Donnerstag, 23. Oktober 2008

Keine Meinungsfreiheit für Moderatorin

ZDF trennt sich von Elke Heidenreich

Nach ihren verbalen Attacken gegen das ZDF und das Fernsehen hat der Mainzer Sender die Zusammenarbeit mit Moderatorin Elke Heidenreich «mit sofortiger Wirkung beendet». Das teilte das ZDF am Donnerstag mit. Die beiden für dieses Jahr im Oktober und Dezember noch geplanten Ausgaben der Literatursendung «Lesen!» würden nicht mehr produziert. Heidenreich (65) hatte ihren Sender angegriffen, kurz nachdem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki (88) bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises am 11. Oktober den Ehrenpreis für sein Lebenswerk abgelehnt hatte.

«Mit ihren Äußerungen in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" hat Frau Heidenreich die Ebene einer sachlichen Auseinandersetzung verlassen und das ZDF sowie einzelne seiner Mitarbeiter persönlich in nicht mehr hinzunehmender Weise öffentlich herabgesetzt», sagte Programmdirektor Thomas Bellut. Das Vertrauensverhältnis zwischen dem ZDF und Heidenreich sei dadurch so nachhaltig zerstört, dass «eine gedeihliche und sinnvolle Zusammenarbeit nicht mehr möglich» sei.

Heidenreich hatte über die Verleihung des Ehrenpreises an Reich- Ranicki geschrieben: « Die nominierten Filme und Serien seien in der Mehrzahl «jämmerlich». Ich dachte, was für eine Zumutung diese armselige, grottendumme Veranstaltung für ihn sein müsse.»«Wie jämmerlich unser Fernsehen ist, wie arm, wie verblödet, wie kulturlos, wie lächerlich». Und weiter: «Man schämt sich, in so einem Sender überhaupt noch zu arbeiten. Von mir aus schmeißt mich jetzt raus, ich bin des Kampfes eh müde.» Sie entschuldige sich «stellvertretend für alle Leidenden an diesen Zuständen bei Reich- Ranicki für diesen unwürdigen Abend».

Fernsehpreis-Moderator Thomas Gottschalk (58) hatte eine Einladung zur «Lesen!»-Sendung am 5. Dezember bereits abgesagt, nachdem Heidenreich ihn in der Illustrierten «Bunte» so kritisiert hatte: «Ich finde nicht, dass er nach all diesen Jahren noch ein guter Moderator ist.» Gottschalk sei ein «müder alten Mann». Daraufhin nahm Reich-Ranicki Gottschalk, dem er noch am Fernsehpreis-Abend das «Du» angeboten hatte, in Schutz. «Thomas als dumm hinzustellen ist eine Unverschämtheit. Elke hat sich miserabel benommen. Sie hat noch intrigiert. Sie wollte, dass man Thomas meine Laudatio wegnimmt, um sie selbst zu halten», sagte er auch in der «Bunten».

Das ZDF teilte mit, dass es auch nach dem Abschied von Heidenreich eine Literatursendung im ZDF geben werde. An einem Nachfolgekonzept für 2009 werde gearbeitet. Anstelle der geplanten «Lesen!»-Sendungen am 31. Oktober und 5. Dezember wird das Kulturmagazin «Aspekte» ausgestrahlt.

"Let's Make Money": Sehenswerte Doku über das Finanzsystem

Primat des Geldes

Es ist viel von Gier und Maßlosigkeit die Rede in diesen Tagen der globalen Finanzkrise. Alle Beteiligten zeigen sich zerknirscht und geloben Besserung. Bis zum nächsten Crash. Aber was passiert eigentlich mit dem Geld, das wir zur Bank bringen und das für uns «arbeiten» soll? Der österreichische Dokumentarist Erwin Wagenhofer, der vor drei Jahren mit «We Feed the World» den Irrsinn unserer Nahrungsmittelproduktion entlarvte und damit über 400 000 Zuschauer allein in Deutschland in die Kinos lockte, verfolgt in seinem neuen, sehenswerten Film die Wege des Geldes über den Globus. Dabei kommt er weitgehend ohne eigenen Kommentar aus und lässt stattdessen seine Bilder und Protagonisten sprechen.

