Samstag, 27. September 2008

"Buhlen um Prinz Knackarsch"

Von Thorsten Dörting

Frauen müssen leider draußen bleiben. Mit TIMM geht Deutschlands erster Fernsehsender nur für Schwule an den Start. Mit zielgruppengerecht umgepolten Erfolgsformaten aus dem Privatfernsehen und etwas Bildungs-TV wollen die Macher eine solvente Zielgruppe verführen.

Lachshäppchen gab's, chinesische Nudeln, dazu Mozzarella auf Tomate. Dieses Buffet-Ensemble könnte man als neo-gutbürgerlich bezeichnen, genauso wie den Ort, wo es kredenzt wurde: im stylishen, aber nicht allzu extravaganten Hamburger Hotel East, auf der ja auch nur noch halbherzig sündigen Meile Reeperbahn. Und so passten Ort und Speisen bestens zu TIMM, dem neuen deutschen TV-Kanal für schwule Männer, der sich heute in Hamburg erstmals präsentierte.

Der in Berlin ansässige Sender, der nach langen Planungen am 1. November an den Start gehen will, setzt auf ganz offensiv auf eine Zielgruppe, die, wie es der Finanzchef Holger Schöpper formulierte, "mit einem Image besetzt ist, das sehr viele Werbekunden schätzen".

Was er damit meint? Im Wesentlichen wohl eine vielen Schwulen auch von der Werbewirtschaft nicht ganz zu Unrecht unterstellte Konsum- und Lebensfreude, zu der sich in der Regel ein ganz ordentliches Einkommen gesellt.

"Wir wollen nicht nur problematisieren, wir wollen auch Spaß machen", gab Schöpper als Motto aus. Diesen Hang zum Hedonismus zeichnet das Programm denn auch aus.

TIMM setzt auf viele zielgruppenkompatible Erfolgsserien aus dem Ausland, wie etwa die Schwulen-Soaps "Queer as Folk" und "Noah's Arc" oder die Sitcom "Absolutely Fabulous" über zwei exzentrische, leicht degenerierte, auf Männer, Mode und Drogen fixierte Damen aus der britischen Oberschicht.

Dazu kommen Filme (eher schwuler Mainstream als Independent), eine Reisesendung, ein Mode-Magazin für Männer und ein wenig schwules Bildungsfernsehen mit Reportagen wie "Gay Muslims" oder Dokumentationen zur Historie der Homosexualität - Geschichte goes Gay.

Dann wären da noch die Eigenproduktionen, die nach Angaben des Chefredakteurs Jochen Hick zu Anfang zwischen 20 und 30 Prozent des Programms ausmachen sollen. Mit "Homecheck" etwa haben die Verantwortlichen eine Dating-Show entwickelt, bei der - in bester heterosexueller Privatsender-Manier - zwei einander Unbekannte die Wohnung des potentiellen Partners durchwühlen. Eine schwule Version der Kuppelshow "Der Bachelor" soll es auch noch geben, im Sender-Trailer mit den Worten "Buhlen um Prinz Knackarsch" angepriesen.

Für journalistische Kompetenz soll zunächst "TIMM Today" sorgen, ein tägliches Nachrichtenformat, bei dem zwei Anchormen aus einer "schwulen Perspektive" (Chefredakteur Hick) Relevantes aus aller Welt präsentieren. Der eine Moderator heißt Armin Ceric und stand zuvor bei Xen.on-Television vor der Kamera, einem Berliner Studentensender, ihm zur Seite steht Björn Wolfram, bisher für die NDR-Umweltlotterie "Bingo!" als Außenreporter unterwegs.

Prominente Schwule hat man also noch nicht für den Sender gewinnen können, an Dirk Bach wäre ja zu denken, oder Georg Uecker, bekannt als Dr. Carsten Flöter aus der ARD-Lindenstraße. Doch Senderchef Frank Lukas sieht das auch als Statement. Man wolle mit "unbeleckten Gesichtern" in die Welt hinaus; will also unverbraucht wirken.

"Der metrosexuelle Mann"

Man kann diese Aussage durchaus so verstehen, dass die Macher den Ballast vergangener gesellschaftspolitischer Konflikte abwerfen. Denn ihr Konzept spiegelt ja eine Realität: Schwule sind im soziokulturellen Mainstream angekommen, selbst wenn Chefredakteur Hick versichert, dass man sich genauso um die Ränder kümmern wolle; es gebe ja auch "schwule Hartz-IV-Empfänger oder Punks".

