich Roh Moo Hyun, bis Anfang letzten Jahres der Präsident von Südkorea, in seinem Landhaus in Bongha an den Computer und schrieb eine Abschiedsnotiz an seine Frau und seine zwei Kinder. "Seid nicht zu traurig. Leben und Tod gehören zur Natur", lauteten seine Worte. "Macht niemandem Vorwürfe. Dies ist Schicksal." Dann wanderte der 62-Jährige mit einem Leibwächter einen nahe gelegenen Berg hinauf und stürzte sich um 6.40 Uhr von einer Klippe hundert Meter tief in den Abgrund. Er erlitt dabei so schwere Kopfverletzungen, dass er um 9.30 Uhr in einem Krankenhaus für tot erklärt wurde. Auf eigenen Wunsch wird der Leichnam von Roh eingeäschert, die Familie stimmte einem Staatsbegräbnis zu.
Die schrittweise Zerstörung seines persönlichen Ansehens sowie seines politischen Vermächtnisses sind offenbar die stärksten Motive für die Selbsttötung. Der als kompromisslos geltende Roh ist besonders stolz darauf gewesen, ein unabhängiger und unbestechlicher Politiker zu sein. Er hatte es 2002 geschafft, ohne Hilfe der Industrie-Konglomerate zum Präsidenten gewählt zu werden, indem er über das Internet mit teilweise antiamerikanischer Rhetorik jüngere Wähler mobilisierte. Doch wie bei jedem südkoreanischen Präsidenten seit Anfang der Neunzigerjahre tauchten auch gegen Roh nach dem Ausscheiden aus dem Amt Korruptionsvorwürfe auf. Anfang April entschuldigte sich der Politiker öffentlich dafür, dass seine Frau und seine Nichte von einem Geschäftsmann mehr als vier Millionen Euro angenommen hatten. Ende April wurde Roh 13 Stunden lang von der Staatsanwaltschaft verhört. Auf dem Weg nach Seoul verfolgte ihn ein Pressetross in Autos und Hubschraubern - eine solche Demütigung hatte noch kein Expräsident erlebt. Sein "sauberes" Image gehörte der Vergangenheit an.
Zugleich musste Roh miterleben, wie sein politisches Erbe demontiert wurde. Als Präsident hatte der frühere Menschenrechtsanwalt die Sonnenscheinpolitik seines Vorgängers Kim Dae Jung fortgeführt: Roh unterstützte Nordkorea mit Reis, Dünger und Investitionen, ohne politische Bedingungen zu stellen. Trotz eines Atomtests kamen der nordkoreanische Führer Kim Jong Il und Roh im Oktober 2007 zum zweiten Korea-Gipfel zusammen und verständigten sich über eine Nachkriegsordnung für die Halbinsel. Doch sein Nachfolger Lee Myung Bak beendete die Versöhnungspolitik und verlangte von Nordkorea Gegenleistungen für Hilfslieferungen.
Der Selbstmord seines Expräsidenten hat Südkorea schwer schockiert. Tausende nahmen in Bongha von dem Sarg Abschied. In Seoul legten Trauernde zahllose Chrysanthemen vor einem Porträt von Roh nieder. Seine letzte politische Botschaft zeigte, dass ihn sein Lebenswille verlassen hatte. Er symbolisiere nicht mehr länger die Werte, für er einst gestanden habe, schrieb er vor einem Monat auf seiner Webseite.