Zum Beispiel den Investmentbanker Mark Mobius, Präsident von Templeton Emerging Markets, der in Singapur einen Fonds von geschätzt 50 Milliarden Dollar verwaltet. Der kahlköpfige Stratege lehnt jede Verantwortung für die Folgen seiner Investitionen ab. Es gehe einzig darum, das Geld der Kunden zu vermehren. Mobius spricht nicht mehr von Dritter Welt oder unterentwickelten Ländern, sondern von «Emerging Markets» (Wachstumsmärkten) und freut sich diebisch über diese zynische Beschönigung, die die triste Realität so elegant verschleiert.

Zum Beispiel in der indischen Millionenstadt Stadt Chennai, dem früheren Madras, wo ein Drittel der Bevölkerung in Slums lebt und die Flüsse längst zu stinkenden Kloaken verkommen sind. An den Ufern dieser Abwasserkanäle stehen riesige Werbeplakate mit den Versprechungen der global agierenden Banken, ein grotesker Kontrast. Eine indische Wirtschaftswissenschaftlerin legt den Zusammenhang von Privatisierungspolitik und der Verarmung großer Teile der Bevölkerung in dem Schwellenland offen. Ein 12-jähriger Junge erklärt, dass er später Rechtsanwalt werden will, um gegen die Korruption zu kämpfen.

Das Elend fällt nicht vom Himmel. Auch nicht in Burkina Faso, dem viertärmsten Land der Welt. Durch die Monokultur sind die Böden weitgehend zerstört, aber die eigentlich hochwertige, von Hand gepflückte Baumwolle bringt dem Land auf dem Weltmarkt kaum noch Einnahmen, weil gleichzeitig die USA ihre eigenen Baumwollproduzenten mit drei Milliarden Dollar jährlich subventionieren. «Sie selbst machen Protektionismus und verlangen von uns Liberalismus», bilanziert der Agronom Yves Delsile bitter. Es reicht einfach nicht: Die Lebenserwartung in Burkina Faso beträgt 42 Jahre. Über den Köpfen der im Steinbruch schuftenden Frauen kreisen die Geier. «Let's Make Money» ist viel mehr als der Film zur aktuellen Krise, er zeigt eine Katastrophe in Permanenz.

Wagenhofer beleuchtet die fortwährende Ausbeutung der Dritten Welt, aber er richtet den Fokus auch auf Europa. Durch die neoliberale Politik der Privatisierung verschwinden immer mehr Werte, die früher der Allgemeinheit gehörten. Der Verkauf der Wiener Straßenbahn an amerikanische Investoren in Form eines «Cross-Border- Leasings» ist nur ein kurioses Beispiel für eine Finanzspekulation, von der die Bewohner Wiens lediglich die Risiken und Kosten tragen müssen. Die Durchschnittseinkommen in Europa stagnieren, während in einer Steueroase wie Jersey geschätzte 500 Milliarden Dollar Privatvermögen lagern.

Am Ende zieht Hermann Scheer, Bundestagsabgeordneter und Träger des Alternativen Nobelpreises, eine pessimistische Bilanz: Wenn wir den Primat des Geldes nicht brechen, beginnt bald ein neues Zeitalter der Barbarei. In diesem Film kann man die Menetekel schon besichtigen.

Warum Kuranyi wirklich gehen musste

Mitte August berichteten lag Fluch-Fluch, der auf "Bild"-Zeitung: den verheerenden Hang, irgendwelche Zufälle damit zu erklären, dass Gegenstände, Personen oder Ort verwunschen seien (vgl.: "Aberglaube ist keine Hexerei").

Wenig später fiel der "taz" auf, dass die "Bild"-Zeitung auch an einer Art Ferrero-Tourette leidet: einem ununterdrückbaren Hang, Markennamen des Süßwarenherstellers wie "Milchschnitte" oder "Nutella" immer wieder namentlich in scheinbar redaktionellem Zusammenhang zu erwähnen (vgl.: Kevin Kuranyi in Nuss-Nougat-Skandal verwickelt).

So gesehen ist heute ein großer Tag für "Bild":

Mit Dank an Willi!