Tatsächlich ist es ja heute so, dass, wie Senderchef Lukas ausführte, rein schwule Inhalte im Fernsehen eher deswegen wenig präsent sind, weil die Chefs der großen Sender Quoten-Tiefs fürchten. Besagter Georg Uecker erhielt dagegen noch 1990 anonyme Morddrohungen, als er seinen Serien-Partner küsste.

Für einen kleinen Kanal könnte sich die Zielgruppenbeschränkung durchaus lohnen. Denn rein rechnerisch, so Medienmanager Schöpper, gebe es 3,65 Millionen schwule Männer in Deutschland. Und dabei sende man ja nicht allein für die, sondern eben auch für das "schwule Umfeld"; was die beste Freundin sein könne, die Eltern "oder auch der metrosexuelle Mann".

Dabei versteht sich TIMM als Vollprogramm, sendet in der Regel täglich sechs Stunden, zu empfangen bundesweit und unverschlüsselt, via digitales Kabelnetz und über Astra-Digital. Das entspricht zumindest einer technischen Reichweite von 15 Millionen Haushalten.

Eben diese Reichweite zu garantieren, sei ein zentrales Interesse der Investoren gewesen, so Finanzchef Schöpper. Mit dabei sind die Hannoveraner Verlagsgruppe Madsack ("Hannoversche Allgemeine Zeitung", "Neue Presse"), die von Geschäftsführer Frank Lukas betriebene Produktionsfirma "south & browse" sowie die IBB Beteiligungsgesellschaft.

Das Geld der Investoren habe bereits gereicht, um das Programm für die nächsten zwei Jahre zu finanzieren - exklusive Eigenproduktionen allerdings. Die 50 festangestellten Mitarbeiter dürfte das freuen: Solange geht der Lachs schon mal nicht aus.

Donnerstag, 25. September 2008

Kritik an US-Datentauschabkommen

Der AK Vorrat hat eine bisher geheime Übereinkunft zur Auslieferung von Informationen über Deutsche an die USA veröffentlicht.

Der nun von der deutschen Bürgerrechtsorganisation Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung [AK Vorrat] veröffentlichte Text der Übereinkunft sieht vor, einer ungenannten Zahl von US-Behörden [darunter US-Strafverfolger, US-Grenzbehörden und US-Geheimdienste] einen direkten Online-Abgleich von Fingerabdrücken und DNA-Körperproben mit deutschen Datenbanken zu ermöglichen - ein europaweit einzigartiges Vorhaben.


Außerdem sollen deutsche Behörden den USA ungefragt melden dürfen, welche Personen sie der Beteiligung an oder Planung von terroristischen Aktivitäten verdächtigen.

Willkürliche Datenabfrage und -weitergabe
Die Abfrage der deutschen Datenbanken soll laut AK Vorrat keinerlei Verdachtsgrad oder Anlass voraussetzen und könnte willkürlich geschehen, die abgefragten Informationen könnten zudem an beliebig viele andere US-Behörden weitergeleitet werden.

Europäer erhielten des Weiteren kein Recht, unabhängige Gerichte anzurufen, um sich gegen irrtümliche oder illegale Maßnahmen der US-Behörden zu wehren. Nicht einmal unabhängige Datenschutzbeauftragte existieren in den USA, so die Bürgerrechtler.

Bisher erlaubt das Rechtshilfegesetz eine Weitergabe persönlicher Daten nur an Staaten mit angemessenem Datenschutzniveau.

Datenschutz wie in Thailand, Philippinen
Das Datenschutzniveau der USA entspricht einer Untersuchung der britischen Bürgerrechtsorganisation Privacy International zufolge jedoch demjenigen der Philippinen und Thailands und keinesfalls europäischen Standards.


Der AK Vorrat ruft daher den deutschen Bundestag auf, seine Zustimmung zu dem ohne parlamentarische Beteiligung, hinter verschlossenen Türen und im deutschen Alleingang von Wolfgang Schäuble [CDU] und Brigitte Zypries [SPD] ausgehandelten Plan zu verweigern, weil er in Deutschland lebende Menschen in die Gefahr systematischer Menschenrechtsverletzungen durch die USA bringt.

Mittwoch, 24. September 2008

Bush verspielt seine letzte Chance

Von Thomas Nehls, z.Zt. ARD-Studio New York

Deutlicher hätten die Unterschiede kaum ausfallen können. Da nutzt der noch knapp vier Monate amtierende mächtigste Politiker unter der Sonne nicht eine Sekunde lang die Gelegenheit, der Weltöffentlichkeit wenigstens ein paar nachdenkliche Worte zu hinterlassen; und da empfiehlt sich der nächste Redner geradezu ganzheitlich als jemand, der die Zeichen der Zeit erkannt zu haben scheint. George W. Bush der eine, Nicolas Sarkozy der andere.

Dass der US-Präsident tatsächlich 24 Minuten vor der UNO-Vollversammlung zu reden vermochte, ohne auch nur eine einzige bedenkenswerte Anregung zu machen – damit hat er sich sogar selbst übertroffen, denn bei ähnlichen Anlässen war das auch schon einmal anders. Die Substanz seiner 17 Minuten lang dem andauernden Anti-Terror-Kampf und in der restlichen Zeit mehr oder minder Allgemeinplätzen gewidmeten Ansprache ist so gering, dass sie in einer Flaschenpost – nicht einmal Pfand beansprucht werden könnte.

Sei´s drum, der nachfolgende Redner machte die Defizite wett: Wie schon zum Auftakt der Debatte UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon, mahnte Frankreichs Staats- und Europas derzeitiger Ratspräsident, den unkritischen Glauben an die "Magie des Marktes" in Frage zu stellen und die Wirtschaft nicht länger von Begriffen wie Ethik und Verantwortung auszunehmen. Ob man es ihm nun Wort für Wort abnehmen möchte oder nicht – der präsidiale Aktionist aus Paris will mit der Renovierung des Kapitalismus umgehend beginnen und sie umfassend anlegen.

Mit seinem Ansatz, dabei nicht nur die Instrumente und Mechanismen zu überprüfen, sondern auch die Menschen auf der Schattenseite von Gier und Globalisierung einzubeziehen, rennt er offene Türen ein. Schon am ersten Tag der Debatte haben der nicaraguanische Präsident der 63. Vollversammlung und der brasilianische Staatschef ins selbe Horn gestoßen. Der Gleichklang lässt hoffen und dürfte von Dutzenden anderen fortgesetzt werden.

Die Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hat auf einer hochkarätig besetzten Parallel-Veranstaltung in New York bereits davor gewarnt, angesichts der Finanzkrise zugesagte Programme für die Bekämpfung der Armut in all ihren Facetten in Frage zu stellen; und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier will die Mahnung erweitern – beispielsweise, wenn er heute den einem großen Teil der Weltbevölkerung versagt gebliebenen Zugang zu Frischwasser als Quelle sogar neuer Kriege ausmachen wird.

Solche nur vermeintlich abwegigen Zusammenhänge sind zur Verwunderung vieler auf der Tagesordnung dieser UNO-Vollversammlung nach vorn gerückt. Sie sollten sich von sowieso in New York selten erfolgreichen Lösungsversuchen für aktuelle politische Krisen nicht verdrängen lassen. Die Vereinten Nationen sind das Forum der Weltbevölkerung – und in der sind Länder mit eigensüchtigen Vorstellungen oder solche mit imperialen Gelüsten glücklicherweise in der Minderheit.

Dienstag, 16. September 2008

Unglücksjet hatte defekte Start- und Landeklappen

Schwere Vorwürfe an Fluggesellsschaft Spanair

Vier Wochen nach dem Absturz einer Spanair-Maschine in Madrid haben die Ermittler eine Fehlfunktion an den Auftriebshilfen der Tragflächen ausgemacht. In einem vorläufigen Untersuchungsbericht erklärten die Experten, die Start- und Landeklappen an den Flügeln seien beim Start nicht in der richtigen Position gewesen. Die Piloten hätten davon aber nichts gewusst, weil der Alarm im Cockpit nicht ausgelöst worden sei. Der Bericht wurde noch nicht offiziell vorgestellt, aber von mehreren spanischen Tageszeitungen zitiert.