Joe und der Sozialismus

Mit einem Klempner fing alles an. Der Star des letzten Fernsehduells der Präsidentschaftskandidaten hieß nicht John McCain oder Barack Obama, sondern Samuel Joseph Wurzelbacher. Der Klempner aus Ohio hatte wenige Tage vor der Debatte Obama während einer Wahlkampfveranstaltung angesprochen. Er wolle gerne die kleine Firma, für die er seit Jahren arbeitet, kaufen. Da das Unternehmen mehr als 250.000 Dollar im Jahr einbringt, fiele er unter dem Steuerplan des demokratischen Kandidaten damit aber in eine höhere Steuerkategorie. Das sei doch so, als würde er für seine harte Arbeit und seinen Erfolg bestraft.

Joe the Plumber.jpgMcCain witterte eine Chance und benutzte Obamas Austausch mit "Joe the plumber" während der Debatte mehrfach, um seinen Gegner als unternehmensfeindlich darzustellen. Er wandte sich sogar direkt an Herrn Wurzelbacher. In die Kamera blickend sagte er: "Joe, Du sollst wissen, dass ich Dir helfen werde, das Unternehmen zu kaufen, für das Du Dein ganzes Leben lang gearbeitet hast. ... Ich werde keine Steuererhöhung für Kleinunternehmer zulassen!"

Seither ist "Joe" unfreiwillig zum Vorzeigekind der Republikaner geworden, zum Repräsentanten aller hart arbeitenden Durchschnittsamerikaner, denen die Demokraten angeblich die Verwirklichung des amerikanischen Traums verwehren wollen. Denn Obamas Argument, eine leichte Steueranhebung für die 5% aller Betriebe, die mehr als 250.000 Jahreseinkommen haben, diene dazu, eine Senkung bei den übrigen 95% zu ermöglichen, hielt die Republikaner nicht davon ab, ihn seither bei jeder Veranstaltung als "Steuererhöher" zu beschimpfen. Schlimmer noch, seine Aussage, diese Massnahmen trügen zur "Umverteilung von Amerikas Wohlstand" bei sei reiner Sozialismus. Obama wolle die Regierung auf Kosten des Unternehmertums zur Fürsorgeanstalt machen.

"Umverteilung" ist heute eines der meist gebrauchten Schimpfworte in den Wahlkampfauftritten von John McCain, das regelmässig Buhkonzerte vom Publikum einbringt. Sarah Palin bedient sich genüsslich des "S-Wortes"; sie weiss, dass das verlässlich Gänsehaut bei ihren Zuhörern hervorruft.

Joe der Klempner ging aus der Begegnung als Prominenter hervor, Barack Obama als "Sozialist". Beide versuchen seither den Schaden zu begrenzen.

McCain Werbespot zu Joe the Plumber

Sarah Palin zum Sozialismus

Ausgesetztes Mädchen weinte und hatte Angst

Des Zuges verwiesen wegen 2,90 Euro. Im Fall der zwölfjährigen Schülerin, die von einer Schaffnerin in der Nähe von Rostock ausgesetzt wurde, sind jetzt weitere Details an die Öffentlichkeit gekommen. So berichtet ein Fahrgast, wie er einzugreifen versuchte – die Zugbegleiterin aber unnachgiebig blieb.

Gestern wurde bekannt, dass eine Zugschaffnerin ein zwölfjähriges Mädchen bei anbrechender Dunkelheit nahe Rostock aus einem Zug verwiesen und allein auf dem Bahnsteig zurückgelassen hat. Das Mädchen hatte sein Portemonnaie mit der Fahrkarte vergessen.

Das Mädchen musste deshalb am Montag mit einem schweren Cello auf dem Rücken fünf Kilometer nach Hause marschieren. Eine nachgekaufte Fahrkarte hätte 2,90 Euro für die Strecke gekostet. Die Deutsche Bahn reagierte und suspendierte die Schaffnerin.

Jetzt wurden weitere Details über den Vorfall bekannt. Mitreisende hatten Medienberichten zufolge angeboten, für das Mädchen zu zahlen und auch gegen die Anweisung der Schaffnerin protestiert. Der 42-jährige Fred Zuppke sagte dem "Hamburger Abendblatt", dass er schwerstbeschädigt ist und das Mädchen ihm noch beim Einsteigen geholfen hatte. Als das Kind bemerkt habe, dass es sein Portemonnaie vergessen hat, bot er ihm seine Hilfe an. "Ich darf eine Begleitperson kostenfrei mitnehmen. Doch das lehnte die Zugbegleiterin schriff ab, ich sollte die Amtshandlung nicht stören," sagte Zuppke. Nach diesem Vorfall ging der 42-Jährige zur Bahn, um sich zu beschweren. "Mir wurde gesagt: `Was wollen Sie? Es ist doch nichts passiert.´"