Zusammenhang mit Fehlstart möglich

Der Ausfall des akustischen Alarms könnte laut "El Pais" mit der Überhitzung eines Temperaturfühlers zusammenhängen, wegen der die Maschine einen ersten Startversuch abgebrochen hatte und noch einmal zum Terminal zurückgekehrt war. In dem Bericht hieß es weiter, die Piloten hätten merken können, dass der Startklappen-Alarm nicht funktionierte, wenn sie die von Boeing ausgegebenen Sicherheitsempfehlungen befolgt hätten.

Schwere Vorwürfe an Spanair

Der Flugzeughersteller habe nach einem Absturz einer MD-82 1987 in Detroit allen Airlines empfohlen, bei Flugzeugen dieses Typs vor dem Start das Alarmsystem zu überprüfen. So sollen die Piloten gewarnt werden, wenn ihr Flugzeug nicht startbereit ist. Spanair habe das Alarmsystem jedoch nur vor dem ersten Flug eines Tages und bei Zwischenstopps kontrolliert, wenn die Besatzung komplett gewechselt habe. Wenn ein Crewmitglied für die Weiterreise an Bord geblieben sei, sei die Kontrolle entfallen. Dies sei bei der Unglücksmaschine der Fall gewesen. Das Flugzeug kam aus Barcelona, landete in Madrid und sollte von dort aus nach Gran Canaria weiterfliegen. Pilot und Copilot wurden nicht ausgetauscht.

Die Ermittler erklärten in ihrem Bericht allerdings nicht, dass die Fehlfunktion der Start- und Landeklappen die Ursache des Unglücks vom 20. August war, bei dem 154 Menschen getötet wurden. Sie baten die Luftfahrtbehörden in der Europäischen Union und den USA aber dringend darum, die bloße Empfehlung zur Überprüfung des Alarms zu einer Vorschrift zu machen.

Leiche der vermissten "Gorch Fock"-Soldatin gefunden

Der Leichnam der seit Anfang September vermissten Soldatin des Segelschulschiffs "Gorch Fock" ist etwa 120 Kilometer nordwestlich von Helgoland aus der Nordsee geborgen worden. Die Besatzung eines Fischereiaufsichtsbootes entdeckte den leblosen Körper am Montagabend im Wasser, wie die Staatsanwaltschaft Kiel mitteilte. Die Leiche wurde damit knapp 150 Kilometer vom Unglücksort entfernt gefunden. Bei einer Obduktion am Dienstag sei als Todesursache Ertrinken festgestellt worden. Anzeichen von Fremdeinwirkungen gab es den Angaben zufolge nicht.

Unterdessen setzt die Staatsanwaltschaft ihre Untersuchungen fort. Ein Anfangsverdacht für eine Straftat bestehe derzeit nicht, deshalb werde es zunächst kein Ermittlungsverfahren geben, sagte Oberstaatsanwalt Uwe Wick. In den nächsten Tagen wollen die Ermittler die Aussagen der 40 bis 50 Zeugen auswerten, die sich in der Nacht an Deck befunden hatten.

Während der Seewache über Bord gestürzt

Die Offiziersanwärterin aus dem nordrhein-westfälischen Geilenkirchen war in der Nacht zum 4. September während der Seewache über Bord gestürzt. Zum Zeitpunkt des Unglücks fuhr die "Gorch Fock" in der Deutschen Bucht zehn Seemeilen nördlich von Norderney unter vollen Segeln. Nach Angaben der Marine war die Schiffslage trotz zwei Meter hoher Wellen und Windstärke sieben ruhig und stabil. Die Marine schloss Nachlässigkeiten bei den Sicherheitsmaßnahmen aus.

Suche nach einer Woche eingestellt

Die Marine hatte eine Woche nach dem Unfall die Suche nach der 18-Jährigen eingestellt. An der umfassenden Aktion hatten sich unter anderem Schiffe und Hubschrauber der Bundespolizei und der Deutschen Marine beteiligt. Zudem wurden zwei Tornado-Jets mit Wärmebildkameras eingesetzt. Die Überlebenschancen der jungen Frau wurden von Anfang an als gering eingeschätzt. Das Wasser der Deutschen Bucht war etwa 17 Grad kalt.

Der berühmte Dreimaster, der in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, setzte seine Ausbildungsreise Anfang vergangener Woche Richtung Dublin fort. An Bord des Schiffes befinden sich 107 Offizieranwärter des Jahrgangs 2008, darunter 24 Frauen. Zur Stammbesatzung gehören 100 weitere Soldaten.

„Pro Köln“ lügt

Jean-Marie Le Pen, Führer der ultrarechten „Front national“ in Frankreich, wird nicht am „Anti-Islamisierungskongress“ in Köln am Wochenende teilnehmen. Laut Le Pens Sprecher Alain Wizier sei ein Besuch in Köln niemals geplant gewesen. Auch Le Pens Büro in Brüssel weiß nichts von einer solchen Vereinbarung.

KÖLN/BERLIN - Der Führer der ultrarechten „Front national“ in Frankreich, Jean-Marie Le Pen, wird nicht an dem „Anti-Islamisierungskongress“ in Köln am 19. und 20. September teilnehmen. „Ein Besuch in Köln war niemals geplant und wird auch nicht stattfinden,“ sagte Le Pens Sprecher Alain Wizier dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Er bezeichnete die Veranstalter des Kongresses, die rechtsextreme Gruppierung „Pro Köln“, als „Lügner“. Die Zentrale des „Front national“ in Saint-Cloud bei Paris stehe in keinem Kontakt mit der Gruppierung und habe Meldungen über die angebliche Teilnahme Le Pens an der Kölner Veranstaltung mehrfach dementiert. Es sei deshalb erstaunlich, dass immer noch das Gegenteil behauptet werde. Le Pen werde am Wochenende in Nizza sein.

„Pro Köln“ dagegen kündigt Le Pens Auftritt nach wie vor an. Es gebe eine entsprechende Vereinbarung mit dem Büro des rechtspopulistischen Politikers in Brüssel. Auf Nachfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ hieß es dort jedoch, man wisse nichts von dieser Verabredung.

Der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) warnte indessen vor einer Gewalteskalation am Samstag. "Ich rufe die Mehrheit der Kölner auf, den Rechtspopulisten durch gewaltfreie Verweigerung die kalte Schulter zu zeigen", sagte er der Tageszeitung "Die Welt". Er hoffe, dass die sonst tolerante Stadt Köln "mal so richtig intolerant" werde.

Die Veranstalter der Protestkundgebung von Gewerkschaften, Kirchen und weiteren Organisationen erwarten laut Schramma rund 60.000 Teilnehmern. Auf Seiten der Rechten sei "sicher mit ein paar Hundert" zu rechnen. Durch geschlossene Türen und Fenster sollten die Bewohner zeigen, "dass rechtspopulistische Rattenfänger, die offen auf Ausgrenzung setzen und nur Ängste schüren", nicht erwünscht seien, so der Oberbürgermeister.

Schramma: Keine rechtliche Handhabe

Laut Schramma gibt es dagegen aber keine rechtliche Handhabe. Mit einem "gewissen rechten Rand" müsse eine Millionenstadt wie Köln leben. Allerdings sei die überwältigende Mehrheit der Einwohner für ein friedliches Zusammenleben mit den Muslimen.

"Machen wir uns nichts vor: Köln wird in einigen Jahrzehnten eine Stadt mit einer echten Mischkultur sein", so Schramma. Bereits jetzt lebten dort 120.000 Muslime. Bei den Kindern sei das Verhältnis "schon heute 50 Prozent deutscher zu 50 Prozent ausländischer Herkunft". "Pro Köln" hatte sich in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Protesten gegen den Bau einer Moschee im Stadtteil Ehrenfeld gewandt.

Sarah Palin wollte Homo-Buch aus Bibliothek verbannen

Die republikanische Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin wollte in ihrer Zeit als Gemeinderätin von Wasilla gezielt ein Homo-Buch aus der öffentlichen Bücherei entfernen lassen.

Wie die "New York Times" berichtet, missfiel Palin im Jahr 1995 die Titelseite des Buches "Daddy’s Roommate" ("Vatis Mitbewohner"). Daran erinnern sich sowohl der damalige Bürgermeister als die Bibliothekarin. Das 1991 erschiene Buch, das sich an vier- bis achtjährige Kinder richtet, erzählt die Geschichte eines Jungen, der bei einem gleichgeschlechtlichen Paar aufwächst. Es wird beispielsweise gezeigt, wie die Väter gemeinsam Gartenarbeit verrichten oder mit ihrem Sohn in den Zoo gehen.