Bahnsprecher Burkhard Ahlert kündigte nun jedoch eine gründliche Untersuchung des Vorfalls an. „Zunächst ist die Zugbegleiterin wegen ihres offensichtlich falschen Handelns vom Dienst suspendiert worden“, sagte Ahlert. Nach Prüfung einer ersten schriftlichen Stellungnahme der Schaffnerin müsse sie mit schweren arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen. Die Untersuchung des Vorfalls mit Zeugenbefragungen soll möglichst bis Freitag abgeschlossen sein. „Dann werden wir über die notwendigen Maßnahmen entscheiden“, kündigte der Bahnsprecher an.

Für das Fehlverhalten der Bahnangestellten entschuldigte sich Ahlert bei dem Mädchen und dessen Eltern. Den Bestimmungen zufolge dürften Minderjährige wegen einer fehlenden Fahrkarte nicht aus dem Zug gesetzt werden. Die Bahn werde bei der betroffenen Familie versuchen, mit einem Blumenstrauß und einem Länder-Ticket die Entgleisung ihrer Angestellten wieder gutzumachen, sagte Ahlert.

Die Mutter der Zwölfjährigen sagte, dass ihre Tochter davon berichtete, wie sie von der Schaffnerin als Schwarzfahrerin bloßgestellt worden sei, von den Tränen und der Angst auf dem Nachhauseweg, machte die Mutter gegenüber einer regionalen Zeitung ihrem Ärger Luft. Ihren Namen habe sie nicht veröffentlichen wollen, sie sei um eine sachliche Klärung bemüht, schrieb die "Ostseezeitung". Die Mutter des Kindes wolle vor allem verhindern, dass sich ein solcher Vorfall wiederhole. Die Alleinschuld der Zugbegleiterin stellte die Mutter jedoch in Frage. Entweder sei die Schaffnerin angewiesen worden, so zu handeln, oder sie sei nicht richtig in geltende Vorschriften eingewiesen worden.

Empörung auch bei den Anwohnern in Bad Doberan. Immer noch ungeklärt sei der Überfall auf eine Mutter mit Kind in der Region, „wie kann man da ein Kind auf so einer finsteren Strecke sich selbst überlassen“, fragte eine Mutter zweier Söhne, die auch oft in der Regionalbahn sitzen. Zudem seien die Fahrkartenautomaten an den Haltestellen fast immer kaputt, kontrolliert werde faktisch nie. „Und dann wird ausgerechnet an einer Zwölfjährigen ein Exempel statuiert“, sagte die Frau.

Die Zwölfjährige befand sich auf dem Weg von Bad Doberan zur Musikschule in Rostock und musste mit dem schweren Musikinstrument auf dem Rücken von der Station Parkentin nach Hause laufen.

Prozess um verbrannten Schüler in Hamburg

Vor dem Hamburger Landgericht hat der Prozess gegen drei junge Männer begonnen, die einen Schüler beim Eintreiben von Drogenschulden getötet und dessen Leiche verbrannt haben sollen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten Totschlag vor.

Einer der Angeklagten verdeckt im Landgericht in Hamburg sein Gesicht.

Nach dem Verhandlungsauftakt am Donnerstag bestritt der Anwalt eines der beiden mutmaßlichen Haupttäter, dass sein Mandant den 17-Jährigen im vergangenen April in einer Hamburger Wohnung getötet habe. Dieser räume nur eine Tatbeteiligung «im weiteren Sinne» ein, sagte der Verteidiger.

Der zweite mutmaßliche Haupttäter bestreitet nach Angaben seines Anwalts jede Beteiligung an dem Verbrechen.
Autoritär und feige. Gegen den Eintritt der Trotzkisten-Belle schickt die Berliner Linkpartei Klaus Ernst vor. Der ehemalige WASG-Chef legt Einspruch gegen SAV-Eintritt ein.

Seit Wochen geistert das Gerücht in Berliner Links-Kreisen umher, die Linkspartei der Landeshauptstadt wolle gegen den Eintritt der Trotzkisten von der SAV vorgehen. Selber den Dolch zu führen war den Berliner Realo-Genossen aber wohl zu heikel...

Vor gut einem Monat hatte sich die trotzkistische Kleinstgruppe SAV nach langem hin und her entschlossen doch in die Linkspartei einzutreten. Dabei war die "Sozialistische Alternative Voran" noch 2007 wild entschlossen gewesen die Fusion der WASG mit der SED-Nachfolgepartei, PDS zu verhindern. 2006 fuhren die Trotzkisten mit dem Eigenantritt der Berliner WASG ihr schwerstes Geschütz auf.

Hauptkritikpunkt der SAV aber auch vieler Linker und Sozialbewegter in der Stadt war - und ist - die Einsparschweinpolitik der Berliner Realo-Genossen um Klaus Lederer und Stefan Liebich. Die Regierungsozialisten, die zusammen mit der Sozialdemokratie die Geschicke Berlins leiten, machen sich mit ihrem Regierungskurs, der zu harten Einsparungen geführt hat, nicht nur in Berlin unbeliebt, sie stoßen auch auf Kritik in der "Linken" selbst.

Die Linke in der "Linken" fürchtet, die Realpolitik von Liebich und Co. könnte das Projekt Linkspartei beim Wähler desavouiren.

Unvergessen und nicht vergeben: Die Nachfolgepartei der SED weiß bekanntlich nicht nur wie man einen ganzen Staat gegen die Wand fährt, die PDSler haben auch Erfahrung darin, wie man in den Bundestag rein kommt - und anschließend wegen zu vieler Rechtsschwenks wieder rausfliegt.

Für die meisten radikalen Linken war von Anfang an klar, dass die neue Linkspartei keine antikapitalitische Partei ist, sondern systemstabilisierend wirkt. Hinzu kam die Kritik an der Struktur der ehemaligen PDS, die Partei, die etliche Linke wegen ihres stalinistischen Erbes schon seit ihrer Gründung nicht nur für autoritär struturiert hielten...

Ihre überalterte Parteibasis - durch die DDR geprägt - neige zu Kadavergehorsam, ihr Antikapitalismus sei bestenfalls "nationalbolschewistisch". Eine Polemik (nicht nur von "Antinationalen" vorgebracht), die darauf abzielte die oftmals stalinoid-bräsig daherkommende Kritik der autoritär geprägten Alt-Basis am "bösen Westen" und seinem Kapitalismus sei nichts weiter als Ostalgie: spiessiges Ressentiment das die Sehnsucht nach einem provinziellen Gartenzwergsozialismus ausdrücke - sogar anschlussfähig an völkische und antisemitische Denkweisen.

Mit Häme wurde daher in der radikalen Linken die Selbstmord-Ankündigung der Truppe um die Trotzkisten-Schöne, Redler goutiert, sie wolle nun "Entrismus", in die Linkspartei rüber machen. So richtig ernst hat die SAV ohnehin niemand mehr genommen. Neben Spott hagelt es auch bundesweit Kritik an dem "parasitären Wesen" einer Gruppe, die "Organisationshopping" betreibe ohne "in der Bewegung richtig mit anzupacken".

Niemand hatte daher mit einem Einspruch gegen den Mitgliedsantrag von bestenfalls drei Handvoll SAV-Mitglieder gerechnet, die mangels Masse ohnehin nichts am Realo-Kurs der Berliner Linkspartei ändern könne. Bestenfalls werde man die Entristen von der SAV mit Posten ruhig stellen, so wie vorher die Trotzkisten der inzwischen aufgelösten Gruppe "Linksruck", von denen manches Ex-Mitglied mittlerweile einen lukrativen Job in der Linken Bundestagsfraktion ausübt.

Christine Buchholz zum Beispiel, die im Bundestagsbüro des WASG-Gründers, Klaus Ernst arbeitet. Ausgerechnet von dem kommt nun der Einspruch gegen den Eintritt Lucy Redlers. Ziemlich fantasielos argumentiert der bayerische Regionalfürst der IG-Metall, Redler sei gegen die Fusion von WASG und PDS zur Linkspartei gewesen. Ernst, den etliche WASGler bereits in der Gründungsphase für grobschlächtig und autoritär hielten, vergisst allerdings dass bei der Fusion der beiden Parteien automatisch auch diejenigen Mitglied in der Linken wurden, die vorher gegen die Fusion aufgestanden waren.