Nachdem Palin das Buch kritisiert hatte, begutachtete es die Bibliothekarin – und befand es als harmlos. Sie schlug Palin vor, es sich anzuschauen, daraufhin erklärte die Politikerin dem Zeitungsbericht zufolge wirsch: "Ich brauche so ein Zeug nicht zu lesen". "Es war für mich ein Schock, dass jemand ein Buch aus der Bibliothek entfernen lassen will und sich nicht mal die Mühe macht, es zu lesen", erklärte die Bibliothekarin jetzt. "Ich bin immer noch stolz auf das, was Sarah geleistet hat, aber sie macht mir gleichzeitig Angst."

Zuvor war bereits ein Fall aus dem Jahr 1996 in die Presse gekommen, in dem Palin als Bürgermeisterin eine andere Bibliothekarin gefeuert hatte, weil diese offenbar nicht der Zensur von Büchern zugestimmt hatte. Nach öffentlichen Protesten musste die Politikerin ihren Schritt später zurücknehmen. Die McCain-Palin-Kampagne erklärte wiederholt, dass Palin keine spezifischen Bücher für eine Verbotsliste im Sinn hatte, sondern lediglich eine Debatte darüber führen wollte.

John McCain führt derzeit in den meisten Umfragen knapp vor dem demokratischen Kandidaten Barack Obama. Die Nominierung von Palin wird als geschickter Schachzug des als in republikanischen Partei als zu gemäßigt geltenden McCain angesehen, um konservative Wähler an die Wahlurne zu locken. Die Präsidentschaftswahlen finden Anfang November statt.

Legendärer Soul-Komponist und Musikproduzent Norman Whitfield ist tot

Mit "Papa Was a Rollin' Stone" verhalf Norman Whitfield den Temptations zu einem ihrer größten Hits. Jetzt starb der Songwriter, Musikproduzent und zweifache Grammy-Gewinner im Alter von 65 Jahren.

New York / Los Angeles - Norman Whitfield war in den sechziger und siebziger Jahren einer der einflussreichsten Produzenten des legendären Detroiter Label Motown Records.

Wie Musik-Magazin "Billboard" mitteilte, erlag der 65-Jährige am Dienstag in einem Krankenhaus in Los Angeles den Komplikationen einer langjährigen Diabetes-Erkrankung.

Von dem Songwriter stammten Klassiker wie "Papa Was a Rollin' Stone" von den Temptations und "I Heard It Through The Grapevine" von Marvin Gaye.

Der Soul-Komponist schrieb und produzierte außerdem Songs für Gladys Knight und Undisputed Truth. Für "Car Wash" und "Papa Was a Rollin' Stone" gewann Whitfield zwei Grammys.

2005 wurde der Plattenproduzent wegen Steuerhinterziehung von vier Millionen Dollar (2,7 Millionen Euro) verurteilt. Wegen seiner fortgeschrittenen Diabetes musste Whitfield jedoch nicht ins Gefängnis.

Dienstag, 9. September 2008

OLPC-Verkauf über Amazon ab 17.11."Give One, Get One" für 399 Dollar

XO der OLPC-Initiative [One Laptop per Child] unter der Schirmherrschaft von MIT-Mitbegründer Nicholas Negroponte ist nicht nur bei Kindern, für die er eigentlich entwickelt wurde, sehr beliebt. Über die Aktion "Give One, Get One" bekamen im Vorjahr auch normale Nutzer die Möglichkeit, sich einen XO zu kaufen und gleichzeitig einen zu spenden.Nun geht die Aktion in die zweite Runde. Wie Negroponte nun US-Medien nach einigen Spekulationen bestätigt hat, wird der XO ab 17. November für 399 US-Dollar über Amazon.com gehandelt. Dabei kauft der Kunde zwei Notebooks, erhält aber nur eines davon für den eigenen Gebrauch. Das andere geht an eine der OLPC-Initiativen in Schwellenländern. Ob und zu welchen Bedingungen die Aktion auch in Europa starten soll, ist bisher noch unklar.
Bericht auf Laptopmag
Bericht auf OLPC-News
Auf Rückfrage von ORF.at zeigten sich vergangene Woche sowohl die lokale und für gewöhnlich gut informierte Initiative OLPC Austria als auch die Sprecherin von Amazon.de von der Nachricht überrascht. Demnach wurde bisher weder in den Strukturen von OLPC noch bei Amazon intern kommuniziert, ob und zu welchem Preis die Aktion auch in Europa ablaufen wird.
Verwirrung über OLPC-Aktion mit Amazon
[futurezone]