Redler und die SAV hatten sich dem damals durch Austritt aus der fusionierten Partei entzogen. Während - im Widerspruch zur Berliner SAV-Linie - die Trotzkisten in den Westbundesländern nicht aus der WASG austraten und somit Mitglied der Fusionspartei wurden.

Vor einem Monat kündigten die Redler-Trotzkisten auf ihren Webseiten an: "SAV jetzt auch im Osten in der "Linken". Eine "Drohung" die "Titanic"-Titelseitenverdächtig war: ergänzt durch "Massenflucht in die neuen Bundesländer". Statt den Eintritt Redler mit Humor zu nehmen, folgt stattdessen der "Prager Frühling in der Linkspartei".

Beobachter reiben sich verwundert die Augen warum Mitglieder der "Linke" mit ihrem autoritären Vorgehen gegen Lucy Redler der bekannten Trotzkistin eine mediale Bühne schaffen. Allerdings geistert schon seit Wochen das Gerücht in der Berliner linken Szene umher, die Berliner Linkspartei fürchte den Eintritt Redlers und Genossen, könnten diese doch einen Kristallisationspunkt für alle Unzufriedenen in der Berliner Linkspartei bilden und damit den Realo Kurs von Liebich und Co schwächen.

Konkret, so Kreuzberger Mitglieder der Linkspartei bereits vor 14 Tagen, bereiteten Linksparteichef Gregor Gysi und die führende Berliner Reala, Halina Wawziniak einen Einspruch gegen die SAV und Lucy Redler vor, "innerhalb der Sechs-Wochen-Frist für Neumitglieder". Wawzyniak trat 1990 als 16-Jährige in die PDS ein und macht seitdem eine steile Karriere. Mit ihr hat die Berliner Linkspartei ein Mitglied im Bundesvorstand, das dafür Sorge trägt, dass der Kurs der Regierungssozialisten von innerhalb der Linken nicht gestört wird.

Mit "Wessi" Klaus Ernst haben die Berliner Genossen ein WASG-Gründungsmitglied für die Liquidierung des Kasus Redler vorgeschickt, um Vorwürfen in Richtung "autoritäres Erbe der SED", "Stasi-Anwalt gegen Trotzkistin", "Berliner Realsozialisten fürchten Kritikerin" zu begegnen.

Eines haben die Strippenzieher aus Berlin aber nicht bedacht: statt Kritiker in die Linkspartei hineinzusaugen und in Ämter zu kooptieren, werden sie die Reihen derjenigen stärken, die bereits klammheimlich über eine erneute linke Konkurrenzkandidatur zur Berliner Linkspartei nachdenken.

Obama und McCain liegen fast gleichauf

Das Rennen um das Weiße Haus könnte doch enger werden als es viele Umfragen erscheinen lassen. Nach einer aktuellen Erhebung liegen der demokratische Kandidat Barack Obama und sein republikanischer Rivale John McCain nahezu gleichauf.

Der Umfrage der Nachrichtenagentur AP und dem Institut GfK zufolge gewann McCain unter Weißen, Menschen mit einem Jahreseinkommen von weniger als 50.000 Dollar und Wählern ohne Hochschulabschluss an Zustimmung.

Unter den Befragten, die wahrscheinlich wählen wollen, kommt Obama auf 44 Prozent. McCain liegt mit 43 Prozent nur knapp dahinter. Vor drei Wochen hatte Obama in einer AP-GfK-Umfrage noch einen Vorsprung von sieben Prozentpunkten. Die Erhebung erfolgte vom 16. bis 20. Oktober. Insgesamt wurden landesweit 1.101 Erwachsene befragt, darunter 800, die erklärten, sie würden wahrscheinlich zur Wahl gehen. Die Fehlertoleranz liegt bei 3,5 Punkten.

Die neue Umfrage stützt Vermutungen einiger Republikaner und Demokraten, wonach den Republikanern zuneigende Wähler nach der dritten und letzten Fernsehdebatte zwischen Obama und McCain sich wieder deutlicher hinter McCain stellen. In anderen Umfragen der vergangenen Tage liegt Obama mit 9 bis 14 Prozentpunkten vor McCain.

Bei der Auswertung aller Befragten und nicht nur der wahrscheinlichen Wähler kommt Obama 47 und McCain auf 37 Prozent. Anders als in anderen Umfragen nahmen an der Erhebung auch Mobiltelefonnutzer teil.

Millionenbetrug bei der Deutschen Post

Roland Ionas Bialke
Eine Sicherheitslücke im Onlineangebot der Deutschen Post AG ermöglicht es ohne viel Aufwand mit Hilfe eines Kreditinstituts in betrügerischer Weise Briefmarken auszudrucken und die Post so um viel Geld zu erleichtern.

Die Internetmarke der Deutschen Post AG ist eigentlich ganz praktisch. Geld wird der Post überwiesen und die Post schickt den Menschen dann die Briefmarken als PDF-Datei online zu. Die Briefmarken können dann auf Klebefolie ausgedruckt werden, direkt auf Briefumschläge oder auch auf ganz normalen DIN-A4-Papier. In diesem Fall kann die Briefmarke dann einfach ausgeschnitten und mit einen Klebestift auf den Briefumschlag geklebt werden.

Bezahlt werden können die Briefmarken mit einen Konto des Luxemburger Krieditinstituts PayPal. Und genau das ist der Haken. Den grossen Firmen in Deutschland ist bekannt wie leicht es ist an ein solches Onlinekonto heranzukommen und damit betrügerisch umzugehen. In der Cracking-Szene wird ein solches verifiziertes Paypal-Konto mit 10 Euro gehandelt. Verifiziert heisst, dass das PayPal-Konto im Lastschriftverfahren auf eine Kreditkarte oder ein Girokonto zugreift. Es kann also per Vorkasse bezahlt werden und PayPal holt sich dann das Geld von einen anderen Konto wieder. Die Post lässt es aber sogar direkt zu, dass die ausdruckbaren Briefmarken per Lastschriftverfahren bezahlt werden. Dazu werden nur echte Bank- und Adressdaten gebraucht, die überall im Internet gefunden werden können.

Es ist so möglich pro Bestellung ohne zu bezahlen 2197,80 Euro in Briefmarken zu erhalten. Diese Briefmarken sind übertragbar und können nicht der Bestellung zugeordnet werden. Nur gegen das doppelte verwenden der ausdruckbaren Briefmarken gibt es angeblich einen Sicherheitsmechanismus.

In Zeiten der Bankenkrise und erhöhten Preisen ist dieses leichtsinnige Angebot der Post grob fahrlässig. Dabei ist es ziemlich einfach diese Sicherheitslücke zu schliessen. Dafür müsste die Post einfach die erste Bestellung nur per Banküberweisung zulassen und den Druck der Briefmarken bei der ersten Bestellung etwas verzögern. Aber das scheint der Post nicht möglich zu sein. Noch schlimmer, aus Sicht der Post, dürfte es sein, dass es in der Cracking-Szene ein nicht-öffentliches Tutorial gibt mit dem anonyme Girokonten beispielsweise bei der Deutschen Bank, Dresdner Bank oder Commerzbank über Postdienstleistungen eröffnet werden können.

Aber nicht nur die Deutsche Post, sondern auch die Deutsche Bahn und die Berliner S-Bahn GmbH gehen mit ihren Dienstleistungen grob fahrlässig um. Und das, wie schon erwähnt, bei steigenden Preisen. Letztendlich werden diese Verluste auf die Preise aufgeschlagen. Es ist zudem extrem lächerlich, dass die Banken und ihre Minister von Sicherheit sprechen, Gesetze initiieren die andere Menschen einschränken und dabei selbt ihr Scheunentor ganz weit auflassen.

Negativ zu kritisieren, dass sich Menschen Briefmarken oder Fahrkarten erschwindeln kann aber nicht der Zweck dieses Artikels sein. Denn das Recht auf Bewegungsfreiheit und das Recht auf freie Kommunikation sind elementare Bestandteile einer emanzipatorischen Gesellschaft. Briefe zu versenden muss für alle Menschen kostenfrei werden! Mit der Bahn zu reisen muss für alle Menschen kostenfrei werden!

http://www.deutschepost.de/porto-direkt/
http://de.wikipedia.org/wiki/PayPal
http://de.wikipedia.org/wiki/Cracker_(Computersicherheit)